Roland Berger sieht Kampagne der CDU: Bundesregierung sucht Nachfolger für Gerster

Roland Berger sieht Kampagne der CDU
Bundesregierung sucht Nachfolger für Gerster

Die Bundesregierung hat ein klares Bekenntnis zum Verbleib von Florian Gerster auf dem Chefposten der Bundesagentur für Arbeit (BA) vermieden. Das Handelsblatt erfuhr aus Regierungskreisen, man suche bereits einen Nachfolger.

huh/jojo/mwb BERLIN/MÜNCHEN. Vize-Regierungssprecher Hans-H. Langguth sagte, über Gersters Schicksal werde frühestens am Wochenende entschieden. Gleichzeitig räumte Langguth ein, die Kritik an der Amtsführung des BA-Chefs sei „sicherlich nicht hilfreich für die Bundesagentur“.

Am Freitag soll die Innenrevision der BA ihren Prüfbericht zu den Verträgen mit externen Beratern vorlegen. Der BA-Verwaltungsrat aus Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften und der öffentlichen Hand will am Samstag über die Prüfergebnisse und den Vorwurf beraten, die BA habe weitere Aufträge ohne die erforderliche Ausschreibung vergeben.

Nach den bisherigen Ergebnissen der Innenrevision besteht der Verdacht, dass die BA drei Aufträge mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1,6 Mill. Euro ohne Ausschreibung vergeben hat, zwei an die Unternehmensberatung Roland Berger, einen an IBM. Nach Informationen des Handelsblatts hält die Innenrevision die Vergabe dieser Aufträge für rechtswidrig.

Die Union erwägt nach den Worten ihres Parlamentarischen Geschäftsführers Volker Kauder die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, wenn bei der BA nicht sofort reiner Tisch gemacht werde. „Die Hängepartie um Gerster muss nun endgültig beendet werden“, forderte Kauder. Er habe den Eindruck, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) seine Aufsichtspflicht nicht ernst nehme.

FDP-Chef Guido Westerwelle hat sich dafür ausgesprochen, die BA aufzulösen und durch kleinere Einheiten mit Vermittlungsagenturen einschließlich Privater im Wettbewerb zu ersetzen. Selbst ein „Supermann“ an der Spitze der BA könne die Probleme der Behörde nicht lösen, sagte Westerwelle der „Eßlinger Zeitung“. „Das Problem ist die Mammutbehörde mit ihren Strukturen und Verfilzungen.“

Aus Kreisen des Verwaltungsrates der BA hieß es am Donnerstag, Gerster habe kaum noch Chancen, in der für Samstag anberaumten Krisensitzung das Vertrauen des Aufsichtsgremiums zu gewinnen. Ein Rücktritt Gersters noch vor diesem Termin wurde in Regierungskreisen als unwahrscheinlich bezeichnet. Eine Entscheidung über die Ablösung des BA-Chefs liegt in den Händen von Wirtschaftsminister Clement.

Dieser stellte sich am Donnerstag nach Angaben eines Sprechers hinter den Behördenchef. Berichte, nach denen schon mögliche Nachfolger gehandelt werden, habe Clement als „Quatsch“ zurückgewiesen, sagte der Sprecher.

Unternehmensberater Roland Berger sagte dem Handelsblatt, die CDU messe in der Affäre Gerster mit zweierlei Maß. „Sie reden über Roland Berger und sparen bei ihren Angriffen den ihnen nahe stehenden Berater aus, obwohl McKinsey in der Hartz-Kommission Mitglied war und mehr Aufträge von der Bundesanstalt bekam als wir.“ Berger sieht „die CDU als Urheber der Kampagne“.

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