Roland Koch
Der brutalstmögliche Aufklärer

Roland Koch tritt mit der Übernahme des Chefsessels beim Bauunternehmen Bilfinger Berger ein schwieriges Erbe an: Der frühere hessische Regierungschef muss sich um die Aufklärung des Einsturzes der Kölner U-Bahn kümmern, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Kochs Vorgänger Herbert Bodner war vorgeworfen worden, er sei dabei anfangs zu zögerlich gewesen.
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HB BERLIN. Zögerlichkeit kann man Koch kaum vorwerfen. Der 52-jährige Jurist ist kantig, er hat keine Angst vor Konflikten und ist um markante Formulierungen nicht verlegen. Koch scheute sich auch nicht, gegen Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel aufzubegehren. Zeitweise galt er sogar als Kanzlerkandidat. Als Ministerpräsident pflegte Koch enge Kontakte zur Wirtschaft und setzte sich für deren Belange ein. So machte er den Ausbau des Frankfurter Flughafens auch zu seiner Sache. Von 1999 bis 2003 war Koch Aufsichtsratschef der Fraport AG. Auch mit der Baubranche hatte er schon zu tun: Er war am Versuch beteiligt, den Baukonzerns Philipp Holzmann zu retten, der dann aber doch Konkurs anmelden musste.

In der Union war Koch, Ziehsohn von Altkanzler Helmut Kohl, nicht unumstritten. Wie kaum ein anderer CDU-Politiker polarisierte er. So führte er den Landtagswahlkampf 1999 mit einer Unterschriftenkampagne gegen das geplante Gesetz der damaligen rot-grünen Bundesregierung zur doppelten Staatsbürgerschaft. Kritiker warfen ihm vor, damit offen auf ausländerfeindliche Ressentiments gesetzt zu haben. Hart in Sprache und Sache, hat Koch Wunden geschlagen, die manchen bis heute schmerzen. Hier dürfte er sich von seinem Vorgänger unterscheiden: Zwar ist auch Bodner hart in der Sache, doch gilt der Wiener als umgänglich.

Koch trat mit 14 Jahren in die Junge Union ein. 1998 wurde er Chef der CDU in Hessen, 1999 Ministerpräsident. 2003 folgte sein größter politischer Erfolg. Bei der Wahl erkämpfte er die absolute Mehrheit im Landtag. Fünf Jahre später folgte der Absturz: Bei der Landtagswahl 2008 reichte es nicht einmal zusammen mit der FDP für eine Regierung. Nur weil es der SPD nicht gelang, eine Koalition zu bilden, wurde 2009 neu gewählt, und Koch konnte ein schwarz-gelbes Bündnis zimmern.

Den Tiefpunkt seiner politischen Karriere erreichte Koch 2000 mit der Spendenaffäre seines CDU-Landesverbandes. Gelder unbekannter Herkunft in Millionenhöhe waren ins Ausland verschoben worden und als vermeintliche Vermächtnisse gestorbener Juden zurück in die Parteikassen geflossen. Koch erklärte mehrfach, davon nichts gewusst zu haben, und kündigte eine "brutalstmögliche Aufklärung" an. Später musste er einräumen, über die Schwarzgeldkonten unterrichtet gewesen zu sein.

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