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08.02.2008 

Drei Bochumer SPD-Gliederungen, die Ortsvereine Voede und Hamme sowie eine Betriebsgruppe, wollen das nicht und machen sich für einen Ausschluss von Clement aus der Sozialdemokratie stark. Am Ende des Parteiordnungsverfahrens wird ein Schiedsgerichtsurteil stehen - das kann Clement rügen oder ihn aus der Partei werfen. "Es ist ja nicht leicht, jemanden aus der Partei zu schmeißen", ätzt Clement im fernen Berlin. Zu den Heimat-Genossen ist das Verhältnis zerrüttet - spätestens seit die Basis den Arbeitsmarkt-Reformer 2003 bei seiner Wiederwahl zum Parteivize ausgerechnet in Bochum mit nur 57 Prozent der Stimmen abstrafte.

In Bochum Voede sitzen derweil die Wortführer der Kampagne im Bürgerbüro der SPD zusammen und bestärken sich gegenseitig in ihrer harten Haltung. Der Raum ist fast kalt, so als wolle man Rache nehmen an den Versorgern, denen sich Clement nach seinem Ausscheiden aus der Politik so verbunden fühlt. "Kost? alles Geld", sagt Kupz, die ständig steigenden Gas- und Strompreise vor Augen. An der Wand: rotes Urgestein in Schwarz-Weiß, Herbert Wehner. Poltergeist, Kraftpaket, Vorbild. Um den Tisch: Plastikstühle. Bunte Sitzkissen verhindern, dass Besucher von unten her auskühlen.

Das gesamte Ambiente verströmt den Charme einer Gartenlaube im Winter. Für jemanden, der Freunden von hinten in die Beine grätscht, haben sie hier nicht viel übrig. "Das ist doch ?ne Schweinerei ohnegleichen", wettert Kupz. "Wer macht denn den Wahlkampf? Die Basis. Wir holen uns den nassen Arsch." Dass er nicht mit der Faust auf den Tisch klopft, mag an der Arthrose im Gelenk des rechten Arms liegen. In der Partei wollen sie Clement hier, unweit der ehemaligen Stahlwerke Bochum, auf jeden Fall nicht mehr haben.

"Lieber Wolfgang Clement ... Mit Deiner Unterstützung für den politischen Gegner in Hessen hast Du unserer SPD großen Schaden zugefügt. Dir fehlt der Zugang zu den Anliegen der kleinen Leute, zu ihren Gedanken und Lebenslagen. Gib Dein Mitgliedsbuch ab. Es wäre für Dich und uns eine Erleichterung", hat Rudolf Malzahn an Clement geschrieben.

Auf eine persönliche Antwort wartet Malzahn, seit 44 Jahren Sozialdemokrat, noch immer. "Er hat an den Unterbezirk geschrieben, dort könnten wir den Brief einsehen", erzählt Malzahn: "Eine Frechheit." Seine gesamte Karriere habe Clement der SPD zu verdanken - und was ist der Lohn? Im Oktober 2004, als die Lichter bei Opel Bochum auszugehen drohten, hatte Clement, damals Wirtschaftsminister, die streikenden Opelaner aufgefordert, "sie sollten doch lieber wieder an die Arbeit gehen, weil ein Streik nichts bringt". Das haben sie an der Ruhr nicht vergessen.

Dass die Bochumer Genossen, die sich in Clements Wade verbissen haben, nicht lockerlassen wollen, mag Außenstehende wundern - zumal Parteichef Kurt Beck die Losung ausgegeben hat, man möge den unappetitlichen Vorgang bitte zu den Akten legen. Doch Demütigungen mögen sie in Bochum nicht länger ertragen. "Bei der Agenda 2010 hat die Basis viel zu lange stillgehalten und ist den Oberen gefolgt", sagt Martin Rockel, Vorstandsmitglied im SPD-Ortsverein Hamme. "Was haben wir davon? Parteiaustritte und Linkspartei." Das, sagt er selbstkritisch, sei alles hausgemacht. Doch die Basis duckt sich nicht länger weg, zeigt neues Selbstbewusstsein. Daran wollen die Bochumer erinnern. Und an Clement ein Exempel statuieren: "Der Hammer hängt bei der Partei."

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