Rürup und Raffelhüschen nennen Unionsplan diskriminierend
Rentenexperten warnen vor Kinderbonus

Der von der Union geplante Kinderbonus in der Altersvorsorge ist nach Auffassung führender Rentenexperten verfehlt. Das Konzept sei ungerecht, da es Beamte oder Selbstständige klar benachteilige.

BERLIN. "Durch das Konzept werden die Erziehungsleistungen von Beamten, Selbstständigen und Sozialhilfeempfängern diskriminiert, die keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen", monierte der Wirtschaftsweise Bert Rürup im Gespräch mit dem Handelsblatt. Nach Meinung des Mannheimer Demographie-Forschers Axel Börsch-Supan verstößt der Bonus gegen das Äquivalenzprinzip, das die gleiche Rente bei gleichem Beitrag garantiert: "Damit begeben wir uns auf eine schiefe Ebene." Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen warnt: "Wir haben genug Umverteilung im Sozialsystem. Das sollten wir nicht noch ausbauen."

Die Kritik der Professoren zielt auf ein zentrales sozialpolitisches Vorhaben von CDU/CSU. Das Wahlprogramm der Union verspricht Eltern von Kindern, die nach dem 1. Januar 2007 geboren werden, bis zu deren 12. Lebensjahr eine monatliche Ermäßigung von 50 Euro beim Rentenbeitrag. Der aus Steuermitteln finanzierte Bonus soll die Erfüllung des Generationenvertrages honorieren. "Das ist für das Gemeinwesen ein gewaltiger und richtiger Schritt", lobt Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof, der dem Kompetenzteam der Union angehört.

Dieser Auffassung wird in weiten Teilen der Wissenschaft widersprochen. "Familienpolitisch ist diese Idee alles andere als überzeugend", kontert Rürup, der den Sachverständigenrat leitet. Börsch-Supan nennt den Bonus "nicht sachdienlich". Die Rentenversicherung sei "die falsche Krücke" zur Familienförderung, wendet Raffelhüschen ein. Politische Einseitigkeit kann man den Kritikern nicht vorwerfen: Rürup beriet schon CDU-Rentenminister Norbert Blüm. Börsch-Supan ist Direktor des Mannheimer Instituts Ökonomie und Demographischer Wandel, das vom Land Baden-Württemberg mitfinanziert wird. Raffelhüschen steht der liberalen Stiftung Marktwirtschaft vor.

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