Rösler und Brüderle: FDP zieht mit „Kapitän und Spitzenmann“ in die Wahl

Rösler und Brüderle
FDP zieht mit „Kapitän und Spitzenmann“ in die Wahl

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler behält sein Amt. Allerdings soll Fraktionschef Rainer Brüderle „Gesicht und Kopf“ der FDP für die Bundestagswahl werden. Die Liberalen geben sich nun einig - aber Fragen bleiben.
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BerlinÜberraschende Einigung im FDP-Machtkampf: Philipp Rösler bleibt Parteivorsitzender, Fraktionschef Rainer Brüderle wird Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im September: „Rainer Brüderle ist unser Gesicht, unser Kopf für die Bundestagswahl,“ sagte Rösler nach stundenlangen Beratungen im Präsidium und im Parteivorstand vor der Presse in Berlin.
Die Tandemlösung soll bei einem vorgezogenen Parteitag im März offiziell beschlossen werden. Der Vorschlag war von Rösler selbst gekommen. Wegen anhaltend schlechter Umfragewerte auf Bundesebene war der FDP-Chef immer stärker unter Druck geraten.

„Das ist eine richtige Aufstellung“, sagte Rösler in Berlin. „Jedem ist klar: Rainer Brüderle und ich sind unterschiedlich. Wir ergänzen uns.“ Ziel sei es, die Stimmen der FDP zu mehren. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Niedersachsenwahl den Zug FDP wieder auf das richtige Gleis gesetzt haben.“

Dennoch ließ Rösler immer noch Raum für Spekulationen. So nannte er Brüderles neue Rolle nie „Spitzenkandidat", sondern immer nur „Spitzenmann“. Diesen Begriff, so Rösler, habe die FDP gewählt, um sich von anderen Parteien abzusetzen. Und nach wie vor beansprucht der Parteichef die Rolle des Steuermanns im Tandem für sich selbst: „Ich werde als Parteivorsitzender das gesamte Team, was zu einer Spitzenmannschaft mit dazu gehört, führen.“ Und noch mal Rösler: "Kapitän ist der Parteivorsitzende, Sturmspitze ist der Spitzenmann."

Brüderle stellte klar, dass er nicht Parteichef werden wollte. Ihm sei es um eine schnelle Klärung und schnelle Entscheidungen gegangen. „Es war nicht meine Absicht, Parteivorsitzender zu werden“, sagte Brüderle. „Wir wissen klar, was wir wollen.“ Gemeinsam gebe es große Erfolgschancen.

Zuvor hatte Parteichef Philipp Rösler dem 67-jährigen Fraktionsvorsitzenden angeboten, die Parteispitze zu übernehmen. Nach einem Vier-Augen-Gespräch wurde dann vereinbart, dass Rösler FDP-Chef bleibt und Brüderle Spitzenkandidat für den Bundestagswahlkampf werden soll. Rösler sagte, die Arbeitsteilung werde hervorragend gelingen.

Vor der Presse wertete Rösler das starke Abschneiden seiner Partei in Niedersachsen als „absolut ermutigendes Signal“ für die Liberalen bundesweit. Das Ergebnis zeige, dass es unabhängig von Umfragen am Wahltag gelingen könne, mit richtigen Themen, Personen und Konstellationen Wahlerfolge zu erzielen. Man könne Niedersachsen zwar nicht vergleichen mit dem Bund. Es mache aber Sinn, sich auf das Wesentliche sowie die richtigen Inhalte und Botschaften zu konzentrieren und mit Geschlossenheit voranzugehen.

Zuvor hatte die Führungsdebatte in der FDP einen neuen Höhepunkt erreicht: Parteichef Philipp Rösler bot dem Präsidium der Liberalen seinen Rückzug vom Parteivorsitz an, sollte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle das Amt übernehmen wollen. „Ich bin bereit, zur Seite zu treten, wenn Rainer Brüderle auch Bundesvorsitzender werden will“, sagte Rösler dem Vernehmen nach.

Ein geschickter Schachzug Röslers, der nach wochenlangem Führungsstreit und dem überraschenden Wahlerfolg der FDP am Sonntag nun eine Entscheidung erzwungen hat. Denn der 67-jährige Brüderle lehnte das Angebot ab. Er wolle Rösler als Vorsitzenden stützen, hieß es im Präsidium. Führungsmitglieder sprachen von einer guten Lösung, die die unsägliche Personaldebatte beenden solle.

Einstimmig beschloss das Parteipräsidium unterdessen, den für Mai geplanten Bundesparteitag vorzuziehen, wie es weiter hieß. Ein Termin steht noch nicht fest, doch ist dafür der März im Gespräch. Dabei soll auch die Führungsspitze neu gewählt werden.

Die neue Aufgabenteilung in der FDP-Führung wird nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der schwarz-gelben Koalition haben. „Wir werden so vertrauensvoll wie immer miteinander zusammenarbeiten“, sagte die CDU-Chefin nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien am Montag in Berlin.

Die Einigung der Liberalen könne sie „nicht als Tabula rasa bezeichnen“, sagte Merkel auf eine entsprechende Frage. „Es sind ja alle da: Der eine ist Vorsitzender, der andere ist Spitzenkandidat.“

Kommentare zu "FDP zieht mit „Kapitän und Spitzenmann“ in die Wahl"

Alle Kommentare
  • @Ein-Ratloser
    Sehen Sie, es geht doch. Nun sind wir alle beruhigt, dass wir in die Realität angekommen sind.

  • Besser hätte selbst ich es kaum zu erklären vermocht.
    Thx4.

  • Kuac

    Tja mein Freund, da Dusche ich mal kurz kalt, und was sehen meine Augen nachdem ich mich abgetrocknet habe? Das Haus in dem ich glaubte zu leben ist in Wirklichkeit eine Wellblechhütte, der Kühlschrank ist leer und auch nicht in Betrieb weil ich keinen Strom habe, mein gedachtes Auto entpuppt sich als altes Vorkriegsfahrrad und meine Arbeit ist nichts anderes als in Müllcontainern nach leeren Flaschen und etwas essbarem zu suchen. Jawohl Bruder du hast mir die Augen geöffnet. Um mich herum ist Biafra, ich sehe die ausgemergelten Menschen in Lumpen und ohne Zuversicht, die Welt steht am Abgrund.

  • Frankfurt am Main (kath.net/IGfM) „Hartherzig“ nennt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) die Argumentation von Entwicklungsministers Dirk Niebel (FDP), für die Christen in Syrien keine Sonderhilfen in Aussicht zu stellen, weil das seiner Meinung nach zu Neid und Missstimmung führen und neue Konflikte schüren könne. „Muslime finden Schutz im nahen Ausland und können später nach Hause zurückkehren, die Christen verlieren hingegen ihre Heimat endgültig“, so Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender der IGFM.

    ...

    "BERLIN taz | Mit der „Afrika-Initiative“ will Dirk Niebel (FDP) Vereine in Deutschland und Afrika vernetzen und so Vorurteile abbauen. In einer glamourösen Show stellte der Entwicklungsminister das auf drei Jahre angelegte Projekt im Dezember vor und ließ sich als pragmatischen Aufklärer feiern. Für das Projekt machte er 8 Millionen Euro locker, allein die Zeitungsanzeigen kosteten laut Spiegel 40.000 Euro. Doch die Initiative diente in erster Linie politischen Weggefährten."

    ...

    Toller Demokrat, dieser Niebel.

  • @Ein-Ratloser
    Ihnen kann geholfen werden. Sie werden "betrogen", aber Sie merken es nur nicht. Vielleicht haben Sie gar keine Arbeit, kein Haus, kein Geld, keine Reisefreiheit usw., sondern bilden Sie sich nur das alles ein! Versuchen Sie doch bitte einmal die Realitaet vorzustellen! Überall nur Not, Hunger und Leid. So wie es einmal in Biafra war.

  • "Niebel sollte lieber in die SPD eintreten - in einer liberalen Partei hat er nichts verloren."
    _______________________________

    Wie liberal aber auch.

    Gott schütze die Menschen vor Ihrem Begriff von Liberalität.
    Für Sie scheinen selbst Demokraten in der FDP untragbar zu sein.

  • Rösler & Brüderle sind eine gute Doppelspitze für die FDP.

    Die Kritik an Rösler habe ich nie verstanden - sie erschöpfte sich meistens im Ungenauen.

    Niebel sollte lieber in die SPD eintreten - in einer liberalen Partei hat er nichts verloren.

    +++

    Ansonsten wünsche ich mir eine FDP, die sich nicht als Interessenvertretung von Zahnärzten und Hoteliers aufführt, sondern eine wahrhaft freiheitliche Politik für das deutsche Volk vertritt.

  • @ Karin

    wenigstens die Leser der Handelsblattforen werden dank Ihres scharfen Verstandes und Ihrer analytischen Fähigkeiten, liebe verehrte Karin auf die Realität hingewiesen. Erst Sie haben mir mit Ihren zahlreichen fundierten Beiträgen die Augen geöffnet. Bis dahin dachte ich immer, dass unsere Politiker im Interesse des Staates und damit in unserem Interesse handeln. Nun muß ich, dank Ihrer Aufklärungsarbeit festellen, dass ich meinen über die Jahre erreichten Wohlstand, Reisen ohne Grenzen und meist auch noch ohne Geldumtausch usw.usw. einem antidemokratischen, an DDR-Verhältnissen ausgerichteten Parteienfilz zu verdanken habe. Donnerwetter auch, was mache ich jetzt? Soll mein angespartes verschenken?, mein Haus verkaufen?, mich arbeitslos melden?, meine Kinder vom Gymnasium holen und zur Hauptschule anmelden? mir Plakate basteln und in Berlin vor dem Reichstag einen Sitzstreik machen? Fragen über Fragen. Bitte liebe Karin, helfen Sie mir aus meiner tiefen Depression und geben Sie mir einen Rat.

  • Machen Sie sich nichts daraus.

    Die FDP und ihre politischen Vertreter verdienen genau das, was sie uns Wählern in den letzten knapp 4 Jahren vorgesetzt haben. Vermutlich sind Sie als FDP-Anhänger oder sogar aktiver Politiker, der hier mit liest, mit dem was beispielsweise Herr Niebel in puncto Teppeichaffäre, Koch-Mehrin in ihrer Plaggiataffäre oder die ewigen Sticheleien gegen Rösler und natürlich nicht zu vergessen auch untereinander, einverstanden.

    Das gestrige Ergebnis kann die FDP zwar feiern, aber dem leichenblassen Brüderle ist wahrscheinlich das Blut in den Adern gefroren und er sah vermutlich noch bleicher als ohne hin schon aus. Der Punkt ging gestern an Rösler, auch wenn dieser dazu vermutlich kaum beigetragen hat.

    Insgesamt bleibt die FDP ein Haufen Politiker mit geheuchelter Scheinheiligkeit. Rösler hat die Attacke Brüderles gut pariert. Und Brüderle hat zwar nur optisch gesiegt, aber dennoch sein Befriedigungspotenzial erreicht. Es wird ihm noch ein Weilchen Glücksgefühle bescheren, bis die FDP merken wird, dass auch Brüderle die FDP nicht aus dem Dreck ziehen kann. Im Bund gelten andere Regeln und die CDU wird sich tunlichst hüten nochmals eine "Zweitstimmen-Kampagne oder Diskussion" vor Wahlen lostreten. Die Ernüchterung wird die FDP bald wieder einholen.

    Wer kommt nach Brüderle?
    Wetzt Niebel schon die Messer?
    Der FDP geht langsam das Personal aus!

  • Tausend Jahre waren ein Dutzend von Jahren. Weismann, vielleicht werden wir bald von den Nachfolgern der Märchen der Gebrüder Grimmig und Münchenhausen erlöst? Alles deutet leider auf Wiederholung hin, nur in einem anderen Anzug.

    Sagte mir einst ein Brite, ihr Germans seid tolle Hechte, wenn ihr was anpackt, führt ihr es nicht zu Ende. Richtig, das machen dann in der heutigen ZEIT die Heuschrecken und ihre Helfershelfer. Alles im grünen Bereich, alles gegen richtige Kohle.

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