Rürup-Kommission legt Konzept vor
Länger arbeiten für eine stabile Rente

Glaubt man Bert Rürup und Axel Börsch-Supan, so ist ihnen die Quadratur des Kreises gelungen: Obwohl die Renten langsamer steigen, könne das Gesamtversorgungsniveau „langfristig im wesentlichen gehalten werden“, erläuterten die Wissenschaftler bei der Vorlage der Vorschläge der von ihnen geleiteten Regierungskommission.

sm BERLIN. Nach ihrer Rechnung sinkt das Brutto-Rentenniveau von heute 47,8 % schon durch die vom früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) durchgesetzte Reform des Jahres 2001 bis 2030 um etwa sechs Prozentpunkte. Durch den von der Kommission vorgeschlagenen zusätzlichen Rürup-Faktor werde das Brutto-Rentenniveau um weitere 2,2 Prozentpunkte gesenkt. Ein Durchschnittsverdiener mit 45 Versicherungsjahren würde dann nur noch 39,8 % seines vorherigen Bruttolohns als Rente erhalten.

Aber soweit soll es nicht kommen: Da die Arbeitnehmer länger arbeiten sollen, verlängert sich zumindest rechnerisch dadurch auch die Beitragszeit. Durch zwei zusätzliche Beitragsjahre werde das Rentenniveau um 1,5 Prozentpunkte angehoben, rechnet die Kommission vor. Hinzu addiert sie, dass die heute aktive Generation die Möglichkeit habe, eine staatlich geförderte zusätzliche Altersversorgung aufzubauen. Unter Berücksichtigung dieser Riester-Renten könne das Brutto-Gesamtversorgungsniveau langfristig im Wesentlichen gehalten werden. Damit erfülle die Kommission das vorgegebene Ziel, durch ein geeignetes rentenpolitisches Maßnahmenbündel das Gesamtversorgungsniveau nachhaltig zu sichern, loben sich die Autoren.

Um den Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung, der heute bei 19,5 % liegt, bis 2020 auf etwa 20 % vom Lohn und bis 2030 bei 22 % zu begrenzen, setzen die Experten drei Instrumente zur Dämpfung der Rentenausgaben ein: Die Rentenanpassung des kommenden Jahres soll um sechs Monate auf den 1. Januar 2005 verschoben werden. Gleichzeitig soll der Rentenanstieg verlangsamt werden. Bisher steigen die Renten entsprechend der Brutto-Lohnentwicklung im Vorjahr. Bis 2010 wird davon ein „Riester-Abschlag“ von 0,5 Prozentpunkten abgezogen, der als Ausgleich für die zusätzliche private Vorsorge der Arbeitnehmer gilt.

Neu hinzu kommen soll nun ein „Rürup-Faktor“, der die Veränderung der Zahl der Beitragszahler im Verhältnis zur Zahl der Leistungsempfänger berücksichtigt. Im Klartext: Steigt die Zahl der Rentner bei einer sinkenden Zahl von Beitragszahlern, wird die jährliche Rentenanpassung weiter gedämpft. Dies trage der Tatsache Rechnung, dass die Belastung der Rentenfinanzen von der steigenden Lebenserwartung und dem Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen beeinflusst werde, heißt es in dem Kommissions-Papier zur Begründung.

Dennoch werden die Rentenzahlbeträge nach den Berechnungen der Kommission auch in Zukunft steigen. Während die Brutto-Rente eines Durchschnittsverdieners mit 45 Versicherungsjahren heute in Westdeutschland bei 1 171 Euro monatlich liege, steige sie bis 2020 auf 1 400 Euro und 2030 auf 1 575 Euro, so die Prognose der Kommission. Davon werden noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen. Soweit die Rentner über zusätzliche Einkünfte verfügen, werden sie künftig auch Steuern bezahlen müssen.

Immerhin erreicht Rürup mit dieser Operation, dass der Beitragssatzanstieg gedrosselt wird. Ohne Einschnitte würden die Beiträge nach ihren Berechnungen bis 2030 auf 24,1 % zulegen, mit der Reform könnte der Anstieg bis 2030 auf 22 % begrenzt werden.

Aus Sicht der Union ist Rürup dennoch „zu kurz gesprungen“. CDU-Sozialexperte Andreas Storm sagte dem Handelsblatt, auch ein Beitragssatz von 22 % sei zu hoch. Daher sei Rürups Konzept „noch nicht die Blaupause für die nächste Rentenreform“, so Storm.

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