Rüttgers streute kräftig Salz in die Wunden
"Düsseldorfer Tsunami" spült Rot-Grün davon

Die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" fand für das Ergebnis der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ein deutliches Bild. Von einem "Düsseldorfer Tsunami" seien Rot-Grün weggerissen worden. Doch von den europaweit aufmerksam registrierten Folgen des Wählervotums an Rhein und Ruhr war am Montag im Regierungsviertel der Landeshauptstadt wenig zu spüren.

dpa DÜSSELDORF. Helden und Verlierer des Wahlabends waren zunächst nach Berlin geflogen, um sich auf großer Bühne feiern zu lassen oder nach den richtigen Reaktionen auf das Wahldebakel zu suchen. Im Landtag hatten deshalb Handwerker und Techniker, die Bühnen und Studios des Wahlspektakels vom Vorabend abbauten, klar die Oberhand.

CDU-Wahlsieger Jürgen Rüttgers streute in der Hauptstadt kräftig Salz in die Wunden der SPD. "Der Vorsitzende der Arbeiterpartei in Nordrhein-Westfalen bin ich", sagte er mit Blick auf die starken CDU - Gewinne bei Arbeitern und Arbeitslosen. Die SPD dürfte angesichts der überdurchschnittlichen Verluste bei ihren Stammwählern nur wenig trösten, dass sie laut Forschungsgruppe Wahlen bei den gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern mit 61 Prozent die Nummer eins geblieben war.

Weitere Triumphposen mied Rüttgers. Er wollte nicht den Eindruck erwecken, dass "man alles könne, bloß weil man ein bestimmtes öffentliches Amt hat". Zugleich dämpfte er Erwartungen seiner Wähler. Es gebe kein Geld, mit denen man große Programme auflegen könne. "Es wird nur gehen über mehr arbeiten, über Ärmel aufkrempeln."

Nach fast 40 Jahren auf den Regierungsbänken muss die SPD Opposition ganz neu lernen. Dazu braucht sie zunächst vor allem einen neuen Anführer. Der abgewählte Ministerpräsident Peer Steinbrück will nicht Fraktionsvorsitzender werden. "Für mich schließe ich das aus", hatte er gleich zu Beginn des Wahlkampf versichert. Dass sich Steinbrück davon noch abbringen lässt, gilt als unwahrscheinlich. "Peer Steinbrück wird Landtagsabgeordneter", hieß es dazu am Montag in der Fraktion. Der neue SPD-Fraktionschef soll am Dienstag kommender Woche gewählt werden.

SPD-Landeschef Harald Schartau wäre in der Hierarchie der nächste Kandidat. Das Ansehen des Wirtschafts- und Arbeitsministers in der NRW-SPD hat in den vergangenen Monaten aber stark gelitten. Viele in der Partei machen ihn für den erfolglosen Wahlkampf verantwortlich. Schartau will als Landesvorsitzender im Amt bleiben und hat die alleinige Verantwortung für das Debakel abgelehnt. Es sei eine "kollektive Niederlage".

Die Grünen sehen offensichtlich bei der SPD die Hauptverantwortung für den Absturz der Koalition. "Wir haben in NRW einen rot-grünen Wahlkampf geführt, und der ist offensichtlich nicht ganz so erfolgreich gewesen", sagte Umweltministerin Bärbel Höhn. Noch vor sechs Wochen war der Lagerwahlkampf die große Hoffnung Höhns. Fehler der Grünen mochten die Landesvorsitzenden Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt nicht erkennen, persönliche Konsequenzen lehnten sie ab. Wie die SPD müssen die Grünen klären, wer sie in der Opposition anführt. Ob Höhn dies machen will, ist noch nicht klar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%