Ruf nach Kurskorrektur Merkels Energiewende wird zur Kostenfalle

Merkel steckt in einem Dilemma. Die Kosten für ihre Energiewende könnten aus dem Ruder laufen - zu Lasten der Bürger und der Wirtschaft. Der Ruf nach einer Kurskorrektur für das gigantische Projekt wird immer lauter.
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Angela Merkel. Quelle: Reuters

Angela Merkel.

(Foto: Reuters)

BerlinNach kritischen Äußerungen zur Energiewende von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist eine heftige Debatte über Versäumnisse bei der Planung des Riesenprojekts entbrannt. Dabei geht es aber nicht nur darum, wer die Verantwortung für die zögerliche Umsetzung trägt, es geht insbesondere um die Konsequenzen aus dem Dilemma. Die Wirtschaft in Deutschland forderte die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, bei der jetzt anstehenden Neuausrichtung ihrer Pläne für die Energiewende insbesondere die Kosten in den Blick zu nehmen.

In den letzten Jahren hätten drohende Kostensteigerungen zumindest teilweise durch eine Steigerung der Energie- und Materialeffizienz aufgefangen werden können. Doch die Möglichkeiten seien geringer geworden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen-Industrie und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, Handelsblatt Online. „Die Politik muss daher mit hoher Priorität die Kosten der Energiewende senken.“

Die Planungen von Bund und Länder für Netzausbau und Ausbau der erneuerbaren Energien müssten besser koordiniert werden, sagte Wansleben weiter. Der Einspeisevorrang der Erneuerbaren müsse begrenzt werden, damit nur für Strom bezahlt wird, der auch eingespeist werde. „Und wir müssen die Energiewende mit unseren Nachbarn in Europa abstimmen“, fügte Wansleben hinzu. „In einem großen Strombinnenmarkt liegen große Vorteile, die sich auch in niedrigeren Strompreisen niederschlagen können.“

Vor einem Scheitern der Energiewende und den damit verbundenen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland warnte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. „Dass es bei einem solchen Mammutprojekt immer wieder Hindernisse gibt, ist völlig normal“, sagte Landsberg Handelsblatt Online. Daher sei das von der Politik angekündigte „Nachsteuern“ auch sinnvoll. „Anderseits dürfen wir das Projekt nicht gleich wieder grundsätzlich in Frage stellen und müssen beim Bürger noch mehr dafür werben, dass er bereit ist, die Lasten zu tragen.“ Denn von Anfang an sei klar gewesen, dass es die Energiewende „nicht zum Nulltarif“ geben werde.

Landsberg führte Berechnungen der staatlichen KfW-Bankengruppe an, wonach durch die Energiewende jährlich Kosten von etwa 25 Milliarden Euro entstünden. „Dabei muss man auch bedenken, dass Energiekosten ein wesentlicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sind“, sagte der Städtebund-Geschäftsführer. So konzentriere sich die öffentliche Diskussion „viel zu sehr“ auf den klassischen Vier-Personen-Haushalt. Beim Energieverbrauch betrage der Anteil der Haushalte jedoch nur 28,6 Prozent, während die Industrie mit 26 Prozent, das Gewerbe mit 16,2 Prozent und der Verkehr mit 29,2 Prozent zu Buche schlügen. Die Energiewende bewirke aber nicht nur Risiken. Sie sei auch „eine große Chance für Innovationen und Arbeitsplätze“, fügte Landsberg hinzu. „Notwendig ist allerdings, die angestrebten Ziele mit Augenmaß, Blick auf die Preisstabilität und Transparenz für die Bürger voranzutreiben.“ 

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92 Kommentare zu "Ruf nach Kurskorrektur: Merkels Energiewende wird zur Kostenfalle"

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  • So etwas würde sich doch wunderbar für eine Volksabstimnmung eignen:

    Alle, die meinen daß der Kernfusionsreaktor Sonne und die durch Kernzerfall erzeugte Erdwärme gut sind, technische Anwendungen der Kernspaltung aber böse, und die dazu bereit sind das doppelte für ihren Strom zu bezahlen, stimmen mit JA.

    Alle, die meinen daß ein Vergraben der radioaktiven Atomabfälle böse ist, während die Strahlung natürlich unausgegrabenen Urans gut ist, stimmen mit JA.

    Und alle, die diesen mittelalterlichen Schwachsinn ablehnen sagen NEIN.

  • @Energieelite

    Wenn Sie nicht in der Lage sind, eine schlichte Angabe in einer frei zugänglichen Quelle, auf die sich sofort tausende Lobbyisten stürzen, wenn etwas Falsches dort steht, anzuerkennen, dann ist das ihr ganz persönliches Problem.
    Die Leser hier wissen ihre Kommentare nun besser einzuordnen .. und ich auch.

  • Man sollte seine eigene Behauptung schon beweisen können , sie können das nur mit einem Wikipediabeitrag der von ihnen oder wem auch immer bearbeitet werden kann .
    Das sieht nach Verzweifelung aus , mindestens aber nach Mangel an Argumenten !

  • @LBraren
    Wenn Sie EIKE oder Bürger für Technik (H. Lindner) für Ideologiefrei halten, sind Sie unkritisch und zu bedauern.
    Noch ein Hinweis: 15 Jahre sind für eine Klimabetrachtung ein viel zu kurzer Zeitraum. Betrachten Sie besser 80 oder 100 Jahre. Zudem kann lange über die messpunkte auf der Erde diskutiert werden. Fakt ist aber: bei gleichbleibender Sonneneinstrahlung führt ein Anstieg von klimarelevanten Gasen zu einem Temperaturanstieg! Damit geht einher eine Erhöhung der Wasserdampfkonzentration in der Atmoshpäre und eine Methanfreisetzung aus Permafrostböden-ergibt weiteren Temperaturanstieg. Es kann natürlich auch sein, dass die Menschen in 200 Jahren nach Jahren mit reduzierter Sonneneinstrahlung uns verfluchen, weil wir nicht noch mehr Klimagase ausgestossen haben. Denn dann fällt die Temperatur und es gibt kein Öl und Gas zum heizen mehr. Greifen die dann auf Sonnenenergie und Wind mit den dann vorhandenen Speichermöglichkeiten zurück?

  • Zitat: "Es scheint,sie sind nicht soooo gut vorbereitet , sie haben mehr Visionen als fakten !
    Schade !"

    Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mich jetzt angesprochen haben, aber ich gehe mal davon aus.

    Da Sie mir keine objektive Quelle nennen können, die zeigt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien an der weltweit jährlich neu installierten Kraftwerksleistung unter 50 % liegt, sondern ausweichend das Thema wechseln, gehe ich davon aus, dass Sie die von mir genannten objektiven Quellen akzeptieren.

  • "wenn CO2 keine Klimarelevanz hätte, dann müssten Sie die"

    CO2 hat schon Aufgrund der geringen Mengen keine Relevanz
    und der sogenannte Menschen gemachte Anteil ist noch viel
    kleiner.

    "Wir haben keine Berechtigung so zu tun, als ob die Menschen
    in 100 oder 200 Jahren selbst zusehen müssen, wo sie
    energetisch bleiben. Etwas weniger Egoismus, idealerweise
    natürlich weltweit..."

    Im Grunde besteht alles nur aus Energie, auch Materie ist
    nicht anders als Energie.

    Dein Denkfehler ist, es gäbe nur diese wenigen dir bekannten
    Möglichkeiten der Energieumwandlung (nichts anderes ist der
    Energieverbrauch) zu Nutzung eines gewünschten Effektes
    (z.B. eine warme Wohnung). Dem ist bei weitem nicht so. Vor
    50 Jahren hätte dich jeder ausgelacht, wenn du gesagt hättest,
    die Sonne kann man zur Stromgewinnung nutzen. Da wir nur
    von Energie umgeben sind, wird es immer einen Weg geben
    sinnvoll genügend nutzbare Energie bereit zustellen.

    Du musst keine Angst um die Leute in 100 Jahren machen, auch
    die werden prima Leben können.

  • Oder sowas wie dieser ;

    Energie- und Rohstoffengpässe befürchtet
    Von Axel Rose
    Unternehmen fürchten um die Energie- und Rohstoffversorgung in Deutschland. Einige Firmen erwägen deshalb die Flucht ins Ausland. Das geht aus dem Unternehmensbarometer *"Energie und Rohstoffe"* hervor, für das der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) über 1.500 Unternehmen befragt hat.

    http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/energie-und-rohstoffengpaesse-befuerchtet/

    Es scheint,sie sind nicht soooo gut vorbereitet , sie haben mehr Visionen als fakten !
    Schade !

  • Ich dachte da eher an Beiträgen wie diese :

    Strompreise in Europa – Nur Dänemark ist teurer
    http://www.kwh-preis.de/strompreise-in-europa-nur-daenemark-ist-teurer

    Die können weder sie noch ich bearbeiten !

  • Betreff Lungenkrebs: Die Rate an Erkrankungen ist trotz Verbot von Asbest annähernd gleich geblieben.

    Das war jetzt aber ein Eigentor. ;-)

    Quelle: Krebsregister Deutschland

  • Keiner hat vor einigen Jahren den dramatischen Preisverfall der Photovoltaik voraussehen können. Ergebnis ist, dass heute eine 7KWp Komplettanlage für ein Einfamilienhaus mit LI-Speicher im Keller für weniger als 20T€ erhältlich ist. Damit kann der Eigenbedarf zu 80% gedeckt werden und man spart 1200€ jährlich an Stromkosten. In 5 Jahren könnte jeder zweite Eigenheimbesitzer (=ca. 6 Millionen) so eine Anlage installiert haben, denn niemand verschenkt gerne Geld. Wenn man dieses System noch um einen gasbetriebenen 10KW-Generator erweitert und alle Geräte zentral steuert, hätte Deutschland eine Ausfallreserve von 60GW ohne den Bau teurer Großkraftwerke, die nur zu 20% ausgelastet sind…

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