0 Bewertungen
02.01.2008 

Derzeit leben rund 682 000 Männer und Frauen von dieser Leistung auf Sozialhilfeniveau. Eigenes Einkommen und auch etwaige Bezüge aus einem Riester-Vertrag werden bei der Grundsicherung voll angerechnet. Diese Konstruktion schrecke viele Geringverdiener ab, rechtzeitig zu sparen, moniert Rürup: „Wenn jemand damit rechnet, im Alter auf die Grundsicherung angewiesen zu sein, ist es individuell durchaus rational, nicht privat vorzusorgen.“ Dadurch aber steige die Gefahr der Altersarmut vor allem nach längeren Zeiten der Arbeitslosigkeit. Seit 2007 erhalten Hartz-IV-Empfänger für ein Jahr Bezug von Arbeitslosengeld II nämlich nur noch einen monatlichen Rentenanspruch von 2,19 Euro. „Das ist sehr gering“, hatte kürzlich Herbert Rische, der Präsident der Deutschen Rentenversicherung moniert und die Koalition zum Handeln aufgefordert.

Mit der Sockelrente ließen sich gleich „drei Probleme gleichzeitig lösen“, glaubt Rürup. So werde die Akzeptanz des gesetzlichen Rentensystems erhöht, weil langjährige Beitragszahlungen auf jeden Fall eine höhere Leistung als die Sozialhilfe begründen würden. Geringere eigene Ansprüche würden vom Staat entsprechend aufgestockt, sofern der Versicherte 35 Beitragsjahre nachweisen kann. Dadurch werde möglicher Altersarmut begegnet. Vor allem aber gewinne die private Vorsorge auch für Geringverdiener an Attraktivität, argumentiert Rürup: „Im Unterschied zur Grundsicherung würde bei der Sockelrente auf die Bedürftigkeitsprüfung verzichtet.“ Eine Riester-Rente bliebe also unangetastet.

Die Aufstockung müsse „ordnungspolitisch korrekt aus Steuermitteln finanziert werden“, fordert der Chef des Sachverständigenrats. Die Kosten ließen sich noch nicht genau beziffern, aber: „Billiger für den öffentlichen Haushalt dürfte dieses Konzept wahrscheinlich nicht werden“, räumt Rürup ein. Dies könne jedoch kein Argument sein, dem Exodus der Geringverdiener aus der gesetzlichen Rentenversicherung und den drohenden Versorgungsproblemen der Zukunft tatenlos zuzusehen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar