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Rücktritt des Online-Beraters: Steinbrück wurde ausdrücklich vor Koidl gewarnt

exklusivSPD-Kanzlerkandidat Steinbrück muss eine Blamage nach der anderen verkraften. Doch das Missgeschick um den Rücktritt seines Online-Beraters hätte er vermeiden können - denn vor Unternehmer Koidl wurde er gewarnt.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Quelle: AFP
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Quelle: AFP

BerlinDer SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist ausdrücklich vor einer Zusammenarbeit mit dem Unternehmer Roman Maria Koidl gewarnt worden. Die Personalie werde ihm „Pech bringen“, schrieb PR-Berater Moritz Hunzinger in einer Mail an Steinbrück, die dem Handelsblatt vorliegt.

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Der Buchautor und Unternehmer Koidl sollte Online-Berater von Steinbrück im Wahlkampf werden, zog aber am Mittwoch sein Angebot zurück, nachdem in der SPD Kritik an seiner Person laut geworden war. Die Partei stieß sich an der Tatsache, dass Koidl auch den Hedge-Fonds beriet.

Die Atrium-Talks der Stadtwerke Bochum

  • 29. Februar 2008

    Premiere des Atriumtalks – eine lockere Gesprächsrunde, die weder Interview noch Talk-Show sein soll. Der Chef der Stadtwerke will damit ein Leuchtturm-Projekt für Bochum schaffen. Und zur Premiere kann er Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker präsentieren. Musikalisch begleitet der für die Tatort-Titelmelodie und den „Das Boot“-Soundtrack bekannte Jazz-Musiker Klaus Doldinger den Abend.

    Weizsäckers Büro teilte Handelsblatt Online mit: „Herr von Weizsäcker hat für die Veranstaltung am 29. Februar 2008 ein vorab vereinbartes Honorar erhalten. Eine Verabredung über die Verwendung erfolgte nicht. Der Betrag wurde, wie üblich, wohltätigen Zwecken zugeleitet, zu allermeist der Marianne von Weizsäcker Stiftung Integrationshilfe für ehemals Suchtkranke e.V. in Hamm.“

  • 14. November 2008 - kurzfristig abgesagt

    Eigentlich hatte Schauspieler Mario Adorf ins Ruhrgebiet reisen sollen. Doch ein Tauchunfall wenige Tage zuvor macht sein Kommen unmöglich.

  • 6. März 2009

    Wie beim ersten Atriumtalk moderiert auch diesmal der bekannte Arzt Dietrich Grönemeyer die Veranstaltung. Als Gast ist Ex-Außenminister Joschka Fischer gekommen.

  • 13. November 2009

    Peter Maffay wird im Herbst 2009 nicht nur befragt von Grönemeyer. Der Sänger greift auch zur Gitarre und trägt aus seinem Repertoire vor.

  • 6. März 2010

    Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, ist zu Gast beim Atriumtalk – und es gibt eine Premiere. Zum ersten Mal moderiert der Schauspieler Peter Lohmeyer (u.a. „Das Wunder von Bern“) die Veranstaltung.

  • 11. Dezember 2010

    Eigentlich war für die zweite Veranstaltung mit Moderator Lohmeyer ein besonderer Gast eingeplant – Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dessen mögliche Einladung hatten die Stadtwerke schon der Lokalpresse gesteckt, doch daraus wurde nichts. In dem Bericht heißt es: „Normalerweise muss ein Gastgeber fünfstellige Eurobeträge blättern, um Promis dieser Klasse zu buchen. Aber die Stadtwerke regeln das anders, wie [Stadtwerksprecher Thomas] Schönberg sagt. Die Protagonisten bekämen persönlich keinen Cent: ,Sie verzichten auf ihr Honorar zugunsten einer Stiftung, die ihnen nahesteht.' So habe Uli Hoeneß das Geld für eine Kinderkrebsklinik gespendet und Peter Maffay sein Honorar einer Israel-Stiftung zukommen lassen.“

    Statt Schröder kommt schließlich der damalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck. Musikalischer Gast war die Sängerin Katja Ebstein.

  • 5. Mai 2011

    Diesmal kommt zum Gespräch mit Moderator Peter Lohmeyer eine Schauspiel-Kollegin, die vor allem durch Fernsehfilme bekannte Senta Berger.

  • 26. November 2011

    Eine Ikone des Ruhrgebiets, Sportmoderator Werner Hansch, moderiert die 7. Veranstaltung, die fast ein Jahr später bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Der Ex-Finanzminister und derzeitige designierte Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, ist zu Gast. Sein Honorar beträgt 25.000 Euro – eine Absprache über eine mögliche Spende des Betrages gibt es nicht, bestätigen die Stadtwerke auf Drängen Steinbrücks im November 2012.

  • 26. Oktober 2012

    Bei der jüngsten Ausgabe des Atrium-Talks ist wieder Peter Lohmeyer als Moderator geladen. Gast ist Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Musikgast ist die Sopranistin und Musical-Sängerin Anna Maria Kaufmann.

„Wie können Sie ungeprüft solch einen Mann für sich gewinnen wollen, nachdem Ihnen jüngst schon das ein oder andere Missgeschick passiert ist?“, schrieb PR-Berater Hunzinger weiter in seiner Mail an den SPD-Kanzlerkandidaten. Das sei ein „weiterer leicht vermeidbarer, echter politischer“ Fehler. „So wird man nicht Bundeskanzler“, schrieb Hunzinger. Der PR-Berater ist umstritten. Den Grünen-Politiker Cem Özdemir brachte 2002 ein Darlehen von Hunzinger in Bedrängnis.

Der Sprecher von Peer Steinbrück bestätigte den Eingang der E-Mail. Der SPD-Kanzlerkandidat habe jedoch nicht darauf reagiert.

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Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen“, schrieb Koidl gestern zur Begründung des eigenen Rückzugs auf seiner Internetseite. Zuvor war in der SPD Kritik an seiner Person laut geworden. Die Partei stieß sich an der Tatsache, dass Koidl seine Beratungsleistungen auch für den Hedge-Fonds Cerberus erbrachte – im SPD-Jargon eine „Heuschrecke“. Da ein Vertrag noch nicht abgeschlossen sei, ziehe er sein Angebot zurück, das Team Steinbrück zu unterstützen, teilte Koidl weiter mit.

Rede-Honorare Die teuersten Vorträge von Peer Steinbrück

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Nach dem Stolperstart wegen seiner ungefähr eine Million an Nebeneinkünften muss der SPD-Kanzlerkandidat damit eine weitere Blamage verkraften. Dabei hätte der 45-jährige Koidl beim Online-Muffel Steinbrück im Wahlkampf ganze Dienste leisten können. Der österreichische Staatsbürger, der in Zürich lebt, gilt als Multitalent. Er ist Buchautor und Unternehmer, startete sein Business mit einer Coffee-Shop-Kette und engagierte sich dann mit seiner Beteiligungsgesellschaft vornehmlich in der Schokoladenbranche.

In Berlin Charlottenburg betreibt er eine Kunsthalle und ist darüber hinaus ausgebildeter Tiroler Skilehrer und Inhaber eines Hochseesegelpatents. Nach seinem Bestseller „Scheißkerle“ erschien im April sein Buch „Blender: Warum immer die Falschen Karriere machen“, mit einer Typologie vom „Konjunktiv-Mann“ über die „Pussy“ bis hin zum „Schlipswichser“. Er sei der Überzeugung, dass Steinbrück ein exzellenter Kanzler werde, verkündete Koidl gestern nach seinem Rückzieher. Mit seinem Blitzabschied nach nur zwei Tagen dürfte er ihm jedoch eher dabei geschadet haben.

Steinbrücks Steuerpläne

  • Steinbrücks riskante Strategie

    Der Ansatz ist gewagt: Üblicherweise versuchen die Parteien, mit mehr oder weniger teuren Versprechen im Wahlkampf zu punkten. Doch die SPD-Strategie zielt darauf, den Wählern unmissverständlich klarzumachen, dass ein Bundeskanzler Peer Steinbrück den Bürgern ans Portemonnaie will - "I love cash", tönte Steinbrück als Finanzminister, und daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben.

  • Einkommenssteuer

    Der Bundestag hat ein Gesetz zum Abbau der kalten Progression beschlossen. Damit sollen die Steuerzahler 2013 um zwei und ab 2014 um weitere vier Milliarden Euro entlastet werden. Unter kalter Progression versteht man den Effekt, dass die Steuerbelastung eines Bürgers selbst dann überproportional steigt, wenn seine Einkommenszuwächse die Inflation ausgleichen. Besonders stark davon betroffen sind Bezieher mittlerer Einkommen, also auch die typische SPD-Klientel. Gleichwohl blockiert die SPD das Gesetz im Bundesrat. Überdies will sie Gutverdiener mit Einkommen über 100 000 Euro mit einem Spitzensteuersatz von 49 statt bisher 42 Prozent belasten.

  • Abgeltungssteuer

    Auch Sparer haben unter einer SPD-Regierung keinen Grund zur Freude. Die von Rot-Grün eingeführte Abgeltungsteuer auf Kapitaleinkünfte will die SPD von 25 auf 30 Prozent anheben. Die ersten 800 Euro bleiben unverändert steuerfrei. Wer also etwa 200 000 Euro angelegt hat und dafür drei Prozent Zinsen bekommt, müsste unter einem Kanzler Steinbrück statt bisher 700 künftig 1 000 Euro Abgeltungsteuer zahlen.

  • Gebäudesanierung
  • Vermögensteuer
  • Rentenbeitrag

    Alle Arbeitnehmer und Unternehmen trifft die Boykott-Haltung der SPD in puncto Rentenbeitrag. Denn laut Gesetz sinkt der Beitrag, wenn die Rentenreserve 1,5 Monatsraten übersteigt. Somit wäre 2013 eine Entlastung von 8,5 Milliarden fällig. Doch die SPD verweigert sich.

Dann gibt es eine weitere Nachricht, mit der Steinbrück zu kämpfen haben könnte, auch dieses Mal geht es nicht um seine Politik: Der SPD-Spitzenkandidat hätte seine privaten Fahrten mit der Abgeordneten-Bahncard möglicherweise versteuern müssen. Diese Auffassung vertritt jedenfalls der Speyerer Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim. "Fährt der Abgeordnete mit seiner Netzkarte zum Beispiel zu einem bezahlten Vortrag, so ist es verfassungsrechtlich geboten, dass er den privaten Steueranteil versteuert", schreibt der Jurist in der "Neuen Zeitschrift für Verwaltungsrecht - Extra" (24/2012). Und er fügt hinzu: "Unterbleibt eine Besteuerung, so werden dem Fiskus Steuereinnahmen, die ihm rechtlich zustehen, vorenthalten."

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Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Steinbrück seine Abgeordneten-Fahrkarte auch dann nutzte, wenn er zu privaten Podiumsauftritten und Vorträgen reiste. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung dürfen die Abgeordneten die Netzkarte der Deutschen Bahn für die 1. Klasse ohne Einschränkungen gratis nutzen. Mit dem Thema befasst sich am (heutigen) Donnerstag auch die Rechtsstellungskommission des Bundestages.

Mit Material von dapd

 

  • 24.11.2012, 18:45 UhrMazi

    Hat denn auch jemand die SPD vor Steinbrück gewarnt? Weshalb nicht?

    Das Personalproblem ist immer wieder das gleiche. Die Blender haben einfach mehr Energie, mehr Durchsetzungskraft als die ehrlichen Mäuschen in der Ecke. Diese Dampfrösser laufen einfach bis sie alles platt gemacht haben und alles gegen der Mauer endet.

    Viele Fehlgriffe darf sich die SPD nicht mehr leisten. Sie läuft Gefahr, dass die echten SPD-Wähler zur LINKEN überlaufen.

    Lafontaine braucht garnichts zu tun. Sobald die Äpfel reif sind, fallen alle in seinen Korb.

  • 23.11.2012, 14:10 Uhrfregger

    Hiermit warne ich ausdrücklich vor Steinbrück

  • 23.11.2012, 07:44 UhrSarina

    Ach, ist das schön. Da demontiert sich der Kanzlerkandidat der Sozen selbst .... und seine Partei beteiligt sich daran. Das ist die Performance der SPD!
    Wenn man jetzt noch die Grüninnen dazu denkt .......

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