Rostocker Krawalle
Friedlicher Protest geht im Steinehagel unter

Einige tausend Gewalttäter aus aller Herren Länder haben es geschafft, den friedlichen Protest tausender Globalisierungskritiker in Rostock in ein Desaster zu verwandeln. Die Bilanz am folgenden Tag: Fast 1 000 Verletzte auf beiden Seiten, zehn Anträge auf Haftbefehle und die Erkenntnis, dass mancher Steinewerfer für den seltsamen „Kick“ auch eine weite Anreise nicht scheut.

HB ROSTOCK. Rund 3 000 Gewalttäter ließen die friedliche Demonstration der Globalisierungskritiker am Sonnabend im Chaos versinken. Polizei und Veranstalter waren schockiert über die Gewaltbereitschaft der meist jungen Täter. Das Netzwerk Attac erklärte in Richtung der Autonomen: „Wir wollen euch nicht mehr sehen.“ Die Staatsanwaltschaft beantragte zehn Haftbefehle.

Insgesamt registrierte die Polizei 433 verletzte Beamte, die Demonstrationsleitung berichtete von 530 verletzten Teilnehmern. Die meisten hatten Augenreizungen vom Tränengas. Aber 30 Polizisten und 20 Demonstranten mussten mit schweren Verletzungen in Krankenhäusern behandelt werden. Die schwerste Verletzung traf laut Polizei einen Beamten ohne Schutzkleidung: Durch Steinwürfe erlit er einen offenen Bruch des Oberarmes. Der Mann trug keinen Schutzpanzer, weil er mit dem direkten Einsatz gegen die Demonstranten nichts zu tun hatte, sondern nur den Verkehr regelte.

Mindestens 128 Verdächtige - nach Angaben der Demonstrationsleitung sogar 165 - wurden festgenommen, davon waren 63 am Sonntag noch in Haft. Gegen zehn wurde Haftbefehl beantragt wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Unter den Festgenommenen waren laut Polizei drei Spanier, zwei Belgier und zwei Franzosen sowie jeweils einer aus Bulgarien, Dänemark, Polen, Griechenland, Mexiko, Japan, Österreich, Schweden und der Ukraine. Die gewaltbereite Szene hatte vor der Rostocker Demonstration international mobilisiert. Nach Aussagen von Beobachtern waren auch Russen und Briten unter den Randalierern.

Der Sachschaden ließ sich kaum abschätzen: Mehrere Autos wurden demoliert, zwei Wagen brannten aus, gepflasterte Bürgersteige wurden von Autonomen für Wurfgeschosse aufgerissen, Verkehrsschilder und ein Parkscheinautomat umgeworfen, Müll angezündet. Sogar zum Löschen brennender Autos angerückte Feuerwehrmänner wurden angegriffen, ein Löschfahrzeug beschädigt.

Die Demonstration - mit 25 000 Teilnehmern laut Polizei und 80 000 laut Veranstaltern - hatte friedlich begonnen. Die Krawalle brachen gegen 15.00 Uhr aus, als die Menschenmassen auf das Gelände am Stadthafen strömten. Einige Demonstranten gingen auf ein Polizeiauto los und verletzten mehrere Beamte. Daraufhin stürmten Polizeitrupps in die Menge, um Tatverdächtige festzunehmen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Dabei wurden auch unbeteiligte Demonstranten getroffen.

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