Rostock
Anti-G8-Gewalttäter warten auf zweite Chance

Rund 2 000 an den Krawallen vom Sonnabend beteiligte Gewalttäter halten sich nach Erkenntnissen der Polizei nach wie vor im Raum Rostock auf. Einer der Organisatoren der Demo vom Sonnabend räumte unterdessen ein, dass die Globalisierungskritiker nicht wüssten, wie sie mit Gewaltbereiten in ihren Reihen zurechtkommen sollen.

HB ROSTOCK. „Es handelt sich hierbei größtenteils um dieselben Straftäter, die für die Krawalle in Rostock am 2. Juni verantwortlich zeichneten“, heißt es in einer Mitteilung der G-8-Sondereinheit Kavala. Die Personen bereiteten den Beamten große Sorge. Polizeiführer Knut Abramowski forderte alle friedlichen Demonstranten auf, sich künftig deutlich von Gewalttätern zu distanzieren. Die Lage in Rostock blieb in der Nacht auf Montag laut Polizei ruhig. Am Sonntagabend hatten mehrere tausend Gipfelgegner ein Rockkonzert am Hafen verfolgt, wo unter anderem Jan Delay aufgetreten war.

Abramowski wies Kritik des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, an der Einsatzführung vom Samstag zurück. Auch wenn es eine hohe Anzahl an verletzten Polizeibeamten gegeben habe, sei das Ziel erreicht worden, die 3 000 Gewalttäter nicht in die Rostocker Innenstadt gelangen zu lassen. Das Konzept der Deeskalation sei sofort nach Beginn der Auseinandersetzungen im Stadthafen durch ein entschiedenes Vorgehen ersetzt worden. Freiberg hatte ein härteres Vorgehen der Polizei gegen die Krawallmacher gefordert.

Abramowski lobte das Verhalten des verantwortlichen Abschnittsführers aus Berlin als besonnen. Personelle Konsequenzen gegen vor Ort agierende Beamter würden nicht erwogen. Damit reagierte Abramowski auf einen Bericht des „Tagesspiegels“, noch während der Krawalle sei einer der Führungsbeamten abgesetzt worden. Allerdings hatte die Polizei zuvor Probleme beim Einsatz am Samstag eingeräumt: Der zuständige Unterabschnittsleiter sei zeitweise nicht über Funk zu erreichen gewesen. Daraufhin habe dessen Vorgesetzter direkte Befehle an die Einheiten gegeben, sagte ein Sprecher der Sondereinheit Kavala am Sonntagabend.

Bei den Krawallen am Samstag waren mehr als 400 Polizeibeamte verletzt worden, davon 30 schwer. Die ersten mutmaßlichen Täter sollen noch diese Woche vor Gericht kommen. Die Zahl der Verletzten Demonstranten soll bei über 500 liegen.

Einer dere Organisatoren der Demonstration vom Sonnabend, Werner Rätz von der globalisierungskritischen Organisation Attac, hat sich für die Ausschreitungen entschuldigt. „Wir müssen uns entschuldigen. Was geschehen ist, hätte so nicht passieren dürfen. Es tut uns mehr als leid“, sagte Rätz. Die Schwierigkeiten beim Umgang mit den Linksautonomen würden von vielen unterschätzt. Rätz räumte ein, dass die in Attac zusammengefassten Globalisierungskritiker kaum wüssten, wie sie mit den militanten G-8-Gegnern zurecht kommen sollen: „Ein konkretes Konzept gibt es nicht“. Rätz warnte aber davor, den schwarzen Block auszugrenzen: „Dann kommen die erst recht“, sagte er.

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