Rürup will Rentenfaktor verschärfen, um die Sozialkassen zu sanieren
Wirtschaftsweiser sagt weitere Nullrunden für Ruheständler voraus

Die Rente muss nach Auffassung von Regierungsberater Bert Rürup deutlich stärker beschnitten werden, als es die rot-grünen Reformen bislang vorsehen. So sollten rechnerisch erforderliche Kürzungen der Altersbezüge, die durch eine Gesetzesklausel verhindert werden, künftig in den Folgejahren nachgeholt werden, fordert der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Ansonsten könne der Nachhaltigkeitsfaktor nicht voll wirken: „Wenn das öfter passiert, kann das ein Problem werden.“

BERLIN. Seit diesem Jahr wird die Rentenanpassung zum 1. Juli theoretisch durch zwei Abzüge gedämpft: Die Altersbezüge sollen sich nach dem Willen des Gesetzgebers so entwickeln wie die um die Aufwendungen zur privaten Vorsorge und die Arbeitsmarktentwicklung bereinigten Löhne des Vorjahres. Praktisch heißt dies, dass vom Zuwachs der Bruttoentgelte 0,6 Prozentpunkte für den Riester-Faktor und 0,7 Punkte für den Nachhaltigkeitsfaktor abgezogen werden. Weil die Löhne zuletzt aber nur um etwa 0,6 Prozent zulegten, würde sich rechnerisch eine Kürzung ergeben, die gesetzlich ausgeschlossen wurde. Folglich bleibt es dieses Jahr für die Ruheständler bei einer Nullrunde.

„Es würde mich sehr überraschen, wenn es 2006 eine Erhöhung gäbe“, sagte Rürup auf der Handelsblatt-Tagung „Betriebliche Altersversorgung“ voraus. Im Gegenteil könne es passieren, dass der Nachhaltigkeitsfaktor erneut nicht voll greife, weil die Altersgelder nicht gekürzt werden könnten. Damit drohe eine „Bugwelle“, so Rürup: „In der nächsten Legislaturperiode brauchen wir einen Mechanismus, der die nicht realisierten Dämpfungen nachholt.“ Ähnlich hatte zuletzt schon die Bundesbank argumentiert.

Auch ansonsten sagte Rürup der Politik harte Auseinandersetzungen voraus: An einer Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre führe kein Weg vorbei: „Man muss in diesen sauren Apfel beißen.“ Die von der Koalition propagierte Anhebung des effektiven Rentenalters helfe dem System nicht, so Rürup. Im Gegenzug würden nämlich Abschläge wegfallen und zusätzliche Ansprüche für die länger gearbeitete Zeit entstehen.

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