Ressourcen-Effizienz
Industrie verschwendet Material

Die deutsche Wirtschaft könnte jährlich zwischen 27 und 60 Milliarden Euro sparen, wenn sie sorgsamer mit Produktionsmaterial und Rohstoffen umginge. Jetzt bringen Umweltminister Gabriel und der Verein deutscher Ingenieure ein Zentrum für Effizienztechnologie an den Start.

BERLIN. In einzelnen Branchen wie der Kunststofferzeugung, Metallverarbeitung, Chemie- und Elektroindustrie sowie am Bau beträgt das Sparpotential jeweils zwischen fünf und elf Milliarden Euro pro Jahr. Das ergab nach Angaben des Bundesumweltministeriums eine Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie.

Um vor allem kleinen und mittleren Unternehmen zu helfen, die ungleich größeren Reserven beim Material schneller zu heben, bringen Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und der Verein deutscher Ingenieure (VDI) am Montag ein "Kompetenzzentrum für Effizienztechnologien" auf den Weg. "Der sparsame und intelligente Umgang mit Ressourcen ist nicht nur ein Gebot des Klima- und Umweltschutzes, sondern wird zunehmend zu einer Schlüsselfrage für wirtschaftlichen Erfolg und Beschäftigung", sagte Bundesumweltminister Gabriel dem Handelsblatt. "Bei steigenden Preisen und endlicher Verfügbarkeit von Rohstoffen werden Ressourceneffizienz und Prozess- und Produktinnovationen zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für die deutsche Industrie."

Der Präsident des Vereins deutscher Ingenieure, Bruno O. Braun, wies darauf hin, dass jede dritte Solarzelle und jedes zweite Windrad aus Deutschland kommen. "Deutschland ist schon heute Exportweltmeister in der Umwelttechnik, diese gute Position müssen wir in den relevanten Technologien ausbauen, denn bis 2020 wird sich der weltweite Umsatz bei Umwelttechnologien verdoppeln", sagte Braun dieser Zeitung. "Deutschland muss zum Leitmarkt für Ressourceneffizienz werden."

Im Schnitt machen die Materialkosten in der Industrie 40 Prozent der Produktionskosten aus. Die Lohnkosten hingegen liegen bei nur einem Fünftel, die Energiekosten sogar nur bei zwei Prozent. Dennoch suchen viele Unternehmen meist zuerst bei den Arbeitskosten nach Einsparmöglichkeiten.

Das vom VDI getragene Kompetenzzentrum wird seinen Sitz in Berlin haben, die Leitung übernimmt der frühere Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), Johannes Lackmann. Dass Ministerium fördert das Zentrum bis 2011 mit gut fünf Millionen Euro. Es soll vor allem eine Internetplattform aufbauen, die das zu Umwelttechnologien verfügbare Know-How bündelt. Diese soll zudem Zugang zu einer Datenbank bieten, die Best-Practice-Beispiele sammelt und interessierten Unternehmen Bezugsmöglichkeiten zur Verfügung stellt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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