Rüstung
Streit zwischen zu Guttenberg und Rüstungsindustrie eskaliert

Bislang galten gepanzerte "Dingos" als sicher, doch die falsche Analyse eines tödlichen Gefechts belastet das ohnehin angeschlagene Verhältnis zwischen Verteidigungsminister zu Guttenberg und der Rüstungsindustrie. Kritiker werfen zu Guttenberg vor, das unpopuläre Thema Rüstung zu meiden. Rüstungsfirmen fürchten den Kompetenzverlust.
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BERLIN. Der Generalinspekteur sprach den Uniformierten aus der Seele: "Das Thema Ausrüstung bewegt die Soldaten. Von der Qualität von Fahrzeugen, Schutzausrüstung und Waffen kann das Leben der Kameradinnen und Kameraden abhängen." Ausdrücklich hob Volker Wieker den "weltweit zum anerkannten Standard" gehörenden "Dingo", ein als besonders sicher geltendes gepanzertes Auto, hervor. 219 "Dingos" sind in Afghanistan im Einsatz.

Um so mehr schockierte Einsatzleiter und Soldaten eine Analyse des jüngsten Überfalls in Afghanistan, bei dem ein deutscher Soldat starb. Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Generalleutnant Rainer Glatz, der Leiter des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, gesagt, bei zwei Dingos seien Türen und Scheiben von den Stahlkugeln des Selbstmordattentäters "durchschlagen" worden. Nicht nur bei Kommandeuren in Afghanistan läuteten die Alarmglocken: Müssen wir die Patrouillen einstellen? Wie reagieren die Taliban auf diese Schwachstelle?

Falsch informiert

Auch beim Hersteller Krauss Wegmann-Maffei (KMW) konnte man die Verlautbarung kaum fassen. In vielen Einsätzen hatten sich die Fahrzeuge als sicher erwiesen. Die Aussagen kamen zudem zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Der Konzern stand kurz vor dem Abschluss eines Vertrages über die Lieferung von Dingos ins Ausland; der Großkunde zeigte sich irritiert und verzögerte die Vertragsunterzeichnung tagelang. KMW fragte daher im Ministerium nach, wie die Aussage des Generals entstanden war. Das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen zu Guttenberg und der Rüstungsindustrie war noch mehr beschädigt.

Vier Tage später, an diesem Montag, verschickte das Ministerium dann per E-Mail die Korrektur: "Die Panzerung des geschützten Fahrzeugs vom Typ Dingo wurde durch den Sprengsatz nicht durchschlagen." In der deutschen Rüstungsbranche ist damit der Eindruck entstanden, "das Problem Jung" kehrt zurück: Wie der Ex-Verteidigungsminister nach dem Anschlag von Kundus, habe nun der CSU-Mann ohne gesicherte Informationen den Gang an die Öffentlichkeit angetreten - und sie falsch informiert. Auch Interessenvertreter der Soldaten im Bundeswehrverband sprachen "vom Jung-Syndrom", das die Soldaten im Einsatz erschrecke. "Seit Monaten erzählt der Generalinspekteur, dass die Soldaten im Einsatz bestens ausgerüstet sind. Nun das", sagte ein hoher Verbandsvertreter im Gespräch mit dem Handelsblatt. Nachdem zu Guttenberg sich ein Bild von den "grotesken" Rüstungsbeschaffungen der letzten Jahre verschafft hatte, legte er sich mit den Rüstungsherstellern an. Früher wichtige Staatssekretäre und Rüstungsbeamte wurden entmachtet, Termine mit der Industrie lässt der Minister platzen, hochrangige europäische Konzernbosse klopfen lange Zeit vergebens an die Pforten des Bendler-Blocks. Offenbar will zu Guttenberg einer als notorisch unzuverlässig und dreist geltenden Branche Benehmen beibringen.

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  • Wer braucht eine deutsche Rüstungsindustrie außer der deutschen Rüstungsindustrie? Sind Steuereinnahmen wichtiger als friedliche Wirtschaftsprodukte? Und was kommt da überhaupt netto noch an Steuern raus? Ach und was macht die "bundes-Wehr","bundes" von bundesrepublik und "Wehr" von Wehren, Abwehren (=passives Verhalten), überhaupt im Ausland? Wir haben eine bundes-Armee, aber keine bundeswehr. Üben für den Notfall? Das kann doch nur ein Witz sein, eher Produkt-Präsentation von Kriegsmitteln, damit die Rüstungsindustrie ihre Umsätze und Gewinne erhöhen kann. Tote deutsche Soldaten? Tja, man muss auch opfer bringen können... Das deutsche Volk läßt sich auch hier veräppeln.

  • Tja, die Sprache der Militärs benutzt die Namen von Hunderassen, Mietzekatzen oder männlichen bienen und nimmt sie für Verteidigungs-+ Angriffs-Waffen aller Art her. "Friedenswaffen" scheinen zur Zeit noch nicht in aller Munde und Mode, leider..Dass wir als Normalbürger und Steuerzahler "eigentlich" da nicht mitreden sollten und eher "stören", wenn Kriegsprofis und Verteidigungsexperten diskutieren, ist klar..., oder?!

    Schon 1990 hat sich, wie man nachlesen kann, Deutschlands Armeebeschaffung auf den "Friedenseinsatz" in Teilen des ehem. Jugoslawien eingestellt. Dass viele dabei starben oder zu Psycho unmd Physo-invaliden wurden,stört wahrscheinlich nur noch wenige...

    Nun also sind "Dingos" in Afghanistan. ich habe mal gelernt, die Wiedereinführung der bundeswehr als reine Verteidigungsarmee unseres deutschen Territoriums sei an die bedingung geknüpft, dass wir nicht, nie mehr! ins Ausland gehen und Krieg führen, wo auch immer. Das meint sogar Dr. Peter Gauweiler von der csu! Da zu Guttenberg, heute eher schon CDU, das "Friedens"-Engagement in Afghanistan als "Krieg" bezeichnete und schleunigst dafür sorgen will, unsere Soldaten und ihr Material incl. "Dingos" wieder heile heim zu bringen, wo dann gar "Dingos" nutzlos rumstehen könnten, ehrt ihn in meinen Augen sehr. bei den Dingo- und Leo-Produzenten incl. ihren Aktieninhabern macht er sich da bestimmt keine Freude, und ich mir mit meinem Kommentar hier wohl auch nicht, oder? Der australische Wildhund Dingo ist mir persönlich allemal lieber als ein ursprünglicher "Unimog", aus dem heraus sich jener bundeswehr-Hund mal entwickelt haben soll...ich hoffe nur, dass nicht "Leos" am Hindukush Jagd auf Zivilpersonen machen oder gar im "friendly fire" (welche eine Zynik!) ihre eigenen Artgenossen ins Jenseits oder den Rollstuhl bomben. Und das, meine Herren Militärs, wird man doch wohl noch sagen dürfen.?!

    Schließlich hat noch jeder Krieg mit Frieden geendet - warum also überhaupt damit anfangen..? Denkt mal drüber nach.

  • Alles nur dummes Gerede. Ein Dingo ist kein Leo. Das muß jeder vernünftige Mensch einsehen. Und wenn ein Soldat ums Leben kam, dann war es wohl auch kein Herzversagen aus Schreck.

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