Rücktritt vom Parteivorsitz
Platzeck stürzt SPD in neue Krise

Eigentlich sollte er die SPD aus der Krise herausführen. Doch nach nur nur fünf Monaten muss Matthias Platzeck aufgeben - aus gesundheitlichen Gründen. Ein Nachfolger ist mit Kurt Beck bereits gefunden. Trotzdem könnten die Sozialdemokraten in eine neue Schockstarre verfallen.

HB BERLIN. SPD-Chef Matthias Platzeck erklärte nach 146 Amtstagen seinen Rücktritt. Auf dringenden ärztlichen Rat lege er sein Amt nieder, sagte Platzeck am Montag nach einer Präsidiumssitzung seiner Partei in Berlin.

Er habe sich im November mit der Übernahme des SPD-Vorsitzes gesundheitlich übernommen. Bereits zum Jahresende habe er einen ersten Hörsturz gehabt, am 11. Februar dann einen Kreislauf- und Nervenzusammenbruch und am 29. März den zweiten Hörsturz. Mit der Aufgabe des Amtes habe er die bislang schwierigste Entscheidung seines Lebens treffen müssen, sagte Platzeck. Nun wolle er sich „mit ganzer Kraft dem Land Brandenburg“ widmen.

Nach seinem zweiten Hörsturz hatte Platzeck zunächst alle Termine abgesagt. Am vergangenen Mittwoch wurde er aus dem Hospital entlassen. Ein Hörsturz gilt in der Medizin als typische Stressfolge und tritt häufiger bei Politikern und Managern auf.

Die SPD-Spitze bestimmte Parteivize Kurt Beck zum neuen Vorsitzenden. Platzeck sagte , der rheinland-pfälzische Ministerpräsident habe sich auf seine Bitte hin dazu bereit erklärt. „Das Präsidium hat dazu eben einen einstimmigen Beschluss gefasst.“

Beck ist damit zunächst provisorischer Parteivorsitzender, bis ein Sonderparteitag über die Nachfolge Platzecks entscheidet. Beck war seit November erster Vizevorsitzender und Ende hatte März bei seiner Landtagswahl die absolute Mehrheit der Mandate erreicht. Beck sagte, er stehe zur Kontinuität in der Arbeit in der großen Koalition. Er werde sobald wie möglich das direkte Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber suchen. Als stellvertretender SPD-Parteivorsitzender soll laut Beck der SPD-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, vorgeschlagen werden.

In der Partei wurde die Entscheidung Platzecks bedauert, die Genossen äußerten aber auch Verständnis für diesen Schritt. "Es ist zu begrüßen, wenn er auf seinen Körper hört", sagte Hamburgs SPD-Landeschef Mathias Petersen. "Wir wollen alle noch lange etwas von ihm haben."

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