Roland Koch
Der „Anti-Sarrazin“ und die planlosen Konservativen

Roland Koch verabschiedet sich in die Wirtschaft - mit einem Buch über das Konservative in der Politik. Dessen Vertreter kommen dabei nicht gut weg: Sie seien ziemlich planlos. Und CDU-Chefin Merkel schätzt die „konservative Gelassenheit“ an sich selbst.
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HB BERLIN. Für viele in der CDU war und ist Roland Koch konservativer Hoffnungsträger - doch die Hoffnung auf ein Comeback hat der frühere hessische Ministerpräsident am Montag enttäuscht. Auf die Frage, ob er als Nachfolger des im Krankenhaus liegenden Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble zur Verfügung stehe, sagt der 52-Jährige klipp und klar: „Mein konservatives Wertgefühl ist, dass man sich Dinge im Leben gut überlegt. Ich habe mir gut überlegt, aus der Politik auszuscheiden und ich werde diese Entscheidung nicht korrigieren.“ Aus, vorbei - Koch will in die Wirtschaft wechseln.

Seiner Partei hat der wegen früherer ausländerkritischer Töne nicht unumstrittene Koch „eine Art persönliches Abschiedsgeschenk am Ende einer herausfordernden und faszinierenden Zeit in direkter persönlicher Verantwortung“ gemacht. Koch nennt sich einen „konservativen Reformer“ - und er geht in seinem Buch „Konservativ - Ohne Werte und Prinzipien ist kein Staat zu machen“ hart mit den Vertretern des eigenen Parteiflügels ins Gericht. „Die Konservativen leben noch. Sie wissen nur nicht mehr so genau, warum“, schreibt er in dem als „politisches Manifest“ gedachten Werk. Und schiebt die Analyse hinterher: „Konservative sind heute nicht heimatlos, aber planlos.“ Ihnen fehle der intellektuelle Überbau.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel persönlich stellt das Buch Kochs vor. Das ist konsequent, nachdem ihr parteiintern vorgehalten wird, sich nicht genügend um den konservativen Flügel der CDU zu kümmern - neben den liberalen und den christlich-sozialen Wurzeln der Partei.

Doch Koch nimmt die Kanzlerin ausdrücklich in Schutz. Merkel müsse mit der „nach meiner Erfahrung falschen Unterstellung leben, sie schätze das Konservative nicht“. Er erwarte außerdem nicht, dass „alles von Angela Merkel allein in der CDU geschultert wird. Ihr Profil ist für uns wertvoll.“

Die Konservativen in der CDU müssten sich künftig „eindeutiger und verständlicher, aber auch einfühlsamer und zukunftsgewandter präsentieren“, fordert Koch. Nachdem sich in Deutschland eingebürgert habe, „konservativ“ mit „rechts“ gleichzusetzen, wundere es nicht, dass es vielen schwerfalle, von sich selbst zu sagen, sie seien Konservative. Die Schwesterparteien CDU und CSU könnten eine rechts außen angesiedelte Partei aber nur verhindern, wenn sie das konservative Element wieder stärker pflegten.

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  • Dass Merkel das buch vorgestellt hat, ist nicht konsequent, wie der Autor schreibt.
    ich fand es ekelhaft und vor allem heuchlerisch.
    Es war mal wieder eine Leuteverdummung und Manipulation.
    Jeder weiß, dass Koch und Merkel nicht besonders gut auskamen und Merkel Koch auch in den Rücken gefallen ist bzgl. der Ausländerkriminalität
    im übrigen hat Merkel mit dem Konservtiven überhaupt nichs am Hut, sie hat die CDU längst umgeformt zu einer sozialistischen blockpartei.
    Sie ist eine gelernte DDR-Frau und bestens FDJ-ausgebildete Person und das wird sie auch immer bleiben. Diese Denke legt man nicht über Nacht ab, nur weil die Mauer fiel
    Und dass die Konservativen so still sind, wie Koch beklagt, liegt daran, dass die große Staatsratsvorsitzende ja keine Widersprüche und eigene Meinungen duldet.
    Es liegt aber auch darn, dass Deutschlands Männer zu Waschlappen geworden sind anstatt endlich mal wieder mit der Faust auf den Tisch zu hauen, wenn es so schief läuft mit der CDU.
    Es gab vor vielen Jahren mal einen Schalger, der hieß "neue Männer braucht das Land.."
    Die emanzen-verweibischte Politik hat uns nicht Gutes gebracht.

  • Koch sollte sich aus der Politik raushalten und seine Entscheidung darüber sich fern zu halten begrüße ich.

    Habe nicht vergessen die vorgehensweise über die
    Aufklärung der Spendenafäre zu Zeiten Kohls.

    Pappnasenkandidat für mich.

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