Riskante Leerverkäufe

Deutschland will Finanzjongleure stoppen

Ein Verbot riskanter Aktiengeschäfte in vier Euro-Ländern soll dem Ausverkauf von Finanztiteln Einhalt gebieten. Deutschland geht das nicht weit genug. Die Bundesregierung will ein europaweites Verbot.
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Wie Leerverkäufe funktionieren

Berlin/ParisDie Bundesregierung stellt sich damit hinter entsprechende Bemühungen der EU-Kommission. „Nur so kann einer destruktiven Spekulation überzeugend begegnet werden“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Der Gesetzgebungsprozess in Brüssel stockt allerdings. Gegen ein pauschales Verbot gibt Widerstände, vor allem aus Finanzzentren wie Großbritannien. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe für alle Aktien und Staatsanleihen der Euro-Länder schon seit 2010 verboten. Normale Leerverkäufe von zehn Versicherer- und Bankaktien müssen gemeldet werden. Pläne für eine Ausweitung hat die Finanzaufsicht BaFin nicht.

Frankreich, Italien, Spanien und Belgien, deren Bankaktien an den Börsen zuletzt besonders unter Beschuss geraten waren, hatten in der Nacht zum Freitag den Leerverkauf von Finanzwerten untersagt. Daraufhin legten heute die meisten Aktien von Banken und Versicherern in Europa zu. Experten bezweifeln aber, ob die Maßnahmen auf Dauer Wirkung zeigten. Spekulanten wichen einfach auf andere Börsenplätze aus, etwa nach London.

Der Bankenverband BdB forderte einheitliche Vorschriften in Europa, sprach sich aber gegen eine pauschale Untersagung von Leerverkäufen aus. Maßnahmen einzelner Länder führten zu einem „Flickenteppich“.

Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick schlug vor, Deutschland, Frankreich und andere Länder sollten an einem Strang ziehen, um Großbritannien für ein europaweites Verbot zu gewinnen. Der stellvertretende Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, sagte Reuters: „Ich sehe jetzt die Chance, gerade angesichts der Entwicklungen der letzten Tage, damit auch in Europa voranzukommen.“

Bei Leerverkäufen leihen sich Investoren Papiere und verkaufen sie, um sie zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und dem Verleiher zurückzugeben. Das kann Kursausschläge drastisch beschleunigen. Bei ungedeckten Leerverkäufen haben die Investoren die verkauften Papiere sich nicht einmal geliehen, was die Risiken noch erhöht. Allerdings erfüllen diese Geschäfte für viele Investoren auch eine wichtige Funktion zur Absicherung gegen Kursrisiken.

Experten sehen in Verboten "zahnlosen Tiger"
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22 Kommentare zu "Riskante Leerverkäufe : Berlin will Finanzjongleure EU-weit stoppen"

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  • Es liegt was in der Luft ! Wurde nicht auch bei Lehmann damals ein Leerverkauf von Banktiteln verboten ? Hmmm...haben wir vielleicht den nächsten Crash wegen BoA und man will im Vorfeld mal einen Totalkollaps verhindern.
    Sieht ganz danach aus .

  • Für diesen Abverkauf gibt es also gute, sehr gute Gründe. Wenn das die Politik begreifft, ich habe allerdings ernstliche Zweifel daran, dann würden die zeigen, dass sie Verstand haben. Bisher haben die nur gezeigt, dass sie keinen haben, aber wissen wie man sich selber die Taschen gut füllt und fürs Alter sehr gut versorgt ohnen auch nur einen Cents dafür auszugeben.

  • Es ist Ihnen wohl entgangen dass es bereits Limite im Futurehandel gibt.
    Den Futurehandel zu verbieten ist ebenfall abzulehnen, denn wie sollten sich z.B. bei Agraprodukten die Erzeuger und Verarbeiter gegen Preisschwankungen absichern? Und wie sollten sich gerade die Erzeuger ihr Saatgut günstig finanzieren?

  • Was zeigt und die Forderung der Politiker? Sie zeigt uns nicht nur ihre Hilflosigkeit sondern auch, dass sie Null minus X Ahnung haben.
    Leerverkäufe machen durch aus einen Sinn. Wenn die Börse in die andere Richtung übertreibt, dann würden diese Börsenanalphabeten nicht gegen Leerverkäufe einwenden, ja sie würden überhaupt nicht merken, dass solche getätigt werden.
    Leerverkäufe lösen auch keinen Trend aus und verstärken ihn auch nur unwesentlich. Der Leerverkäufer muß doch sehr kurzfristig seine Position schließen. Es könnte aber durchaus Sinn machen für einen beschränkten Zeitraum Leerverkäufe auszusetzen, nämlich dann, wenn die Verkäufe in einem Zusammenhang mit Gerüchten zu bringen sind.
    Nun ist es aber kein Gerücht dass die Staatsfinanzen nicht in Ordnung sind, ja, dass einige Staaten definitiv Bankrot sind. Ist das etwa die Schuld der Anleger, der Investoren oder der Börsen? Wer das behauptet kann nur ein Politiker oder eine Politikerin sein.
    Die Politik hat doch besonders seit 2008 hemmungslos Schulden gemacht. Trotz steigender Steuereinnahmen wird das Geld weiterhin an verantwortungslosen, an ihrer wiederwahl interessierten verschleudert. Auch und insbesondere in Deutschland. Und daher ist es gut und richtig dass dieser verantwortungslos handelnde Haufen von Politikern und Politikerinnen eins auf die Nuss bekommt.
    Für diesen Abverkauf gibt

  • Aehnlich ist es mit Fortuna;sie zeigt ihre Macht dort,wo es an der Kraft des Widerstands fehlt,und sie richtet dorthin ihren Angriff,wo sie weiss,dass sie nicht durch Daemme und Deichen gehemmt wird.-Machiavelli"Der Fuerst"(1469-1527).

  • hihi, geiler Witz, ne

    Europa ist eh auf dem absteigenden Ast. Und das Geld dieser Welt wird bestimmt nicht dort bewegt, wo die EU-Politiker Einfluss haben. Hinzu kommt, dass die Trader und die Banken die Politker vor sich henscheuchen, wo sie wollen. Nichts ist so flüssig und flexibel, wie das Geld der Welt. Mit einem Knopfdruck werden Milliarden ins Ausland transferiert.

    Trotzdem, hört sich gut an, wie die Politiker sehr markant sprechen. Anders herum, können sie eh sagen, was sie wollen. Die Entscheidungen werden eh an anderer Stelle getroffen.


  • Das ist typisch für dieses Berliner Volksverbrecherpack...

    Um von der eigenen Inkompetenz abzulenken sind jetzt wieder die bösen Spekulatius schuld an dem mangelnden Vertrauen der Märkte in die Lösungen dieser Profilneurotiker.

    Haben etwa die bösen Spekulatius andere Länder dazu gebracht über ihre Verhältnisse zu leben und so gewaltige Schuldenberge anzuhäufen?

    NEIN !!!!

    Haben etwa die bösen Spekulatius Pleiteländer wie Griechenland durch kreative BUCHUNGSTRICKS in die EU gebracht?

    NEIN !!! DAS WAREN AMERIKANISCHE GROßBANKEN SAMT SCHRÖDER UND KONSORTEN!!!! WANN WERDEN DIE EIGENTLICH ZUR RECHENSCHAFT GEZOGEN?

    WIE LANGE WILL SICH DEUTSCHLAND NOCH AUSPLÜNDERN LASSEN, VON DIESER EU-BÜROKRATENMAFIA?

    ES GEHT DOCH UM UNSERE ZUKUNFT UND DIE UNSERER KINDER!!!!!!!!!



  • Ich denke, ein großer Teil unserer Probleme wären gelöst, wenn wir das amerikanische Trennbanken-System einführen.

    Investment-Banken dürfen zocken; wenn es daneben geht,
    gehen sie Pleite. Die Akteure werden sich dann einige
    Geschäfte doch sehr genau überlegen, wenn ihr Job und ihre Altersversorgung daran hängen.

    Wenn wir (die Staaten) diese Geschäfte nicht mehr mit
    Steuergeldern retten müssen, dann ist schon viel gewonnen.

    Sonst können wir Regeln aufstellen, so viel wir wollen;
    es wird sich immer ein Platz finden, der diese Regeln nicht kontrolliert.

    Also lasst die Investment-Banker Geld verdienen und eben auch verlieren - wir haften nicht mehr mit!

  • "Berlin/Paris"
    Wann wird endlich dieses Duo Infernal verstehen dass was im Interesse von "Berlin/Paris" liegt, nicht im Interesse der Eurozone liegen kann.
    Für die heutige Misere sind eben "Berlin/Paris" verantwortlich, "Berlin/Paris" haben die Eurozone zu dem gemacht was sie heute ist.
    Es wäre an der Zeit dass sich die andere Euroländer gegen das "Berlin/Paris" Diktat zur Wehr setzen.

  • Ein Leerverkaufsverbot welches auf ein oder nur wenige Länder beschränkt ist zeigt wieder einmal dass man sich in der Eurozone nicht konsensfähig ist. Das gleiche Problem wie beim europäischen Schuldenberg... Für Alleingänge ist es zu spät. Eine Gesamtlösung für die Eurozone muss her wie zum Beispiel Eurobonds oder der Euro zerbricht.

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