Risiko Russland-Sanktionen
Das Spiel mit dem Feuer

Der Westen isoliert Russland wegen der Krim-Annexion – und glaubt, damit Wladimir Putin schwer zu treffen. Doch Experten warnen: Durch die Sanktionen wird auch Europa stark gebeutelt – insbesondere Deutschland.
  • 17

BerlinRussland, da ist sich der Westen einig, darf wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim nicht ungeschoren davon kommen. Am heftigsten reagieren die Amerikaner. Präsident Barack Obama würde Wladimir Putin am liebsten mit allen denkbaren Wirtschaftssanktionen überziehen. Die Europäer sind hier etwas zurückhaltender – aus gutem Grund. Das Handelsvolumen der EU mit Russland ist zehnmal größer als das zwischen den USA und Russland.

Insbesondere für Deutschland steht viel auf dem Spiel. „Russland ist als Absatzmarkt für Deutschland deutlich wichtiger als für die übrigen EU-Mitglieder“, sagte der Handelsexperte des Münchner Ifo-Instituts, Gabriel Felbermayr. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schlägt schon Alarm. „Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden. Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, Volker Treier.

Die Ereignisse in der Ukraine schlagen sich auch auf die Stimmung der deutschen Unternehmen nieder. Das Ifo-Geschäftsklima sank im März um 0,6 Punkte auf einen Stand von 110,7 Punkten.

Der Frankfurter Ökonom Thorsten Polleit ist überzeugt, dass Deutschland im Fall möglicher EU-Handelssanktionen gegen Russland „besonders hart getroffen“ würde. So betrügen die Direktinvestitionen deutscher Firmen in Russland 19 Milliarden Euro. Deutsche Banken hätten zudem mehr als 50 Milliarden US-Dollar an Kreditforderungen gegenüber russischen Kreditnehmern, erläuterte Polleit im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Zahlen des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft unterstreichen die Brisanz:

  • Russland steht unter den deutschen Handelspartnern an 11. Stelle hinter Polen.

  • Etwa 300.000 Arbeitsplätze hängen hierzulande vom Handel mit Russland ab.

  • Deutsche Unternehmen haben in Russland rund 20 Milliarden Euro direkt investiert.

  • 200 Unternehmen mit deutscher Beteiligung sind in Russland aktiv.

  • Einige deutsche Unternehmen leiden schon jetzt unter der Krim-Krise.

Kommentare zu " Risiko Russland-Sanktionen: Das Spiel mit dem Feuer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Dissident
    Warum schränken Sie die Dummheit der Politiker ein? Die sind umfassend dumm oder ferngesteuert. In diesem Zusammenhang empfehle ich dringend folgende Sendung anzusehen:
    "Griechisches Roulette-Wie Athen und Brüssel Steuermilliarden verzocken"
    auf 1EXTR Do.27.03./20:15
    So.30.03./00:20
    Mo.31.03./05:30
    Diese Sendung soll später auch in der ARD Mediathek zur Verfügung stehen.
    Damit keine Zweifel aufkommen, es handelt sich nicht um die laufenden Milliarden die Griechenland in der aktuellen Krise bekommt.
    Diese Verschwendung erfolgt bereits seit Jahren, und all das viele Geld versickert in unbekannten Taschen und kommt nicht bei dem Projekt an wofür es gezahlt wird!!

  • Es ist erschütternd, dass wir in dieser Krisenzeit eine unfähige Verteidigungsministerin haben. Mit Russland muss wieder gesprochen werden, Vertrauen muss aufgebaut werden. Kriegslaberei ist da fehl am Platz.

  • Deutsche Politiker sägen sich gern den eigenen Ast ab. Das haben sie in der Euro- und EU-Politik immer wieder bewiesen. Die Mehrheit der Bürger wird in das Desaster diktiert. Leider. Die nötigen Investitionen in unserem Land werden längst vor die Wand gefahren. Gauck, Steinmeier und Leyen labern da auch noch über Kriegseinsätze. Unerhörter Wahnsinn!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%