Restlaufzeit
Neckarwestheim wird Test für Atompolitik

Die Laufzeitverlängerung für das Kernkraftwerk Neckarwestheim I könnte zu einem frühen Testfall für die Energiepolitik der schwarz-gelben Regierung werden. Ursache dafür ist der Plan, bis Oktober nächsten Jahres zu klären, wie die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland aussehen könnte. Vor diesem Hintergrund ist in der CDU ein Streit darüber entbrannt, wie mit dem Sonderfall Neckarwestheim umgegangen werden soll.
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BERLIN. In dem Konzept sollen auch längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke möglichst umfassend geregelt werden. Dem zum Versorger EnBW gehörendem Reaktor Neckarwestheim I droht aber schon im Frühjahr das Aus, wenn die bisher genehmigte Produktionszeit ausläuft.

Vor diesem Hintergrund ist zwischen Umwelt- und Wirtschaftspolitikern der CDU Streit darüber entbrannt, wie mit dem Sonderfall Neckarwestheim umgegangen werden soll. Während die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) auf zügige Gespräche über eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke dringt, fordert der CDU-Wirtschaftsrat, Einzelfallentscheidungen zu Gunsten eines umfassenden Konzepts zurückzustellen.

"Die Frage, ob man von einem neueren auf ein so altes Kernkraftwerk wie Neckarwestheim I Laufzeiten übertragen sollte, ist von grundsätzlicher Bedeutung", sagte Wirtschaftsrat-Präsident Kurt Lauk dem Handelsblatt. Ein geschlossenes Energiekonzept habe Vorrang vor Einzelfallentscheidungen. Am Freitag will der Wirtschaftsrat über klimafreundliche Politik unter anderem mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) diskutieren. In einem Zehn-Punkte Programm fordert der in Umweltfragen bislang eher zurückhaltende Verband eine Stärkung klimafreundlicher Technologien und einen breiten Energiemix.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion Joachim Pfeiffer (CDU) drängt auf rasche Gespräche mit den Energieversorgern. Zwar lasse sich die Politik nicht unter Druck setzen. "Trotzdem muss noch in diesem Jahr geklärt werden, wie die Verhandlungskommission des Bundes mit den Energieversorgern aussieht."

Die Bundesregierung hatte bei der Klausur in Meseberg verabredet, keine Einzelfallentscheidung zu treffen, bevor das Gesamtkonzept steht. Angeblich steckt dahinter auch der Wunsch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), das umstrittene Thema aus dem NRW-Landtagswahlkampf herauszuhalten. Union und FDP haben sich in ihrem Koalitionsvertrag zu längeren Laufzeiten bekannt. Die Bedingungen sollen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Umweltminister Röttgen festlegen. Ein Zwischenbericht wird für Juni erwartet. Eine grundlegende Abkehr vom Atomausstieg erwartet Röttgen indes nicht. Kernenergie könne man auf Dauer nur nutzen, wenn die Menschen sie akzeptierten, sagte er der "Bild"-Zeitung.

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  • „billiger“ Strom aus Kernenergie ist ein Ammenmärchen - Fakt sind 2 Euro pro Kilowattstunde

    Die Atomenergie steht ungerechtfertigt im Ruf günstigen Strom zu produzieren. in Wahrheit handelt es sich um eine branche, bei der trotz Privatisierung in realsozialistischer Manier immer noch der Staat haftet, falls etwas schief geht.

    beleg - siehe bitte:
    http://www.solarserver.de/news/news-9217.html

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