Rudolf Scharping verzichtet nicht ganz freiwillig auf den stellvertretenden Parteivorsitz
Rückzug von verlorenem Posten

Rudolf Scharping kehrt der SPD-Spitze den Rücken. Viele SPD-Mitglieder registrierten die Ankündigung des Ex-Verteidigungsministers mit Erleichterung.

Rudolf Scharping gibt den Genossen wieder einmal Rätsel auf. Für Montag um 16.00 Uhr hatte der Noch-SPD-Vize vor der Landespresse in Mainz selbst eine eilige Pressekonferenz einberufen. Aus „persönlichen Gründen“ sagte er den Termin kurzfristig wieder ab. Stattdessen verkündete Scharping in diversen Interviews, dass er auf dem SPD-Bundesparteitag in vier Wochen in Bochum nicht noch einmal als stellvertretender Parteichef antreten will.

„Ich kann unseren Zielen besser dienen, wenn ich nicht Mitglied dieser Parteiführung bin“, lautete mit leicht drohendem Unterton die Begründung in der „Bild“-Zeitung. Auf der Seite, auf der Oskar Lafontaine regelmäßig am Montag seine Breitseiten gegen Gerhard Schröder abschießt, beklagte nun auch Scharping, dass die Partei „sehr viele treue Mitglieder, manche Wahlen und viel Vertrauen“ verloren habe. Das alles müsse nun zurückgewonnen werden. Dass er eventuell künftig eine Anti-Schröder-Front in der SPD zusammen mit Lafontaine anführen will, ist eher unwahrscheinlich. Die alten Rechnungen mit Lafontaine, der Scharpings politischen Niedergang mit der Abwahl auf dem Mannheimer Parteitag 1995 eingeleitet hatte, sind noch nicht beglichen.

Was sich auf den ersten Blick als großherziger Amtsverzicht eines von der ungewissen Zukunft der SPD getriebenen Politikers darstellt, ist für die übrige Parteispitze ein durchschaubares Manöver. Mit dem Rückzugsgefecht kommt Scharping einem peinlichen Ende seiner Karriere zuvor. Schon in den nächsten Tagen wäre endgültig klar geworden, dass er überhaupt keine Chance mehr gehabt hätte, das letzte ihm verbliebene SPD-Spitzenamt zu verteidigen. Am kommenden Montag gibt der SPD-Vorstand die Personalvorschläge für Neuwahlen auf dem Bochumer SPD-Kongress bekannt. Dafür war Scharpings Name überhaupt nicht mehr vorgesehen. Auf Vorschlag seines rheinland-pfälzischen Landesverbands soll für ihn der Mainzer Regierungschef Kurt Beck als SPD-Vize nachrücken.

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