Rücktritt
Jung stürzt über Afghanistan-Pannen

Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) tritt wegen der Affäre um den Luftangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan zurück. In einer persönlichen Erklärung sagte Jung, dass er die volle politische Verantwortung für die Informationspannen übernehme. Die Entscheidung über eine Nachfolge will Kanzlerin Merkel schnell fallen. Es gibt einige Kandidaten.
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HB BERLIN. Genau 30 Tage nach seiner Vereidigung hat Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung seinen Rücktritt angekündigt. Er stelle sein Amt zur Verfügung und übernehme damit die volle Verantwortung für die interne Informationspolitik des Verteidigungsministeriums nach dem Luftangriff auf zwei entführte Tanklastzüge in Afghanistan am 4. September, sagte Jung am Freitag in Berlin in einer nicht einmal zwei Minuten langen Erklärung.

Er stehe allerdings weiter zu seiner Erklärung vor dem Bundestag vom Vortag, dass er alle Informationen gemäß seines Kenntnisstandes weitergegeben habe, sagte der CDU-Politiker. Jungs Rücktritt war nach Äußerungen seines Nachfolgers Karl-Theodor zu Guttenberg wieder nachdrücklich gefordert worden. Guttenberg hatte erklärt, ihm seien insgesamt neun Einschätzungen zu dem Zwischenfall vorenthalten worden, bei dem bis zu 142 Menschen getötet wurden, darunter vermutlich viele Zivilisten.

Jung dürfte damit Rekordhalter sein, was die Zeit von Amtsantritt bis Rücktritt anbetrifft. Bisher war dies Lothar de Maizière (CDU) im Sessel des Ministers für besondere Aufgaben, den er ganze 77 Tage vom 3. Oktober bis zum 19. Dezember 1990 innehatte.

Die Entscheidung über eine Nachfolge für den zurückgetretenen Bundesarbeitsminister soll nach Angaben aus Koalitionskreisen schnell fallen. Merkel führe bereits Gespräche. Möglicherweise entscheide sich die Personalie noch im Laufe des Freitags, hieße es aus den Kreisen. Im Gespräch als neuer Arbeitsminister sind nach Angaben aus der Union mehrere Politiker der hessischen CDU, aus der auch Jung kommt. Ein Wechsel von Hessens Ministerpräsident Roland Koch in das Arbeitsministerium galt in der Union als unwahrscheinlich.

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  • gerade die Ernennung eines schwachen und durch die hochgespielte Afghanistan-Affäre geschwächten Jung zum Arbeitsminister lässt vermuten, dass der Schwerpunkt der jetzigen Regierung auf dem Establishment liegt.

  • Da ist ja mächtig bewegung auf der Regierungsbank! Rochade wie im Lehrbuch! Kaum im Amt, da rutscht Jung runter vom Sessel, Leyen rauf aufs ersehnte Arbeits"amt" und eine Newcomerin kann sich im Familienministerium neu bequem machen. Das Ganze in 30 Tagen. Die Rochade ist vermutlich zum richtigen Zeitpunkt, so musste man sich noch nicht die Namen im Amt merken.

  • Gefragt ist, dass die Regierung politische Fuehrung wahrnimmt und die Oeffentlichkeit gerade in einer so schlimmen und schwierigen Situation angemessen informiert -also zu dem Ereignis politisch und nicht nur verteidigungs-"technisch"???- Stellung bezieht. Es geht weder darum, dass die Politiker nach Afghanistan gehen, noch darum, sich als Teil der Oeffentlichkeit, ein Urteil anzumassen, was da abgelaufen ist. Und natuerlich geht es um unsere Werte!

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