Deutschland
Roland Koch macht Weg für Merkel frei

Roland Koch hat erst mal genug von der K-Frage. Der hessische Ministerpräsident akzeptiert, dass er gegen die CDU-Chefin nicht gewinnen kann.

BERLIN. Roland Koch hat für die nächsten sechs Jahre erst mal genug von der K-Frage: „Es nervt mich kolossal, dass jede Sachfrage sofort damit in Verbindung gebracht wird, ob ich nicht doch als Kanzlerkandidat gegen die Parteivorsitzende antreten will“, begründete er gestern gegenüber dem Handelsblatt seinen Rückzug aus dem Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union.

Egal, ob bei Virus-Forschern im hessischen Dreieich oder beim Stadtgouverneur in Moskau: Jedes Wort werde immer auf der Waage des möglichen Kanzlerkandidaten hin- und hergeschoben. In Wahrheit aber hat das Lamento und die Abkehr vom ewigen Zweikampf zwei Seiten: Monatelang hat sich Koch in dieser allseitigen Nobilitierung zum deutschen Spitzenpolitiker gesonnt. Stets war er im Gespräch, denn mit ihm war zu rechnen, mit ihm musste vor allem Angela Merkel rechnen. Das ist nun definitiv Vergangenheit.



Dabei kommt Kochs „Kapitulation“ keineswegs überraschend. Zwar hatte er sie erst jetzt am vergangenen Samstag auf dem Parteitag der hessischen CDU in Oberursel offiziell angekündigt: „Von mir wird es keine Initiative für eine Kanzlerkandidatur geben.“ Doch fest stand seine Chancenlosigkeit gegenüber einer stark aufspielenden Parteichefin Angela Merkel bereits beim letzten CDU-Parteitag in Leipzig. Damals feierten die Delegierten Merkel frenetisch als Frontfrau mit natürlichem Anspruch auf die Kanzlerkandidatur.

Zuvor hatte Merkel die programmatische Parteilinie in der von ihr eingesetzten Herzog-Kommission festzurren lassen: Gesundheitspolitik und Steuerreform – Koch war in den zentralen Themen nicht gefragt. Spätestens seit Dezember war Merkel auf Augenhöhe mit dem Kanzler: die Gegenspielerin.

Dennoch wartete Roland Koch mit seinem Rückzug bis zum Landesparteitag in Hessen. Denn die allerletzte Chance für eine Kandidatur sah er, wie CSU-Chef Edmund Stoiber, im Straucheln Merkels bei der Kür eines Unions-Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Johannes Rau. Wäre sie mit einem Unions-Kandidaten ihrer Wahl gescheitert, hätten Koch und Stoiber zumindest noch einen Funken Hoffnung behalten.

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