Rogowski warnt vor «Verhärtungen»
Stoiber: 35-Stunden-Woche ist am Ende

Unions-Politiker und Arbeitgeber haben das Siemens-Modell zur Mehrarbeit begrüßt. CSU-Chef Stoiber bezeichnete Siemens-Vorstand von Pierer als «patriotisch».

HB BERLIN. CSU-Chef Edmund Stoiber sieht in der Vereinbarung des Siemens-Konzerns mit der IG-Metall zur Mehrarbeit ein «Zukunftsmodell» für andere Unternehmen und Branchen. In der «Bild am Sonntag« nannte er die Die 35-Stunden-Woche einen deutschen »Sonderweg, der am Ende« sei.

Stoiber bescheinigte Siemens-Chef Heinrich von Pierer «wahren Patriotismus». Pierer habe «als Chef einer Weltfirma mit den Gewerkschaften für den Verbleib der Arbeitsplätze in Deutschland» gerungen. «Das erwarte ich von allen Unternehmern, die über Jobverlagerungen ins Ausland nachdenken», sagte Stoiber. Auch CDU-Chefin Angela Merkel begrüßte die Einigung in der Hannoverschen «Neuen Presse» als «richtiges Signal» und forderte Rechtssicherheit für betriebliche Arbeitsbündnisse.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sagte der Tageszeitung «Die Welt»: «Jetzt ist klar: die 40-Stunden-Woche wird in Deutschland kommen. Es wäre aber besser gewesen, dass man sich bei Siemens auf eine 42-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich geeinigt hätte», sagte Sinn dem Blatt.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, sieht den Siemens-Vorstoß eher als Risiko. Rogowski sagte dem «Focus», das Modell könne bei den Gewerkschaften aber auch zu «Verhärtungen führen, weil sie vermutlich vermeiden wollen, dass der Abschluss Modellcharakter bekommt - und dass aus ihrer Sicht der Damm bricht». Rogowski sagte, eine Verlängerung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich dürfe nicht nur in einem Notfall möglich sein. Sie müsse vielmehr auch vorbeugend geschehen können, damit Unternehmen gar nicht erst in Schwierigkeiten gerieten.

Auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, hat eine schnellere Flexibilisierung am Arbeitsmarkt gefordert. Mehr Arbeit bei gleichzeitigem Lohnverzicht sei derzeit das «fruchtbarste Instrument», Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Philipp dem «Deutschlandradio». Berlin. Gerade in den neuen Bundesländern zeige sich, dass diese Rechnung aufgehe.

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