Rücktritt des Online-Beraters: Steinbrück wurde ausdrücklich vor Koidl gewarnt

Rücktritt des Online-Beraters
Steinbrück wurde ausdrücklich vor Koidl gewarnt

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück muss eine Blamage nach der anderen verkraften. Doch das Missgeschick um den Rücktritt seines Online-Beraters hätte er vermeiden können - denn vor Unternehmer Koidl wurde er gewarnt.
  • 28

BerlinDer SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist ausdrücklich vor einer Zusammenarbeit mit dem Unternehmer Roman Maria Koidl gewarnt worden. Die Personalie werde ihm „Pech bringen“, schrieb PR-Berater Moritz Hunzinger in einer Mail an Steinbrück, die dem Handelsblatt vorliegt.

Der Buchautor und Unternehmer Koidl sollte Online-Berater von Steinbrück im Wahlkampf werden, zog aber am Mittwoch sein Angebot zurück, nachdem in der SPD Kritik an seiner Person laut geworden war. Die Partei stieß sich an der Tatsache, dass Koidl auch den Hedge-Fonds beriet.

„Wie können Sie ungeprüft solch einen Mann für sich gewinnen wollen, nachdem Ihnen jüngst schon das ein oder andere Missgeschick passiert ist?“, schrieb PR-Berater Hunzinger weiter in seiner Mail an den SPD-Kanzlerkandidaten. Das sei ein „weiterer leicht vermeidbarer, echter politischer“ Fehler. „So wird man nicht Bundeskanzler“, schrieb Hunzinger. Der PR-Berater ist umstritten. Den Grünen-Politiker Cem Özdemir brachte 2002 ein Darlehen von Hunzinger in Bedrängnis.

Der Sprecher von Peer Steinbrück bestätigte den Eingang der E-Mail. Der SPD-Kanzlerkandidat habe jedoch nicht darauf reagiert.

Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen“, schrieb Koidl gestern zur Begründung des eigenen Rückzugs auf seiner Internetseite. Zuvor war in der SPD Kritik an seiner Person laut geworden. Die Partei stieß sich an der Tatsache, dass Koidl seine Beratungsleistungen auch für den Hedge-Fonds Cerberus erbrachte – im SPD-Jargon eine „Heuschrecke“. Da ein Vertrag noch nicht abgeschlossen sei, ziehe er sein Angebot zurück, das Team Steinbrück zu unterstützen, teilte Koidl weiter mit.

Nach dem Stolperstart wegen seiner ungefähr eine Million an Nebeneinkünften muss der SPD-Kanzlerkandidat damit eine weitere Blamage verkraften. Dabei hätte der 45-jährige Koidl beim Online-Muffel Steinbrück im Wahlkampf ganze Dienste leisten können. Der österreichische Staatsbürger, der in Zürich lebt, gilt als Multitalent. Er ist Buchautor und Unternehmer, startete sein Business mit einer Coffee-Shop-Kette und engagierte sich dann mit seiner Beteiligungsgesellschaft vornehmlich in der Schokoladenbranche.

In Berlin Charlottenburg betreibt er eine Kunsthalle und ist darüber hinaus ausgebildeter Tiroler Skilehrer und Inhaber eines Hochseesegelpatents. Nach seinem Bestseller „Scheißkerle“ erschien im April sein Buch „Blender: Warum immer die Falschen Karriere machen“, mit einer Typologie vom „Konjunktiv-Mann“ über die „Pussy“ bis hin zum „Schlipswichser“. Er sei der Überzeugung, dass Steinbrück ein exzellenter Kanzler werde, verkündete Koidl gestern nach seinem Rückzieher. Mit seinem Blitzabschied nach nur zwei Tagen dürfte er ihm jedoch eher dabei geschadet haben.

Dann gibt es eine weitere Nachricht, mit der Steinbrück zu kämpfen haben könnte, auch dieses Mal geht es nicht um seine Politik: Der SPD-Spitzenkandidat hätte seine privaten Fahrten mit der Abgeordneten-Bahncard möglicherweise versteuern müssen. Diese Auffassung vertritt jedenfalls der Speyerer Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim. "Fährt der Abgeordnete mit seiner Netzkarte zum Beispiel zu einem bezahlten Vortrag, so ist es verfassungsrechtlich geboten, dass er den privaten Steueranteil versteuert", schreibt der Jurist in der "Neuen Zeitschrift für Verwaltungsrecht - Extra" (24/2012). Und er fügt hinzu: "Unterbleibt eine Besteuerung, so werden dem Fiskus Steuereinnahmen, die ihm rechtlich zustehen, vorenthalten."

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Steinbrück seine Abgeordneten-Fahrkarte auch dann nutzte, wenn er zu privaten Podiumsauftritten und Vorträgen reiste. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung dürfen die Abgeordneten die Netzkarte der Deutschen Bahn für die 1. Klasse ohne Einschränkungen gratis nutzen. Mit dem Thema befasst sich am (heutigen) Donnerstag auch die Rechtsstellungskommission des Bundestages.

Mit Material von dapd

 

Kommentare zu " Rücktritt des Online-Beraters: Steinbrück wurde ausdrücklich vor Koidl gewarnt"

Alle Kommentare
  • Hat denn auch jemand die SPD vor Steinbrück gewarnt? Weshalb nicht?

    Das Personalproblem ist immer wieder das gleiche. Die Blender haben einfach mehr Energie, mehr Durchsetzungskraft als die ehrlichen Mäuschen in der Ecke. Diese Dampfrösser laufen einfach bis sie alles platt gemacht haben und alles gegen der Mauer endet.

    Viele Fehlgriffe darf sich die SPD nicht mehr leisten. Sie läuft Gefahr, dass die echten SPD-Wähler zur LINKEN überlaufen.

    Lafontaine braucht garnichts zu tun. Sobald die Äpfel reif sind, fallen alle in seinen Korb.

  • Hiermit warne ich ausdrücklich vor Steinbrück

  • Ach, ist das schön. Da demontiert sich der Kanzlerkandidat der Sozen selbst .... und seine Partei beteiligt sich daran. Das ist die Performance der SPD!
    Wenn man jetzt noch die Grüninnen dazu denkt .......

Serviceangebote