Richtungsstreit
AfD-Abtrünnige sehen Partei auf NPD-Kurs

Bei wichtigen Posten in der AfD-Bundestagsfraktion ging der rechte Höcke-Flügel leer aus. Umso stärker treten die Hardliner jetzt in den Ländern in Erscheinung. Für manchen AfDler eine besorgniserregende Entwicklung.

BerlinWas der völkisch-konservative Flügel in der AfD bei der Bildung der Bundestagsfraktion nicht geschafft hat, könnte ihm jetzt auf Länderebene gelingen: wichtige Posten ergattern und die Oberhand über die Führung der Partei. Dafür spricht, dass die mutmaßlich Gemäßigten allmählich den Rückzug antreten.

Der Aderlass prominenter AfD-Vertreter hatte Ende September begonnen, als die bisherige Parteichefin Frauke Petry und ihr Ehemann, der damals noch amtierende NRW-Landtagsfraktionschef Marcus Pretzell, der AfD den Rücken kehrten. Aus den Landtagsfraktionen in NRW, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gab es seit der Bundestagswahl insgesamt elf Austritte. Aus der Bundestagsfraktion verabschiedete sich in der vergangenen Woche zudem der Abgeordnete Mario Mieruch.

Exemplarisch für die Entwicklung der AfD hin zu einer radikalen Partei im rechten Spektrum ist der Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb weniger Wochen kehrten führende Mitglieder der Partei den Rücken. Schon vor der Bundestagswahl am 24. September traten einige den Rückzug an. Danach erreichte der Schwund in der Partei einen neuen Höhepunkt. Wohl auch, weil mit dem Einzug des bisherigen AfD-Landtagsfraktions- und Parteichefs Leif-Erik Holm in den Bundestag eine zentrale Figur des gemäßigten Flügels nicht mehr präsent ist.

Inzwischen ist eine regelrechte Erosion des bürgerlichen Flügels in der mecklenburg-vorpommerischen AfD zu beobachten. Zunächst verließen vier der 18 Landtagsabgeordneten die Fraktion, weil sie ihnen zu weit nach rechts gerückt war. Und gründeten wiederum die Fraktion „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern“.

Drei von ihnen traten später aus der AfD aus, zuletzt am Wochenende der frühere Amtsrichter und spätere parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Matthias Manthei. Davor verließ bereits Bernhard Wildt, einer der beiden Landessprecher die Partei. Mit Michael Bertram erklärte dann am Montag ein weiterer Spitzenpolitiker seinen Rückzug. Er legte sein Amt als Beisitzer im Landesvorstand nieder.

Bertram und Manthei begründeten ihre Abkehr von der AfD mit einer „persönlichen Erklärung“. Beide zeichnen ein düsteres Bild von der Partei. Es gebe „viele Mitglieder, die nicht etwas Neues wollen, sondern in der Vergangenheit leben“, erklärte Manthei. „Sie glauben, mit der AfD nunmehr eine Plattform gefunden zu haben, auf der sie ihre radikalen Ansichten verwirklichen können. Nach dem Scheitern der NPD fahren sie nun im Zug der AfD.“

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