Ruheständler zusehends fitter
Schröder will rüstige Rentner mobilisieren

Dass im Ruhestand die Rastlosigkeit ausbricht, ist kein neues Phänomen. Neu ist allerdings, dass Deutschlands Renter immer gesünder werden und ihre Altersfreizeit immer länger genießen können. Familienministerin Kristina Schröder will das nutzen, um Menschen im Ruhestand als Triebkräfte für soziale Projekte zu gewinnen.
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HB BERLIN. Ältere Menschen gehen künftig vergleichsweise gesünder und mit einer längeren Lebenserwartung in den Ruhestand. Dies ist das Ergebnis einer Studie über die Lebenssituation von 40- bis 85-Jährigen, die Bundesfamilienministerium Kristina Schröder am Mittwoch in Berlin vorlegte. Die CDU-Politikerin plädierte dafür, Ältere für mehr soziales Engagement zu gewinnen. Im Durchschnitt stünden Ältere derzeit finanziell gut dar. Aus der Studie geht aber auch hervor, dass sich die soziale Schere zwischen arm und reich immer weiter öffne. Denn etwa ein Drittel sorgt sich, dass der Lebensstandard in der zweiten Lebenshälfte sinkt. Bei einer ähnlichen Umfrage 1996 befürchteten nur 18 Prozent Einschnitte.

Für den „Deutschen Alterssurvey“ wurden 2008 rund 6000 Menschen befragt. „Die Alten der Zukunft sind gesünder als vor ihnen geborene Jahrgänge“, sagte Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen und Autor der Umfrage.

Schröder sprach von einem „historisch neuen Lebensalter“ zwischen 65 und 85 Jahren. Denn der Wechsel von Beruf in den Ruhestand gehe - anders als oft früher - nicht unbedingt mit Krankheit und Gebrechlichkeit einher. Ältere Menschen zeigten eine hohe Bereitschaft, sich ehrenamtlich und sozial zu engagieren, sagte die Ministerin.

„Hier ist ein Potenzial, dass wir aktivieren können und noch besser ausschöpfen müssen.“ Schröder plädierte dafür, dass sich - im Falle einer Aussetzung des Wehrdienstes - auch Ältere in einem bundesweiten freiwilligen Zivildienst engagieren könnten. Zudem könnten Rentner etwa in Schulen bei Nachhilfe und Integration helfen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bezeichnete bürgerschaftliches Engagement zwar als wichtig. DGB-Vorstand Annelie Buntenbach kritisierte aber, „die Annahme der Ministerin, dass der Fachkräftemangel und die Probleme in der Pflege durch unbezahlte Arbeit von Senioren gelöst werden könnten, ist jedoch unverantwortlich.“

Laut Studie nutzen immer mehr Menschen die Altersteilzeit als Brücke in den Ruhestand. 2008 habe sich bereits jeder Zehnte im Alter zwischen 55 und 59 Jahren und jeder Vierte zwischen 60 und 64 darum bemüht, von einer Vollzeitstelle in die Altersteilzeit zu wechseln. Unterm Strich gehen die Deutschen allerdings auch immer später in Rente. Das faktische Renteneintrittsalter sei von 2002 bis 2008 von 62 auf 63 Jahre gestiegen. Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung kletterte der durchschnittliche Wert 2009 auf 63,2 Jahre.

Die Gewerkschaft IG BAU monierte, mit der Studie „schmiere die Bundesregierung weiße Salbe auf den Unglücksfall“ Rente mit 67. „Mit den Zahlen will die Bundesregierung die Erhöhung des Renteneintrittsalters legitimieren“, betonte IG-BAU-Vizechef Dietmar Schäfers. Die Studie gaukele ein vollkommen falsches Bild der Arbeitswelt vor. „Es wird niemals genug altersgerechte Arbeitsplätze geben, um die Rente ab 67 zu realisieren.“

In Deutschland und anderen Ländern streiten Politiker und Bürger über die Rente mit 67. Die Gewerkschaften lehnen dies als verkappte Rentenkürzung ab. Die SPD hat hier eine Kursänderung beschlossen. Der von ihr vor drei Jahren in der großen Koalition festgelegte Einstieg in das höhere Rentenalter ab 2012 soll bis mindestens 2015 verschoben werden. Mindestens die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen soll sozialabgabenpflichtig beschäftigt sein, bevor die Rente mit 67 kommt. Die Bundesregierung lehnt dies ab.

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