Roland Koch
Die Rückkehr eines Alpha-Tiers

Der ehemalige hessische Ministerpräsident Koch springt der Kanzlerin in der Schuldenkrise bei. Und das obwohl er sich zuvor noch mit Händen und Füßen dagegen sträubte, in politische Debatten einzusteigen.
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Basel„Nein“, sagt er, „ich will mich nicht von Euch Jungs in die Politik zurücktreiben lassen.“ Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, der in seiner zweiten Karriere an der Spitze des Baukonzerns Bilfinger und Berger steht und - damit nicht genug - auch noch den Aufsichtsrat der UBS in Deutschland leitet, wehrt mit diesem Satz seit mehr als einem Jahr Journalisten ab, die ihm womöglich Fragen zu Merkel, der Schuldenkrise oder so etwas Profanem wie dem deutsch-schweizer Steuerstreit stellen wollen. Das klingt dann, als hätte das ehemalige politische Schwergewicht ein Gelübde abgelegt: Hände weg von der Politik! Heute hat er dieses Gelübde gebrochen.

Vor dem ehrenwerten und vor allem männlichen Publikum der Vereinigung Schweizerischer Unternehmen in Deutschland, im Gewölbesaal des Zunfthauses „Zum Safran“ in Basel, hat Koch eine politische Plauderei begonnen, die ganz der selbstgeschaffenen Tradition des einstigen CDU-Granden entsprechend an Deutlichkeit kaum Wünsche offen ließ. Der Streit zwischen SPD und CDU geführten Bundesländern, über die Höhe der Steuer, mit der Deutsche mit Vermögen in der Schweiz belangt werden, dieser Streit sei dem Wahlkampf geschuldet, meinte er. Danach, so ab Mitte Mai, meinte er, sei eine Verständigung noch möglich.

Kochs Kernthema an diesem Tag jedoch ist die EU und die Krise, in der sie steckt. Sein wichtigstes Anliegen: Er will der Kanzlerin, die mit ihren Sparappellen angesichts politischer Veränderungen in Europa immer einsamer dasteht, den Rücken stärken. Im Gegensatz zur Geschäftswelt, so hat der Neu-Manager Koch erkannt, werden in der Politik Entscheidungen stets aufgrund rationaler und emotionaler Argumente getroffen. Deswegen müsse Deutschland dem bis über die Ohren verschuldeten Griechenland helfen - und ihm drohen. Ohne Drohung wäre in Griechenland kein einziges Spargesetz verabschiedet worden, meint Koch. Und ohne griechische Gegendrohung Richtung Deutschland wäre keines dieser Gesetze von den Griechen jemals akzeptiert worden.

Aber Griechenland abwickeln wie die Drogeriemarktkette Schlecker? Das stehe nicht zur Diskussion. „Wer soll dann die Sozialhilfe bezahlen?“, fragt Koch, um dann mit einem weiteren Vergleich zur Unternehmerwelt aufzuwarten: In der Geschäftswelt sei es selbstverständlich, Sicherheiten zu verlangen. Die Wahrheit in der Politik sei, dass es keine Sicherheiten, sondern nur Einschätzungen gebe. Das habe nichts mit Unfähigkeit, sondern sehr viele mit Demokratie zu tun.

Und er wäre nicht Koch, wenn er mit seiner Einschätzung zur Staatsschuldenkrise und ihrem Ausgang hinterm Berg hielte. Die Krise verschlinge ohne Zweifel Unsummen von Geld. „Die Frage ist aber, ob es eine Investition oder eine Verschwendung ist“. Er plädiere dafür, es als Investition in Europa zu sehen, sagte der Ministerpräsident a.D. - womit sich die Sparkanzlerin im fernen Berlin nicht mehr ganz so einsam fühlen muss.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Roland Koch: Die Rückkehr eines Alpha-Tiers"

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  • ein Jurist redet von VWL - alles klar?

  • richtig das ist eine kaste , eine verlogene betrügende nur auf eignene Vorteil und m müßten alle machtbesessene Kaste, die unser Volk ruiniert.die Politiker müßten alle mit ihrem Vermögen haften, für den Mist und denVolksschaden, den sie produzieren.

  • Zum KOtzen ! Der "Todesscheitel aus Eschborn" (Zitat aus Neues aus der Anstalt).
    Macht nur so weiter dann ist die CDU bald die fast 3 Prozentpartei :-)

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