Ruf nach Kurskorrektur
Merkels Energiewende wird zur Kostenfalle

Merkel steckt in einem Dilemma. Die Kosten für ihre Energiewende könnten aus dem Ruder laufen - zu Lasten der Bürger und der Wirtschaft. Der Ruf nach einer Kurskorrektur für das gigantische Projekt wird immer lauter.
  • 92

BerlinNach kritischen Äußerungen zur Energiewende von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist eine heftige Debatte über Versäumnisse bei der Planung des Riesenprojekts entbrannt. Dabei geht es aber nicht nur darum, wer die Verantwortung für die zögerliche Umsetzung trägt, es geht insbesondere um die Konsequenzen aus dem Dilemma. Die Wirtschaft in Deutschland forderte die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, bei der jetzt anstehenden Neuausrichtung ihrer Pläne für die Energiewende insbesondere die Kosten in den Blick zu nehmen.

In den letzten Jahren hätten drohende Kostensteigerungen zumindest teilweise durch eine Steigerung der Energie- und Materialeffizienz aufgefangen werden können. Doch die Möglichkeiten seien geringer geworden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen-Industrie und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, Handelsblatt Online. „Die Politik muss daher mit hoher Priorität die Kosten der Energiewende senken.“

Die Planungen von Bund und Länder für Netzausbau und Ausbau der erneuerbaren Energien müssten besser koordiniert werden, sagte Wansleben weiter. Der Einspeisevorrang der Erneuerbaren müsse begrenzt werden, damit nur für Strom bezahlt wird, der auch eingespeist werde. „Und wir müssen die Energiewende mit unseren Nachbarn in Europa abstimmen“, fügte Wansleben hinzu. „In einem großen Strombinnenmarkt liegen große Vorteile, die sich auch in niedrigeren Strompreisen niederschlagen können.“

Vor einem Scheitern der Energiewende und den damit verbundenen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland warnte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. „Dass es bei einem solchen Mammutprojekt immer wieder Hindernisse gibt, ist völlig normal“, sagte Landsberg Handelsblatt Online. Daher sei das von der Politik angekündigte „Nachsteuern“ auch sinnvoll. „Anderseits dürfen wir das Projekt nicht gleich wieder grundsätzlich in Frage stellen und müssen beim Bürger noch mehr dafür werben, dass er bereit ist, die Lasten zu tragen.“ Denn von Anfang an sei klar gewesen, dass es die Energiewende „nicht zum Nulltarif“ geben werde.

Landsberg führte Berechnungen der staatlichen KfW-Bankengruppe an, wonach durch die Energiewende jährlich Kosten von etwa 25 Milliarden Euro entstünden. „Dabei muss man auch bedenken, dass Energiekosten ein wesentlicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sind“, sagte der Städtebund-Geschäftsführer. So konzentriere sich die öffentliche Diskussion „viel zu sehr“ auf den klassischen Vier-Personen-Haushalt. Beim Energieverbrauch betrage der Anteil der Haushalte jedoch nur 28,6 Prozent, während die Industrie mit 26 Prozent, das Gewerbe mit 16,2 Prozent und der Verkehr mit 29,2 Prozent zu Buche schlügen. Die Energiewende bewirke aber nicht nur Risiken. Sie sei auch „eine große Chance für Innovationen und Arbeitsplätze“, fügte Landsberg hinzu. „Notwendig ist allerdings, die angestrebten Ziele mit Augenmaß, Blick auf die Preisstabilität und Transparenz für die Bürger voranzutreiben.“ 

Kommentare zu " Ruf nach Kurskorrektur: Merkels Energiewende wird zur Kostenfalle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • So etwas würde sich doch wunderbar für eine Volksabstimnmung eignen:

    Alle, die meinen daß der Kernfusionsreaktor Sonne und die durch Kernzerfall erzeugte Erdwärme gut sind, technische Anwendungen der Kernspaltung aber böse, und die dazu bereit sind das doppelte für ihren Strom zu bezahlen, stimmen mit JA.

    Alle, die meinen daß ein Vergraben der radioaktiven Atomabfälle böse ist, während die Strahlung natürlich unausgegrabenen Urans gut ist, stimmen mit JA.

    Und alle, die diesen mittelalterlichen Schwachsinn ablehnen sagen NEIN.

  • @Energieelite

    Wenn Sie nicht in der Lage sind, eine schlichte Angabe in einer frei zugänglichen Quelle, auf die sich sofort tausende Lobbyisten stürzen, wenn etwas Falsches dort steht, anzuerkennen, dann ist das ihr ganz persönliches Problem.
    Die Leser hier wissen ihre Kommentare nun besser einzuordnen .. und ich auch.

  • Man sollte seine eigene Behauptung schon beweisen können , sie können das nur mit einem Wikipediabeitrag der von ihnen oder wem auch immer bearbeitet werden kann .
    Das sieht nach Verzweifelung aus , mindestens aber nach Mangel an Argumenten !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%