Roland Berger verteidigt Rürup-Kommission
Schmidt hält Rente ab 67 für „gangbaren Weg“

Im Gegensatz zur SPD-Fraktion hält Sozialministerin Ulla Schmidt die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre für einen „gangbaren Weg“. Voraussetzung sei, dass sich das reale Renteneintrittsalter an die jetzige gesetzliche Grenze von 65 Jahren annähere, sagte die SPD-Politikerin am Wochenende. Die Grünen zeigten sich ebenfalls offen für eine Heraufsetzung.

ost/HB DÜSSELDORF/BERLIN. Die Rürup-Kommission hatte in ihrem am Donnerstag vorgelegten Abschlussbericht vorgeschlagen, das Rentenalter von 2011 bis 2035 schrittweise von heute 65 auf 67 Jahre anzuheben. Gleichzeitig soll das Rentenniveau von heute 48 % des Bruttodurchschnittslohns auf 40 % abgeschmolzen werden.

SPD-Fraktionsvize Gudrun Schaich-Walch äußerte sich erneut ablehnend zu beiden Vorschlägen. Zur schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters sagte sie: „Mit derart langen Zeiträumen zu arbeiten, besonders wenn ich die wirtschaftliche Situation mit einbeziehen will, ist ausgesprochen schwierig.“ Eine Absenkung des Rentenniveaus auf 40 % schloss die SPD-Politikerin ebenfalls aus.

Auch CDU-Chefin Angela Merkel äußerte sich skeptisch über die Anhebung des Rentenalters auf 67. Zunächst gehe es darum, den Menschen Chancen zu eröffnen, tatsächlich bis zum geltenden Rentenalter von 65 Jahren zu arbeiten, sagte sie dem Sender RTL.

Der Münchener Unternehmensberater Roland Berger rechnet dagegen damit, dass die Vorschläge der Reformkommission trotz der Kritik aus Regierung und Opposition weitgehend Realität werden. „Das Ergebnis ist so gut, dass die Empfehlungen dieser Kommission mit Sicherheit nicht so schnell im Schrank verschwinden werden“, sagte Berger, selbst Mitglied der Kommission, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich bin sicher, dass die Vorschläge zu mindestens 80 % umgesetzt werden – wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen.“ Trotz der sehr heterogenen Zusammensetzung der Kommission trage die große Mehrheit der Mitglieder die Empfehlungen mit. „Die Politik wird es deswegen schwer haben, sich von den Vorschlägen distanzieren zu können.“

Der Unternehmensberater nahm die Arbeit der Kommission zugleich gegen die harsche Kritik aus der Opposition in Schutz. So hatte Unionsfraktionsvize Horst Seehofer das Konzept als „ein Dokument für das totale Scheitern der Rentenpolitik eingestuft: Die Leute arbeiten ein ganzes Leben, um dann im Alter in der Nähe der Sozialhilfe zu sein.“

Berger bezeichnete diese Kritik als „Schnellschüsse“ und „Wahlkampfrhetorik“: „Drei Wochen vor den Landtagswahlen in Bayern darf man die Äußerungen nicht so ernst nehmen.“ Nach dem Urnengang werde sich die Diskussion versachlichen: „Auch die Opposition wird sich auf Dauer den Problemen, denen das Land gegenübersteht, nicht entziehen können.“

Die Bundesregierung dementierte am Sonntag einen Bericht des Magazins „Focus“, sie plane bei der betrieblichen Altersvorsorge einen automatischen Lohnabzug. „Der Bericht entspricht nicht den Tatsachen. Da ist überhaupt nichts dran“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg auf Anfrage.

Das Magazin hatte aus seiner neuen Ausgabe gemeldet, die Bundesregierung wolle im Rahmen der Rentenreform die betriebliche Altersversorgung zur Regel machen. Das Kanzleramt lasse derzeit einen Plan prüfen, wonach Arbeitgeber automatisch 4 % des Bruttogehalts für eine kapitalgedeckte Zusatzversorgung abzweigen sollten. Auf Antrag könnten sich Arbeitnehmer ohne Angabe von Gründen allerdings davon befreien lassen. Auf diese Weise solle dafür gesorgt werden, dass die persönliche Entscheidung für eine zusätzliche Altersvorsorge nicht mehr so häufig aufgeschoben werde.

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