Rettungsschirm
Banken sollen sich selbst helfen

Peer Steinbrück (SPD) fordert im „Spiegel“ einen Rettungsschirm für Banken. Das benötigte Volumen schätzt er auf 150 bis 200 Milliarden Euro. Zudem will er das Investment- vom Kredit- und Einlagengeschäft trennen.
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Hamburg/BerlinDer frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat gefordert, dass der Bankensektor die Kosten für die Rettung angeschlagener Geldhäuser selbst trägt. „Wenn eine Bank vor der Pleite steht, sollte nicht gleich mit Staatsknete geholfen werden“, sagte Steinbrück dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

„Zuerst sind Gläubiger und Aktionäre dran.“ Der SPD-Politiker fordert in einem für seine Partei ausgearbeiteten Papier zur Bankenregulierung einen Rettungsschirm für Banken aus deren eigenen Mitteln und plädierte für einen „Banken-ESM“.

„Der Steuerzahler darf nicht derjenige sein, der letzten Endes für die Risiko-Ignoranz und Fehlspekulationen in Anspruch genommen wird“, mahnte Steinbrück. Die Summe für den geplanten Rettungsmechanismus schätzte Steinbrück auf „150 bis 200 Milliarden Euro“. Er räumte ein, dass eine zusätzliche Abgabe die Banken weiter belasten werde: „Das wird sich möglicherweise negativ auf ihre Kreditvolumina auswirken.“ Die Frage sei aber, was mehr wert sei.

„Mir ist es mehr wert, dass es nicht wieder zu solchen Exzessen kommt, die dazu führen können, dass ganze Volkswirtschaften und Gesellschaften aus der Kurve fliegen“, sagte Steinbrück. Seiner Einschätzung nach wird der Aufbau eines solchen Rettungsschirms einige Jahre dauern.

Steinbrücks Konzept sieht dem Bericht zufolge zudem vor, das Investmentbankgeschäft vom Kredit- und Einlagengeschäft zu trennen. Dies würde unter anderem die Deutsche Bank treffen. „Ich will, dass sie als eine Holding erhalten bleibt“, betonte Steinbrück. „Das ist nichts, was sich speziell an die Deutsche Bank richtet.“

Seiner Ansicht nach sei das Vertrauen in Politik und Banken in der Krise verloren gegangen. „Wir haben es mit Exzessen zu tun, mit Unwuchten.“ Ein wichtiges Instrument der sozialen Marktwirtschaft funktioniere nicht mehr, Haftung und Risiko fielen nicht mehr zusammen.

Steinbrück gilt neben Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Parteichef Sigmar Gabriel als ein möglicher Kanzlerkandidat der SPD.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rettungsschirm: Banken sollen sich selbst helfen"

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  • @Benassar
    Da sieht man mal, wie nützlich so eine Krise doch ist, wenn sie zum Dauerzustand wird. Zumindest kann man mit ihr sehr gut die etablierten Machtverhältnisse zementieren, denn wer hat in einer Krise schon die Zuversicht, etwas neues zu wagen?!

  • Die armen Banken/die Europäer könnten/sollten die Zahlung an die internationale Finanzkrake verweigern.

    Zuerst brauchen wir aber das Trennbanken-System!

  • Vom Saulus zum Paulus?

    ..ups...aber Herr Steinbrück - sehr überraschend...

    Trennbankensystem?
    Gläubigerbeteiligung?

    ..das wäre sehr wünschenswert.

    Wo ist der Haken?

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