Richtgeschwindigkeit ist deutsche Eigenheit
Hintergrund zum Tempolimit

Deutschland ist das einzige Land in Europa, auf dessen Autobahnen keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung gilt - sondern nur eine „Richtgeschwindigkeit“ von 130 Stundenkilometern. Das will die SPD ändern.

HB BERLIN. Die Richtgeschwindigkeit wurde versuchsweise 1974 und endgültig im Dezember 1978 eingeführt. Damit wurden verschiedene Vorstöße, auf den Autobahnen ein Tempolimit von 100 km/h zu verhängen, zu den Akten gelegt. Allerdings ging der Streit über eine Geschwindigkeitsgrenze - heute sind vor allem 120 oder 130 Stundenkilometer im Gespräch - auch nach der Entscheidung für die Richtgeschwindigkeit weiter.

Die SPD-Delegierten sprachen sich auf ihrem Hamburger Parteitag erneut für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen von 130 Stundenkilometern aus. Dieser Wert entspricht auch der Richtgeschwindigkeit, die empfohlen wird. In vielen europäischen Ländern heißt es immerhin bereits Fuß vom Gas: In Norwegen darf auf Autobahnen nicht schneller als 90 km/h gefahren werden, in Schweden 110 km/h und Großbritannien 112 km/h.

Allerdings gibt es nach Angaben von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee in Deutschland eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf etwa 30 Prozent des Autobahnnetzes. In Ortschaften gilt ohnehin wie in den meisten europäischen Ländern eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Außerhalb von Ortschaften darf in der Bundesrepublik Tempo 100 gefahren werden. Das kann unter Umständen schon zu schnell sein: 60 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich durchschnittlich auf Landstraßen. Statistisch gesehen sind Autobahnen die sichersten Verkehrswege - nur etwa jeder achte Verkehrstote starb bei einem Unfall auf einer solchen Strecke.

Das Thema Tempolimit wird seit Jahren sehr emotional diskutiert. Befürworter verweisen auf die Verkehrssicherheit und Umweltaspekte. Dagegen halten etwa Automobilverbände so genannte Verkehrsbeeinflussungsanlagen für effizienter als ein starres Tempolimit. Sie geben eine an die jeweilige Verkehrssituation angepasste Höchstgeschwindigkeit vor, die etwa bei schlechtem Wetter anders sein kann als bei gutem. Auf knapp zehn Prozent des 12 200 Kilometer umfassenden Autobahnnetzes sind solche Systeme bereits installiert. Laut einer Studie des Auto Clubs Europa (ACE) kann solches „Geschwindigkeitsmanagement“ zu einem Rückgang bis 30 Prozent der Unfälle auf Autobahnen führen und die Umweltwelt entlasten, weil Staus und unnötige Schadstoffemissionen vermieden würden.

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