Ruf nach Euro-Austritt

„Deutsche werden Zeche für Griechenland zahlen“

Dass die Große Koalition neue Griechen-Hilfen durchwinkt, ist für den CDU-Politiker Willsch und die AfD nicht nachvollziehbar. Das Land sollte besser den Euro verlassen. Dafür plädiert auch der DZ-Bank-Chefökonom.
Update: 19.12.2014 - 14:47 Uhr 34 Kommentare
Griechenland-Flagge: Mögliche politische Turbulenzen könnten das Land wieder Richtung Pleite treiben. Quelle: dpa

Griechenland-Flagge: Mögliche politische Turbulenzen könnten das Land wieder Richtung Pleite treiben.

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BerlinDer hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch hat mit scharfer Kritik auf die jüngsten Griechenland-Beschlüsse der Großen Koalition reagiert. Kritisch sieht Willsch vor allem, dass die Abgeordneten am Donnerstag eine anschließende vorsorgliche Kreditlinie billigten, die dem schuldengeplagten Land bei der geplanten Rückkehr an den Kapitalmarkt Rückendeckung geben soll.

Willsch weist in seinem Newsletter „Hauptstadtbrief“ auf die geltende „Leitlinie für eine vorsorgliche Finanzhilfe“ hin, wonach die Unterstützung durch den Euro-Stabilisierungsfonds ESM nur für Euro-Länder in Frage komme, „deren wirtschaftliche und finanzielle Situation insgesamt nach wie vor solide ist“. Die wirtschaftliche und finanzielle Situation Griechenlands sie aber „nach wie vor alles andere als solide“, betont der CDU-Politiker. Der Schuldenstand betrage 175,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Arbeitslosenrate liege bei 26,8 Prozent, und seit 2008 sei das BIP des Landes um fast ein Viertel geschrumpft.

Der Bundestag hatte am Donnerstag mit den Stimmen von Union und SPD Pläne der internationalen Geldgeber gebilligt, das laufende Griechenland-Hilfsprogramm um zwei Monate bis Ende Februar 2015 zu verlängern. Damit hätte Athen mehr Zeit, alle Auflagen zu erfüllen zur Auszahlung der letzten Kreditrate von 1,8 Milliarden Euro.

Grünes Licht gab es auch dafür, dass Deutschland über eine vorsorgliche Kreditlinie des Euro-Rettungsfonds ESM für Athen verhandeln kann. Dabei geht es um bis zu 10,9 Milliarden Euro für bis zu zwölf Monate - allerdings nicht um weitere Hilfskredite. Vielmehr soll mit den noch zur Verfügung stehenden Mitteln ein „Sicherheitsnetz“ gespannt werden, damit sich Griechenland allmählich wieder am Markt Geld leihen kann.

Die Hilfen sind an Bedingungen geknüpft - etwa eine Einigung Griechenlands mit der Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds über noch ausstehende Auflagen. Mit dem Bundestagsvotum hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beim ESM zunächst ein Verhandlungsmandat. Vor einem endgültigen Beschluss muss der Bundestag erneut abstimmen.

Griechenland sei in einer besseren Verfassung, als die meisten in den vergangenen Jahren für möglich gehalten hätten, sagte Schäuble im Parlament. „Die Anstrengungen (...) beginnen sich für die Menschen in Griechenland auszuzahlen.“ Athen müsse aber wie verabredet weitere Reformen umsetzen. Auch die Geldgeber-Troika hatten dies verlangt.

„Griechenland muss aus dem Euro-Währungsgebiet austreten“
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34 Kommentare zu "Ruf nach Euro-Austritt: „Deutsche werden Zeche für Griechenland zahlen“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nicht nur die Griechen tragen ihr gerüttelt Maß an Schuld, denn sie traten der Währungsunion nur mit einem sehr großen Betrugsmanöver bei.
    Daher sind sie eigentlich nur de facto, nicht aber de jure Mitglied der Gemeinschaftswährung.

    Auch die Konstrukteure der von vorneherein unzulässigen und impraktikablen Union machten sich schuldig des Betruges und der Schädigung der Menschen, die allesamt nur verlieren konnten.

    Daher lügen Politiker aller Schattierungen weiterhin, um ihre schweren Fehler nicht zugeben zu müssen.
    Immerhin könnte man dann den Menschen noch helfen.

    So jedoch treibt die Währungsunion der Zerstörung aller Länder und auch der EU entgegen - unaufhaltsam und unvermeidlich.

  • "Deutsche werden Zeche für Griechenland zahlen"
    Erzählen Sie uns doch bitte mal was Neues!
    Fazit: Man kann sich also nur aussuchen, ob man das gute Geld, das man dem schlechten Geld hinterherschmeißt, verbrennt oder im Klo runterspült! ):

  • Bemerkenswert ist hier vorallem, dass sich neben ein paar wenigen Politikern (die routinemässig als Populisten verunglimpft werden) nun auch das erste Mal ein Banker im Sinne eines Griechenland-Austritts äussert.
    Das erinnert mich an die Diskussion mit der Schweiz - die Personenfreizügigkeit ist nicht verhandelbar... Oder doch ?

  • Griechenland ist auf einen guten Weg
    ----------
    Seit Jahren trägt Schäuble diesen Spruch wie ein Mantra vor sich her.
    Griechenland hatte bisher zwei "Rettungspakete" in Höhe von 240 Milliarden Euro und einen Schuldenschnitt von 100 Milliarden Euro erhalten. Alles ist wirkungslos verpufft.
    Im Gegenteil, der Schuldenstand ist gestiegen auf 175,5% des BIP.

    Und jetzt soll Griechenland noch eine "vorsorgliche Kreditlinie" in Höhe von 10,9 Milliarden Euro bekommen.
    Egal wie man das Geldgeschenk nennt, es ist für immer verloren.

  • So ist es, das Geld kommt nicht zurueck. Der Griechenland Austritt wird nur der Anfang vom Ende des Euros sein. Und je laenger das Ende hinausgezoegert wird, desto teurer wird es fuer uns alle, auch fuer die Spanier, Franzosen, Italiener, Hollaender, Finnen, und, und, und.

    Ob es ueberhaupt Gewinner dabei gibt, weiss ich nicht. Aber ich haette da ein paar Vermutungen.

  • Da geht es nur noch um Schadens Milderung. Geht Griechland aus dem Euro, wäre die Freude große, das Staunen danach um so grösser. Wenn dann GR. den Drachmen einführt und abgewertet wird, merkt man danach das 240 Milliarden Euro nicht 240 Milliarden GR. Drachmen sind. Bei einer optimistischen 30% Abwertung wären das 312 Milliarden Gr. Drachmen. Konsequenz, der Gr. Staat wäre Pleite, und die Deutschen und die anderen Eu Länder könnten sich das Geld ans Bein streichen. Also, der Ruf nach dem Euro austritt der Griechen, ist nicht die Lösung des Problems, wenn man das eingesetzte Geld wieder zurück will.

  • in wessen auftrag handelt merkel und co.? der dollar ist eigentlich nur grün bunt bedrucktes papier ohne gegenwert. die fed wirft ihre federal notes in unbegrenzter menge auf en markt und weitet so die geldmenge verantwortungslos aus. solange die amerikaner dafür sorgen können, die rohstoffe weltweit in us dollar zu fakturieren kann dieses spiel noch gut gehen. aus diesem grunde wurde auch der euro geschaffen um die schwächelnden kanditaten unter ein dach zu bekommen, für die die starken partner haften. durch die weltweite vernetzung der finanz- und versicherungsbranche, die ja zum überwiegenden teil inhaber von diesen ramsch papieren sind müssen nun die starken partner einstehen. wenn nicht haben nicht nur die schwachen staaten ein problem, sondern auch deren gläuiger und damit viele versicherungs- und bankkunden. der eiertanz auf des messers schneide wird solange weitergehen bis die summen so groß geworden sind, dass die paar solventen staaten sie nicht mehr schultern können. die privaten vorsorgewerke, die ihre kundengelder über die versicherungen diesbezüglich investiert hatten wären dann pleite. übrig bleiben dann die politiker und beamte mit ihren staatspensionen. ob sie dann damit weiterhin glücklich sein werden darf bezweifelt werden. fazit: die umverteilungspolitik stimmt schon lange nicht mehr. weder die christliche, noch die soziale politik konnte bis heute diesen missstand beheben. dies wird uns eines tages schwer auf die füße fallen. auf dauer wird man das permanent größer werdende prekariat nicht mehr durch staatliche gängelung unter kontrolle halten können. kluge ansätze (bedingungsloses grundeinkommen) nachzuvollziehen, dazu sind unsere politdarsteller leider überfordert. lieber blasen sie permanent neue schuldentürme und haftungsszenarien auf, die niemand mehr überblickt. schlicht verantwortungslos.

  • In der causa Grienchenland sollte man dieses Land in der EU belassen, aber dieses Land von den Zwängen des EUR befreien. Sie sollten mit einer eigenen Währung wieder den Wert ihrer Wirtschaftskraft kennen und damit umgehen lernen. Bislang haben sie den EURO nur falsch verstanden und billoig auf Kosten anderer billiges Geld aufgenommen.

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