"Rot-Grün ist auf halber Strecke stehen geblieben"
Westerwelle will Adoptionsrecht für Schwule

Nach seinem Outing hat FDP-Chef Westerwelle mehr Rechte für Homosexuelle gefordert. Grünen-Politiker Beck wünscht sich indes, dass homosexuelle Politiker offener mit ihrer Neigung umgingen.

HB BERLIN. Der Vorsitzende der FDP, Guido Westerwelle, hat auf die unzureichenden rechtlichen Möglichkeiten für Homosexuelle hingewiesen. Rot-Grün sei bei dem ganzen Thema auf halber Strecke stehen geblieben, sagte er dem Magazin «Der Spiegel». «Derzeit ist die Lage doch so, dass solche Lebensgemeinschaften zwar jede Menge Pflichten haben, zum Beispiel Beistandspflichten gegenüber dem Sozialstaat, aber die angemessenen Rechte werden ihnen verweigert. Das kann nicht richtig sein.»

Westerwelle forderte unter anderem, das Adoptionsrecht auf homosexuelle Paare auszuweiten, sowie die Gleichbehandlung von homosexuellen mit heterosexuellen Paaren im Steuerrecht. Die FDP werde in einer möglichen Koalition mit der Union auch den konservativen Gegnern solcher Rechte nicht nachgeben, betonte er.

Indirekt bekannte sich Westerwelle, der sich beim 50. Geburtstag von CDU-Chefin Angela Merkel erstmals mit seinem Lebenspartner in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, auch zu seiner homosexuellen Beziehung. «Ich kann nichts daran ändern, ob mein Leben den Leuten gefällt oder nicht gefällt», sagte er im «Spiegel». Er könne sich nicht nach der öffentlichen Meinung richten. Er lebe sein Leben selbstbewusst und könne von sich sagen: «Ich habe nie eine Kulisse geschoben.»

Ähnlich äußerte sich der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, der ebenfalls bekennender Homosexueller ist. Im Magazin «Focus» brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass homosexuelle Politiker und Prominente künftig offener mit ihrer Neigung umgehen sollten. Zwar gehe niemanden deren Privatleben etwas an, doch sei Homosexualität eine Personenstandsanzeige wie verheiratet, Kinderzahl oder Religionszugehörigkeit, sagte Beck. Nach seiner Ansicht könne das Publikum von einer Person des öffentlichen Lebens eine solche Information erwarten.

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