Rostock
Beifall statt Schelte für Künast von den Bauern

Auf dem Deutschen Bauerntag ist die Auseinandersetzung zwischen Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) und den Landwirten weniger heftig ausgefallen als erwartet.

HB ROSTOCK. Die Erwartungen an die Aussprache auf dem Rostocker Bauerntag waren groß. Im Vorfeld war viel über hoch schießende Emotionen die Rede gewesen. Denn der Bauerntag fiel auf den Beginn des Wahlkampfes zur geplanten Bundestagswahl im Herbst.

Jahrelang hatten die grüne Verbraucherministerin Renate Künast und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner über die Agrarpolitik laut und heftig gestritten. Doch die Reden der beiden in Rostock waren nahezu frei von Polemik. Gelegentliche Pfiffe und Zwischenrufe ließen die Brisanz der Auseinandersetzung nur erahnen.

So konnte die Ministerin die Gelegenheit nutzen, schon die Wahlkampftrommel zu schlagen und die von ihr zu vertretende Politik als Glücksfall für die Bauern darzustellen. Der deutsche Export von Agrargütern sei von 24,9 Mrd. Euro im Jahr 1999 auf 32 Mrd. Euro im Jahr 2003 gestiegen - mit weiter steigender Tendenz. Die deutsche Landwirtschaft habe von der Qualitätssteigerung profitiert, die die rot-grüne Landwirtschaftspolitik bewirkt habe. Die Unternehmensgewinne seien gewachsen, die Ausbildungszahlen gestiegen.

Darüber hinaus habe die Bundesregierung mit Innovations- und Wachstumsfelder neue Perspektiven und Arbeitsplätze in ländlichen Raum beispielsweise bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe geschaffen. „Wir reden hier von einem der größten Zukunftsmärkte überhaupt“, sagte Künast. Das habe auch die deutsche Automobilindustrie erkannt. „Früher hieß es: Automobilindustrie und Erdöllobby gehen Hand in Hand. Heute heißt es: Auto und Bauern gehören zusammen.“ Mit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe seien in Deutschland rund 120 000 Arbeitsplätze verbunden.

Als Künast ihre Rede beendete, erhielt sie sogar Beifall - zwar nur kurz, aber mehr als im Vorfeld erwartet.

Statt Schelte kam von Sonnleitner sogar Anerkennung. Die Bauern hätten beim gesundheitlichen Verbraucherschutz durch die rot-grüne Bundesregierung viel dazugelernt. Und Lob verdiene die Bundesregierung, dass sie in den letzten Jahren dazu beigetragen hat, „dass wir bei den nachwachsenden Rohstoffen in Sieben-Meilen-Stiefeln vorangekommen sind.“ Der Boom bei nachwachsenden Rohstoffen bringe Wertschöpfung und Einkommen in die Dörfer. Bei einem möglichen Regierungswechsel nach der geplanten Bundestagswahl dürfe diese Entwicklung nicht abgewürgt werden, forderte Sonnleitner.

So blieb die Auseinandersetzung um aktuelle Themen eher im Hintergrund. Sonnleitner kritisierte Künast wegen der Verschärfung von EU-Richtlinien beim Tier- und Umweltschutz. Die Bauern kennen die hohen Ansprüche der Gesellschaft an tiergerechte Ställe, Boden schonende Landtechnik oder den passgenauen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Aber das muss erwirtschaftet und nicht verordnet sein“, betonte Sonnleitner.

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