Roncalli-Chef Bernhard Paul: „Wir sind doch keine Berlusconis“

Roncalli-Chef Bernhard Paul
„Wir sind doch keine Berlusconis“

Silvio Berlusconi war entrüstet, von SPD-Kanzlerkandidat als Clown bezeichnet zu werden. Nun meldet sich Zirkusdirektor Bernhard Paul, selbst ein berühmter Clown, zu Wort und sagt: „Ein Zirkusclown ist kein Depp.“
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KölnGestern noch Spöttelei auf Twitter, heute Realität: Der Chef des berühmten Zirkus Roncalli in Köln beschwert sich über den Clown-Vergleich von Peer Steinbrück, der Italiens Politiker Silvio Berlusconi als Clown bezeichnet hatte: „Ein Zirkusclown ist kein Depp, den man auf eine Stufe mit Berlusconi stellt“, sagt Zirkusdirektor Bernhard Paul.

In einem offenen Brief macht der Zirkusdirektor und gefeierter Clown Bernhard Paul seinem Ärger über die Bemerkung des SPD-Kanzlerkandidaten Luft machen. „Clown ist ein ehrenwerter, ganz schwieriger, sensibler, künstlerischer Beruf“, sagte der 65-jährige Österreicher. Ein Clown sei eine tröstliche Figur, die in der „Tradition der Commedia dell' Arte die Menschen zum Lachen bringt“. Und es sei ein pazifistischer Beruf – denn wer lache, sei nicht mehr in der Lage, Böses zu tun. „Wie kann man das vergleichen mit Bunga-Bunga?“, fragte der Zirkusdirektor.

Peer Steinbrück hatte am Dienstag angesichts des Wahlausgangs in Italien gesagt: „Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben.“ Damit bezog er sich auf den ehemaligen TV-Komiker Beppe Grillo und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Während Grillo sich von der Bemerkung unbeeindruckt zeigte, war Berlusconi eingeschnappt. Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano sagte ein geplantes Treffen mit dem SPD-Kandidaten ab, der FDP-Politiker Volker Wissing gab dem SPD-Kanzlerkandidaten den Spitznamen „Peerlusconi“ und sorgte sich über dessen außenpolitische Kompetenz.

Schnell aber verlagerte sich – vor allem bei Twitter – die Debatte: Nicht mehr um deutsch-italienische Beziehungen wurde diskutiert, sondern über die Frage, ob Clown überhaupt eine Beleidigung sei. Der Grünen-Politiker Volker Beck twitterte, der Vergleich sei höchstens eine Beleidung für rechtschaffende Mitglieder der Zirkusbranche. Die Satire-Internetseite „Der Postillon“ titelte: „Nach Berlusconi-Vergleich: Clown-Gewerkschaft sagt Treffen mit Peer Steinbrück ab“ und vermutete, dass Steinbrück nun mit den Clowns eine der letzten „Gruppen verprellt hat, bei der er bislang einen guten Stand hatte“.

Möglicherweise nimmt die Affäre aber für die Clowns doch ein gutes Ende. Ein bisschen Aufmerksamkeit scheint der Zunft jedenfalls nicht zu schaden. Ihre Lage sei nicht rosig, sagte der Roncalli-Direktor. „Der Zirkusclown stirbt aus, weil alles Comedy ist.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Umm Clown zu sein bedarf es ueberdurchschnittlicher Intelligenz! Um Politiker zu sein, braucht´s vor allem extreme Dummheit!

  • Ich ahne schon die Schlagzeile:

    "Roncalli-Chef bezeichnet Berlusconi als Deppen, Napolitano will nicht mehr in den Circus gehen"

    *g*

  • Die rote Nase gebührt Steinbrück, Künstlername Peerlusconi aber nur dann, wenn er in einem Clownsduo neben einem intelligenten Clown den absoluten Trottel spielt.

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