Rot-Grün gewinnt: Stephan Weil übernimmt das Zepter in Niedersachsen

Rot-Grün gewinnt
Stephan Weil übernimmt das Zepter in Niedersachsen

Rot-Grün zittert sich zum Sieg. Nach einem stundenlangen Wahlkrimi steht das Endergebnis: Schwarz-Gelb wird in Niedersachsen nach zehn Jahren abgelöst. Stephan Weil will sich nun zum Ministerpräsidenten wählen lassen.
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HannoverUm 23.42 Uhr ist die schmerzhafte Niederlage für Schwarz-Gelb zum Auftakt des Bundestagswahljahres perfekt. Nach vielen Stunden der Ungewissheit und des Zitterns verkündet Landeswahlleiterin Ulrike Sachs das offizielle Endergebnis: Danach hat ein rot-grünes Bündnis gegenüber einer Koalition von CDU und FDP einen Vorsprung von einem einzigen Sitz. Damit ist die schwarz-gelbe Koalition von CDU-Ministerpräsident David McAllister trotz eines FDP-Rekordergebnisses abgewählt.

Stephan Weil (SPD), dem designierten neuen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, reicht der knappe Vorsprung völlig. Er will auch bei nur einem Mandat Mehrheit eine rot-grüne Koalition bilden. „Bei dem Stand der Dinge habe ich das auch vor“, sagte er. „Meine Stimmung wird derzeit immer besser und immer zuversichtlicher.“ Seinen Erfolg verdankt er den historisch starken Grünen.

„Das war heute eine Achterbahn der Gefühle“, sagte ein vom langen Wahlabend sichtlich mitgenommener Weil auf der SPD-Wahlparty im Alten Rathaus von Hannover und fügte hinzu: „Jetzt sind wir auf dem Höhepunkt.“ Weil hatte gut lachen und konnte seinen Triumph gegen den bisherigen CDU-Amtsinhaber David McAllister zunächst kaum fassen. „Ich glaube, ich werde nachher zu Hause auf dem Sofa sitzen und versuchen, das alles zu begreifen.“ Nur soviel weiß er: In der Früh gehe sein Zug nach Berlin und er freue sich auf fünf Jahre Regierungszeit.

Damit macht Rot-Grün acht Monate vor der Bundestagswahl eine Kampfansage an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Schwarz-Gelb in Berlin. Der in der Kritik stehende SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erhält neuen Auftrieb. Aber auch dem angeschlagenen FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler verschaffte das beste Niedersachsen-Ergebnis seiner Partei – fast zehn Prozent – deutlich Luft.

Niedersachsen erlebte einen beispiellos spannenden Wahlabend. Stundenlang sah es in den Hochrechnungen von ARD und ZDF nach einem Patt oder einem knappen Sieg von Schwarz-Gelb aus. Die CDU fuhr aufgrund einer massiven FDP-Zweitstimmenkampagne eines ihrer schlechtesten Ergebnisse ein, blieb aber stärkste Partei. Die SPD legte leicht zu. Die Linke flog aus dem Landtag, auch die Piraten scheiterten klar an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung stieg leicht auf 59,4 Prozent.

Von einem Sieg in Niedersachsen hatten sich alle Parteien Rückenwind für die Bundestagswahl im Herbst erwartet. Die Abstimmung im zweitgrößten Flächenland mit 6,1 Millionen Wahlberechtigten gilt als wichtiger Stimmungstest. Vor dem Bundestag wird nur noch in Bayern ein neuer Landtag gewählt.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis verlor die CDU 6,5 Punkte, blieb aber mit 36,0 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von der SPD, die auf 32,6 Prozent (plus 2,3) kam. Die Grünen erzielten 13,7 Prozent (plus 5,7), die FDP erreichte 9,9 (plus 1,7) und die Linke 3,1 Prozent (minus 4,0). Mit Überhang- und Ausgleichsmandaten ergibt sich folgende Sitzverteilung: CDU: 54; SPD: 49; Grüne: 20; FDP: 14. Das bedeutet eine Ein-Stimmen-Mehrheit im neuen Landtag für Rot-Grün mit 69 zu 68 Mandaten.

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FDP schafft ein sensationelles Ergebnis

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  • @ didigermany

    Egal wie die Ausgangsbasis war, die jeweiligen Bayerischen Landesregierungen haben es allen gezeigt, wie man erfolgreich zum Wohle des Volkes ein Bundesland voranbringt bzw. regiert. Sogar die (jetzigen) Nehmerländer profitieren davon!

    Wenn 50% der Bundesländer so erfolgreich wie Bayern wären, dann könnten wir wieder mit 63 bzw. 65 Jahren in Rente gehen und der kleine Mann würde ohne die Betteltour über Hartz 4 sein Geld mit seiner Hände Arbeit verdienen.

    Auf nach Bayern!

  • @pgoetz
    Ich weiss nicht ob Sie ein echter Bayer sind. Vielleicht ein kleiner Diskurs. Bayern gehoerte auich einmal zu den Nehmerlaendern. Auch Dank FJS floss eine Menge Geld nach Bayern u.a. aus NRW das damals mehr oder weniger die BRD finanzierte.. Aber der wirtschaftliche Erfolg Bayerns setzte erst durch Zuzug der protestantischen SAU-PREISSEN ein, die den Katholiken zeigten wie man Wirtschaft macht. Durch Besuch der Messe und dem Wort zum Sonntag sicher nicht.

  • @pablo
    Meinen Sie sich erinnern zu koennen, wer Hamburg vor Rot/Gruen regierte und wie lang? Wer u.a die Philharmonie zu verantworten hat.

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