Ruf nach Reform Rentenrücklage sinkt auf 28,9 Milliarden Euro

Mit dem Rentenniveau geht es ohne Reformen bergab. Selbstständige sind oft nur wenig abgesichert. Was wird die neue Koalition dagegen tun? Nun steigt auch der Druck von der Rentenversicherung auf die Politik.
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Immer mehr Empfänger belasten die Rentenkassen zusehends. Quelle: dpa
Rente

Immer mehr Empfänger belasten die Rentenkassen zusehends.

(Foto: dpa)

BerlinDie Reserve der Rentenversicherung ist auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr gesunken. Ende September habe sie bei 28,9 Milliarden Euro gelegen, teilten die Vorstandsvorsitzenden der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach und Alexander Gunkel, am Donnerstag in Berlin mit. Im August waren es noch 29,6 Milliarden.

Buntenbach und Gunkel wiesen darauf hin, dass das Rentenpolster immer noch etwas besser gefüllt sei als bislang erwartet. In den ersten neun Monaten des Jahres seien die Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

Buntenbach und Gunkel waren bei einer Bundesvertreterversammlung, dem Parlament der Rentenversicherung, als Vorsitzende bestätigt worden. Die Neubesetzung der Gremien war durch die Sozialwahl nötig geworden.

So unterschiedlich altert Deutschland
Deutschland wird älter
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2015 bekam eine Frau im Schnitt 1,5 Kinder – und lag damit unter dem EU-Durchschnitt. Dementsprechend werden die Deutschen älter. Unterschiede sind vor allem zwischen Ost- und Westdeutschland zu sehen.

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Ostdeutschland
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In einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten liegt das Durchschnittsalter bei 49 Jahren, wie beispielsweise in Suhl, im Altenburger Land und in Dessau. Der Anteil der über 64-Jährigen ist hier groß und liegt bei knapp 60 Prozent.

Universitätsstädte
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Im Gegensatz dazu sind in Heidelberg nur rund 16 Prozent der Menschen älter als 64 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt hier 39,9 Jahre, ähnlich wie in der Universitätsstadt Freiburg: Hier sind die Einwohner durchschnittlich 39,8 Jahre alt.

Landflucht
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Viele strukturschwache Gebiete verlieren junge Menschen und altern deswegen schneller. Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich in den letzten Jahren vertieft. Besonders stark macht sich die Alterung der Bevölkerung in strukturschwachen Gebieten bemerkbar. Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Junges Deutschland
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Neben Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt haben auch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen ein niedriges Durchschnittsalter, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Viele Familien zieht es hier aus den Kernstädten ins engere Umland.

Land heißt nicht unbedingt alt
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Aber nicht alle ländlichen Räume überaltern. Generell ist das Durchschnittsalter in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie im Nordwesten Deutschlands besonders niedrig. So haben einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg (40,1) – eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Ein Grund dafür sind hohe Geburtenraten.

Landeshauptstadt Mainz – ein recht junges Pflaster
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Die jüngsten Landeshauptstädte Deutschlands sind Mainz, Stuttgart und München. Ihre Einwohner sind durchschnittlich unter 42 Jahre alt.

Buntenbach schrieb der angehenden Jamaika-Koalition ins Stammbuch, für langfristige Stabilität der Rentenversicherung seien frühzeitige Festlegungen über die Entwicklung nach 2030 nötig. Derzeit gelten gesetzliche Vorgaben nur bis dahin. Weil die starken Babyboomer-Jahrgänge vor dem Wechsel in die Rente stehen, wird die Rentenkasse immer stärker belastet. Das Rentenniveau wird ohne Gegensteuern sinken.

Gunkel forderte, auch die Sicherstellung einer ausreichenden Absicherung der Selbstständigen sollte in der neuen Legislaturperiode auf der Tagesordnung stehen, soweit sie nicht bereits einer Pflichtversicherung unterliegen. Die Rentenversicherung dürfe auch zukünftig nicht mit neuen Leistungen belastet werden, denen keine Beiträge gegenüberstehen. Er kritisierte, dass die in der letzten Legislaturperiode eingeführte Mütterrente und teilweise auch die Angleichung der Renten in Ost und West aus Beitragsmitteln finanziert werden müssten.

Ältere Rentenreformen wirken sich immer stärker auf die Rentenversicherung aus. So haben bis August 160 000 Versicherte einen Antrag auf abschlagsfreie Rente mit 63 gestellt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 165 000. Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann seit Juli 2014 ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen.

Die IG Metall warnte vor sozialem Abstieg im Alter bis in die arbeitnehmerische Mitte. „Die aktuell guten Zahlen der Rentenversicherung sind nur ein Zwischenhoch und können nicht darüber hinwegtäuschen: Es muss mit einem weiteren Absturz des Rentenniveaus gerechnet werden, während die Regelaltersgrenze steigt“, warnte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Ruf nach Reform: Rentenrücklage sinkt auf 28,9 Milliarden Euro"

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  • Leider ist niemand da der mal eine Lanze für die Selbständigen bricht , die mit 2 oder 3 oder mehr Mitarbeitern die Firma führen. Nehmen wir mal 3 x die Rentenversicherung die über Jahre gezahlt wird und als Unternehmer in dieser Klasse verzichtet man schon mal auf die eigene Renteneinzahlung. Wenn dann
    nach 45 Jahren die Rente klein ist weil man die ersten 10 oder 15 Jahre Arbeitnehmer war und dann in Deutschland etwas gewagt hat , dass in diesen Land
    immer noch zum Kopfschütteln anregt. Die Anerkennung der Leistung Menschen in Arbeit und Brot gebracht zu haben wird nicht gewürdigt . Dazu sollte sich
    der Staat und Gesellschaft schon mal einlassen.

    Nicht alle die 4 Jahre Abgeordneter sind und dann schon Rente bekommen scheinen da mal aufzuhorchen.

  • Arme Rentner!

    Und es wird nicht besser. Das ist schon mal eine Garantie.

    Dafür gibt es zuküntig mehr Zuwanderer und Flüchtlinge, die das deutshcland rippen sollen.

    Soweit zur deutschen poltischen Haltung.


    Die wollen ja auch ihre monatlich 5-stelligen Pensionen in Zukunft.

    Wwer die zahlt, ist denen auch ziemlich egal.

    Erst ich, dann du.

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