Risiko Russland-Sanktionen

Das Spiel mit dem Feuer

Der Westen isoliert Russland wegen der Krim-Annexion – und glaubt, damit Wladimir Putin schwer zu treffen. Doch Experten warnen: Durch die Sanktionen wird auch Europa stark gebeutelt – insbesondere Deutschland.
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Die Sanktionen gegen Russland sind eine brenzlige Sache, denn sie könnten sich auch nachteilig für Deutschland auswirken. Quelle: Getty Images

Die Sanktionen gegen Russland sind eine brenzlige Sache, denn sie könnten sich auch nachteilig für Deutschland auswirken.

(Foto: Getty Images)

BerlinRussland, da ist sich der Westen einig, darf wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim nicht ungeschoren davon kommen. Am heftigsten reagieren die Amerikaner. Präsident Barack Obama würde Wladimir Putin am liebsten mit allen denkbaren Wirtschaftssanktionen überziehen. Die Europäer sind hier etwas zurückhaltender – aus gutem Grund. Das Handelsvolumen der EU mit Russland ist zehnmal größer als das zwischen den USA und Russland.

Insbesondere für Deutschland steht viel auf dem Spiel. „Russland ist als Absatzmarkt für Deutschland deutlich wichtiger als für die übrigen EU-Mitglieder“, sagte der Handelsexperte des Münchner Ifo-Instituts, Gabriel Felbermayr. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schlägt schon Alarm. „Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden. Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, Volker Treier.

Die Ereignisse in der Ukraine schlagen sich auch auf die Stimmung der deutschen Unternehmen nieder. Das Ifo-Geschäftsklima sank im März um 0,6 Punkte auf einen Stand von 110,7 Punkten.

Der Frankfurter Ökonom Thorsten Polleit ist überzeugt, dass Deutschland im Fall möglicher EU-Handelssanktionen gegen Russland „besonders hart getroffen“ würde. So betrügen die Direktinvestitionen deutscher Firmen in Russland 19 Milliarden Euro. Deutsche Banken hätten zudem mehr als 50 Milliarden US-Dollar an Kreditforderungen gegenüber russischen Kreditnehmern, erläuterte Polleit im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Zahlen des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft unterstreichen die Brisanz:

  • Russland steht unter den deutschen Handelspartnern an 11. Stelle hinter Polen.

  • Etwa 300.000 Arbeitsplätze hängen hierzulande vom Handel mit Russland ab.

  • Deutsche Unternehmen haben in Russland rund 20 Milliarden Euro direkt investiert.

  • 200 Unternehmen mit deutscher Beteiligung sind in Russland aktiv.

  • Einige deutsche Unternehmen leiden schon jetzt unter der Krim-Krise.

Sinkender Rubel würgt Umsätze ab
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17 Kommentare zu "Risiko Russland-Sanktionen: Das Spiel mit dem Feuer"

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  • @ Dissident
    Warum schränken Sie die Dummheit der Politiker ein? Die sind umfassend dumm oder ferngesteuert. In diesem Zusammenhang empfehle ich dringend folgende Sendung anzusehen:
    "Griechisches Roulette-Wie Athen und Brüssel Steuermilliarden verzocken"
    auf 1EXTR Do.27.03./20:15
    So.30.03./00:20
    Mo.31.03./05:30
    Diese Sendung soll später auch in der ARD Mediathek zur Verfügung stehen.
    Damit keine Zweifel aufkommen, es handelt sich nicht um die laufenden Milliarden die Griechenland in der aktuellen Krise bekommt.
    Diese Verschwendung erfolgt bereits seit Jahren, und all das viele Geld versickert in unbekannten Taschen und kommt nicht bei dem Projekt an wofür es gezahlt wird!!

  • Es ist erschütternd, dass wir in dieser Krisenzeit eine unfähige Verteidigungsministerin haben. Mit Russland muss wieder gesprochen werden, Vertrauen muss aufgebaut werden. Kriegslaberei ist da fehl am Platz.

  • Deutsche Politiker sägen sich gern den eigenen Ast ab. Das haben sie in der Euro- und EU-Politik immer wieder bewiesen. Die Mehrheit der Bürger wird in das Desaster diktiert. Leider. Die nötigen Investitionen in unserem Land werden längst vor die Wand gefahren. Gauck, Steinmeier und Leyen labern da auch noch über Kriegseinsätze. Unerhörter Wahnsinn!



  • ach, die haben Weltkriege und Bürgerkriege überlebt,
    da werden sie auch eine Zeitlang ohne VW und Coca-Cola auskommen können..

  • Hallo Pazifist!
    Ich stimme Ihnen zu.
    (Ob die Vorgänge auf der Krim rechtlich einwandfrei sind, ist strittig. Ich habe nur versucht zu erklären, dass das alles zumindest mit einer "Annexion" nichts zu tun hat.)
    Der in den MSM kolportierte Expansionsdrang ist m.E. nach Unsinn. In dem rohstoffeichen Russland leben 143 Millionen Menschen zahlloser Ethnien bzw. Minderheiten in dem größten Flächenstaat der Erde. Russland kann bestimmt vieles gebrauchen, aber bestimmt keine Expansion!
    Bei der Krim hatte die russische Führung keine Wahl. Es wird immer so getan, als ob Putin Alleinunterhalter wäre und tun und lassen kann, was er will. Diese Vorstellung ist grausam naiv! Das Militär, die Eliten und die DUMA reden schon ein gewichtiges Wort mit!
    Im Falle der KRIM waren sich nach meinem Wissen alle relevanten Kräfte sehr einig!
    Es wird wie im Fall Syrien Kriegshetze betrieben. V.d.Leyen propagiert einen NATO-Truppenaufmarsch an der russischen Grenze. Die weiß nicht, dass das nach der UN-Charta bereits als Kriegsvorbereitung gilt und nach dem Grundgesetz streng verboten ist und schwer bestraft wird. Eigentlich müsste sich ein Staatsanwalt einschalten - aber in diesen Zeiten wird das wohl ein Wunschtraum bleiben ...

  • Dazu ist zu sagen, dass China bereits plant entlang der ehemaligen Seidenstrasse Transit- und Transportstrecken durch Eurasien zu bauen. Damals war floriender Handel auf dem ganzen Kontinent. Die Araber waren friedliche Händler, jeder profitiert davon (außer man ist nicht auf diesem Kontinent). Freihandelszonen von Lissabon bis Shanghai, Austausch der Kulturen (der Abseits unseres gemeinsamen Kontinents so nicht bestehen), freie Reisen, die armen Länder in der Mitte könnten schnell wirtschaftlich aufsteigen, entlang der Strecken floriert das Leben, der Handel, der Austausch. Aber ne usnere Eifersüchtige Stiefmutter namens USA tre3ibt lieber Keile zwischen uns. Schaut euch die Einsatzgebiete der USA an, alles strategische Länder fürr Energie und Transportstrecken.

  • Die Angst der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten vor "Expansionsgelüsten" Putins ist m.E. paranoid. Mit dem Warschauer Pakt hätte auch die Nato abgeschafft gehört. Die Menschen haben gemeint, die Ost-West-Konfrontation -der "Kalte Krieg"- wäre vorbei.
    Man kann trefflich darüber streiten, ob das Vorgehen Putins betr. die Krim tatsächlich völkerrechtswidrig ist. Chruschtschow hat bei dem Zuschlag der Krim zur Ukraine in einer Wodka-Laune nicht daran gedacht, daß die staatliche Dachorganisation "Sowjetunion" einmal nicht mehr existent sein würde. Sonst hätte er die Krim wahrscheinlich nicht der Ukraine zugeschlagen. Was den Vertrag von 1994 betr. die Garantie des ukrainischen Staatsgebiets angeht, so kann Putin die Ansicht vertreten, daß für diesen Vetrag aufgrund des Verhaltens des Westens(Einverleibung der Ukraine in die EU und in die Nato) und der Vorgänge in Kiew(kein Amtsenthebungsverfahren gem der ukr. Verfassung,rechte Gewalttäter) die Geschäftsgrundlage entfallen ist. Die Russen in der Ukraine haben Angst vor den Russenhassern in der Kiew- Regierung. Diese Angst ist genau so ernst zu nehmen wie die Angst der ehem. Warschauer-Pakt-Staaten vor Putin, die m.E. aber unbegründet ist. Putin will keine Nato-Truppen vor seiner Haustür und der Pachtvertrag bez. des Marinestüztpunkts Sewastopol(mit 25.000 russ. Soldaten gilt noch bis 2042). Dies entspricht der Annahme, daß der "Kalte Krieg" vorbei ist. Deshalb kann sich die Nato auch die "Luftübungen" über den ehem. Warschauer-Pakt-Staaten sparen. Der Finanzaufwand für die "Luftübungen" sollte besser dafür eingesetzt werden, die Ukraine vor dem Staatsbankrott zu bewahren. Hierzu sollten auch die ukrainischen Oligarchen-Milliardäre und-Multimillionäre herangezogen werden, bevor Geld der EU-Bürger eingesetzt wird, zumal diese ja gar nicht gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Man könnte die EU-Bürger darüber abger bei der Europa-Wahl im Mai abstimmen lassen.

  • Ja!
    Kriegsverlierer lässt man nicht so leicht davon kommen - davon können auch die Japaner ein Lied singen, deren Zentralbank nichts weiter als eine Zweigstelle der FED (im Besitz privater Banken) ist. Die französische und italienische Zentralbank sind ebenfalls in privater Hand.
    Ein Staat, der sich bei privaten Banken gegen Zinsen Geld leihen muss, kann nicht souverän sein!
    Alle weiteren Überlegungen zum Thema überlasse ich den verehrten Foristen ...

    Wie (Giral-) Geld entsteht - jetzt offiziell bestätigt:

    http://www.larsschall.com/2014/03/24/der-geld-illusions-schock-der-bank-of-england/

    LG Traumschau

  • @Traumschau

    „Was ist nur aus dieser Welt geworden. Ich habe zunehmend den Eindruck, dass mehr und mehr Psychopaten das Sagen haben!“

    Naja, das amerikanische Jahrhundert und das zugehörige Finanzsystem gehen zu Ende. Wie immer wenn ein Zyklus endet, fühlt man sich existenziell bedroht und reagiert entsprechend. Schuldige werden gesucht, Probleme auf andere abgewälzt usw. Verantwortungsvolle Politiker die wie Gorbatschow erkennen, dass die Zeit eines Imperiums zu Ende geht und freiwillig den Platz räumen, gibt es leider sehr selten. Wahrscheinlich weil es einem niemand dankt, sondern wie vom amerikanisch verführten Westen ausgenutzt wird.

    Man kann die Enttäuschung der Russen, dass der Westen ihnen einen angemessenen Platz in der Welt verweigert, aus dem lakonischen Kommentar zur Auflösung der G8 Runde von gestern herauslesen:

    „Er verteidigte das russische Vorgehen auf der Krim: Dies „hängt nicht mit irgendwelchen bösen Bestrebungen unsererseits zusammen, sondern mit der Notwendigkeit, Russen zu schützen, die dort seit Jahrhunderten lebten“. Zur Frage, warum man Russland glauben sollte, sagte er: „Wir zwingen niemandem, uns zu glauben. Wir selbst haben sehr lange unseren westlichen Partnern nach dem Zerfall der Sowjetunion geglaubt. Wir kennen den Preis von Versprechen.“

    Ich denke Schutz der Russen hin oder her, das ist nur die Oberfläche. Entscheidend ist der machtpolitisch und historische Aspekt. Und wenn die Vollidioten-US-Handlanger in der EU sich dumm stellen oder sind und das nicht begreifen und auf die Spaltung der Ukraine hinarbeiten, ist es kein Wunder, dass Putin den ihm zugespielten Ball aufnimmt und den Tölpeln das auf seine nicht perfekte und sicher völkerrechtlich fragwürdige aber "von den Amerikanern lernen heisst siegen lernen" schon ziemlich US-like durchgezogene Art verständlich macht.

  • Europa stark beuteln und eine stärkere wirtschaftliche Annäherung an Asien verhindern - das ist genau das, was die Strategen des absteigenden amerikanischen Imperiums, unsere "transatlantischen Freunde", beabsichtigen. Ein starkes Eurasien - womöglich mit einer neuen gedeckten Leitwährung - wäre nämlich der absolute Alptraum der US-Eliten.
    Denn tatsächlich ergänzen sich z.B. die russische und die deutsche Volkswirtschaft nahezu ideal: Russland liefert die Energieträger und die Rohstoffe, Deutschland hat das Know-How für die fertigen (High-Tech-)Endprodukte. Also eine nahezu ideale Symbiose.
    Beide Staaten haben zudem einen Leistungsbilanzüberschuss: Deutschland steht hier (noch vor China) an erster Stelle, Russland immerhin an fünfter Stelle. Die Amis dagegen stehen mit weitem Abstand an allerletzter Stelle!!
    https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2187rank.html
    Und nur, weil der USD noch die Welt-LeiDwährung ist, ist deren Deficit-Spending noch nicht grandios gescheitert.
    Wer die Geschichte Russland und seine kulturelle Entwicklung kennt, der weiß, dass es sich fast immer an Kerneuropa orientiert hat (vor allem an Frankreich, aber auch an Deutschland).
    Der letzte große deutsche Staatsmann, der das ungeheuere Potential einer deutsch-russischen Zusammenarbeit eindeutig erkannt hat, war übrigens Bismarck.
    Wirkliche Staatsmänner bzw. -frauen sind heute in Deutschland allerdings weit und breit keine in Sicht - nur klägliche Polit-Vasallen...

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