0 Bewertungen
20.06.2007 
„Koalition verschenkt wertvolle Jahre“

Rürup mit Pflegereform nicht zufrieden

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup hat die Koalitionsbeschlüsse zu Pflege und Mindestlohn scharf kritisiert. Unterdessen warnte Vizekanzler Franz Müntefering die Koalition, wichtige Themen nicht kaputt zu reden.

HB BERLIN. „Durch die jetzigen Beschlüsse wird die Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung nicht nachhaltiger“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der „Welt“ vom Mittwoch. Die Umverteilung zwischen den Generationen werde zu Lasten der Jungen noch zunehmen. Die Koalition habe wertvolle Jahre verschenkt. „Die Finanzierungsfrage wird der Politik Ende der nächsten Wahlperiode wieder auf die Füße fallen“, sagte Rürup voraus.

Die Spitzen der großen Koalition hatten sich in der Nacht zum Dienstag bei der Pflegereform lediglich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können. Zur Finanzierung unter anderem von besseren Leistungen für Demenzkranke sollen die Beiträge um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden. Allerdings konnte die SPD einen Finanzausgleich zwischen der privaten und der gesetzlichen Pflegekasse nicht durchsetzen; die Union scheiterte mit dem von ihr geforderten kapitalgedeckten Aufbau eines Kapitalstocks.

Zum Mindestlohn sagte der Regierungsberater, ein niedriger gesetzlicher Mindestlohn von etwa fünf Euro wäre im Vergleich zu branchenspezifischen Lösungen „das kleinere ökonomische Übel gewesen“. Mit der vereinbarten Ausweitung des Entsendegesetzes komme man zudem der erklärten Absicht, „dass jeder von seiner Hände Arbeit leben kann, nicht näher“. Denn mit dem Entsendegesetz erreiche man nur einen „überschaubaren Teil“ der Arbeitnehmer.

Grundsätzliche brauche man in Deutschland keinen Mindestlohn, da es eine Mindesteinkommenssicherung über das Arbeitslosengeld II gebe, sagte Rürup. Ob es zu Jobverlusten komme, hänge von der Höhe der Mindestlöhne in den Branchen ab. „Klar ist aber, dass mit Mindestlöhnen die Beschäftigungschancen der Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen definitiv nicht verbessert werden.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Wichtige Themen nicht kaputt reden“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

weiterBildergalerien

zurück
  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

  • Bundestagswahl: Parteien in der Nac...

    Bundestagswahl: Parteien in der Nachwuchsfalle

    Der Bundestag kommt heute zum letzten Mal vor der Sommerpause zusammen. Wenn sich die neu gewählten Parlamentarier im Oktober erstmals versammeln, werden einige altbekannte Gesichter fehlen. Insgesamt 109 Abgeordnete hören auf – darunter viele Experten auf wi...Bildergalerie 

vor

 

 

Vorhersage Deutschland

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Steinbrücks schlechte Bad-Bank-Tricks  Artikel in Merkliste

03.07.2009 von Peter Köhler

Mit den Bad Banks sollten vor allem die öffentlich-rechtlichen Institute ihre Bilanzen entgiften und danach ihre „sauberen“ Kernbanken zu schlagkräftigeren Einheiten formieren. Doch das Bad-Bank-Modell des Bundes für die Landesbanken ist schon vor dem Start zum Scheitern verurteilt. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Schweizer Eigentore  Artikel in Merkliste

03.07.2009 von Torsten Riecke

Die Schweiz hat ein echtes PR-Problem. Das Bild des Schweizer Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, der sich dem deutschen Finanzminister Peer Steinbrück beugt, ist in Erinnerung geblieben. Es war nicht der letzte Fauxpas des Schweizers. Kommentar

Handelsblatt Marktplatz

Über 220 000 Seminare zu 120 Themen. Aktuell: Abendseminare mit Spitzen-Trainern. Weiter