„Reputation würde Schaden nehmen“
Kampf um HRE-Anteil eskaliert

Der US-Investor Christopher Flowers hat die Bundesregierung vor den Folgen einer Enteignung der schwer angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) gewarnt. Doch die Politik zeigt sich unbeeindruckt.

BERLIN. Der US-Investor Christopher Flowers hat die Bundesregierung vor den Folgen einer Enteignung der schwer angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) gewarnt. „Die Reputation Deutschlands als Investitionsstandort für ausländische Investoren würde durch eine Enteignung schweren Schaden nehmen“, heißt es in der Stellungnahme des HRE-Großaktionärs zu der für Montag angesetzten Anhörung im Bundestags-Finanzaussschuss zum Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz (FMStErgG), bei der Flowers erwartet wird.

Mit dem neuen Gesetz will die Regierung im Kern die Voraussetzung für eine vollständige Übernahme einer Bank durch den Bund schaffen. Bislang darf der staatliche Rettungsfonds Soffin sich nur mit bis zu 33 Prozent an einer Bank beteiligen. Die Option der Verstaatlichung soll allerdings nur Ultima Ratio sein, also nur dann greifen, wenn andere Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel drängte den HRE-Großaktionär Flowers am Wochenende zur Entscheidung. Wenn es zu keiner Einigung über einen Kaufpreis komme, werde der US-Investor notfalls enteignet, machte die CDU-Chefin im Deutschlandfunk deutlich. „Unser Gesetzgebungsverfahren tritt jetzt in die entscheidende Runde ein.“ Sie glaube, dass diese Tatsache, die Aktionäre „vielleicht noch einmal zum Nachdenken bringt“. Zugleich betonte sie, der Bund wolle nur Marktpreise für die auf Tiefststände gesunkenen HRE-Aktien zahlen.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, es gehe um die Sicherung von Steuergeldern. Ohne die knapp 90 Mrd. Euro schweren Garantien des Bundes würde die HRE nicht mehr existieren. Angesichts des weiteren Sanierungsbedarfs in Milliardenhöhe strebe der Staat die vollständige Kontrolle bei der HRE an und sei an einer Einigung mit Flowers interessiert, der mit Investoren rund 24 Prozent an der HRE beteiligt ist. Ein Übernahmeangebot von drei Euro, wie es Flowers vorschwebe, sei allerdings „jenseits der Realität. Am Freitag notierte die Aktie bei 0,87 Euro.

Flowers möchte weiterhin Aktionär der HRE bleiben und die Sanierung unterstützen. Konkret schlägt er eine Kapitalerhöhung seitens des Bundes von 1,9 Mrd. Euro vor (633 Mio. Aktien mal drei Euro), was zu einer Beteiligung des Bundes in Höhe von 75 Prozent plus einer Aktie führen würde. Weiterer Kapitalbedarf könnte über stille Einlagen gedeckt werden. Dazu bedürfe es weder einer Enteignung noch irgendeiner Auszahlung bestehender Aktionäre.

Flowers kann nicht nachvollziehen, warum sich die Refinanzierungssituation der HRE wesentlich verbessern sollte, wenn der Staat mehr als 90 Prozent der Anteile halten sollte. Selbst eine 100-prozentige Beteiligung des Staates an einer Bank würde nicht zu Refinanzierungskosten für die Bank führen, die „auch nur annähernd an die des Staates herankommen“, so Flowers.

Ausländische Investoren würden nach Einschätzung Flowers derzeit sehr genau darauf achten, wie die „Ultima Ratio" in der Praxis definiert werde.

Seite 1:

Kampf um HRE-Anteil eskaliert

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%