Rot-Grün leitet Wende in der Familienpolitik ein
Kinder, Kinder!

„Was wir brauchen, damit es in Deutschland bei Wachstum und Wohlstand wieder aufwärts geht, ist ganz einfach: Es müssen wieder mehr Kinder geboren werden.“ So ungeschminkt wie Malte Ristau-Winkler, zuständiger Abteilungsleiter im Bundesfamilienministerium, formulieren wenige, worum es der rot-grünen Koalition mit ihrer neuen Familienpolitik geht.

BERLIN. Statt immer mehr Geld in direkte Hilfen zu stecken, setzt Familienministerin Renate Schmidt (SPD) auf bessere Betreuungsangebote für Kinder. „Wenn sich die 29- bis 34-Jährigen im Schnitt mindestens zwei Kinder wünschen, aber jede dritte Frau mit Ende 30 kinderlos bleibt, dann läuft etwas falsch,“ begründet sie den „Kurswechsel“

Damit setzt die langjährige bayerische SPD-Vorsitzende nur um, was Experten seit langem fordern. Deren Analyse ist eindeutig und vernichtend für die Familienpolitik der vergangenen Jahrzehnte: Obwohl kein Land in Europa mit Ausnahme Luxemburgs mehr für Kindergeld ausgibt, gehört Deutschland mit einer Geburtenrate von 1,29 weltweit zu den Schlusslichtern. Mit rund 180 Mrd. Euro vom Kindergeld bis zur kostenfreien Krankenversicherung des Nachwuchses werden ein Drittel der Kindererziehungskosten vom Staat finanziert. Trotzdem sind Familien ein Elternleben lang ärmer als Ehepaare ohne Kinder. Hart trifft es Alleinerziehende. Ihr Einkommen liegt um 50 Prozent unter dem Durchschnitt. Jedes fünfte Kind lebt statistisch gesehen in Armut.

Es ist dieses Einkommensrisiko, das vor allem besser qualifizierte Frauen bewegt, sich für den Beruf statt für ein Kind zu entscheiden. 40 Prozent der Akademikerinnen tun das, auch weil Kinder immer noch als Karrierekiller gelten. Der 19-köpfige wissenschaftliche Beirat des Familienministeriums berichtete jüngst, dass die Zahl der Frauen mit Kinderwunsch weiter sinkt.

In einer Verbesserung des Familieneinkommens und der Berufschancen von Frauen sehen Experten denn auch den Schlüssel für mehr Geburten. Dabei hat der Sachverständigenrat festgestellt, dass dies nachhaltig nur durch eine höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen erreicht werden kann. Sie aber setzt vor allem ein besseres Angebot an Kinderbetreuung voraus.

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