Ruhrgebiet
Region mit zwei Gesichtern

Das Ruhrgebiet ist weniger homogen, als es scheint: In Essen ist der Strukturwandel gelungen. Doch auch Jahre nach dem großen Zechensterben gibt es noch immer viele Verlierer: Städte im nördlichen Teil der Region fallen immer weiter zurück. Nach wie vor sind auf öffentliche Gelder angewiesen.
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ESSEN. Wolfgang Clement steht mit einem riesigen Schlüssel in der Hand auf dem Gelände der Zeche Zollverein, Schacht 4/5/11, und sagt: "Das Land braucht das Triple Z." Und dann sagt er etwas von Strukturwandel, von der Notwendigkeit, sich zu verändern, und dass dieses Gebäude mit dem etwas sperrigen Namen dafür ein gutes Beispiel sei. Es ist Juni 1997 und der damalige nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister beobachtet, wie der erste Mieter in das Gründungszentrum mit den drei Z, das ZukunftsZentrumZollverein, im Essener Norden einzieht.

Inzwischen herrscht im "Triple Z" reges Treiben. Wo früher Steinkohle gefördert wurde, basteln nun Jungunternehmer an Lösungen für morgen. Für sich, aber auch für eine ganze Region.

Denn der Strukturwandel, den das Ruhrgebiet vollziehen muss, sucht in Westdeutschland seinesgleichen. Seit Jahrzehnten versucht die Region, ihre Abhängigkeit von der Schwerindustrie zu beenden und ihren Ruf als dreckige Montan-Hochburg loszuwerden. Erste Ansätze gibt es: die ansehnliche Innenstadt in Essen, der futuristische Innenhafen in Duisburg, die szenigen Nachtclubs in Dortmund.

Aber vor allem gibt es Arbeitslosigkeit, bankrotte Kommunen und dahinsiechende Industriebrachen. Es gibt einige wenige Gewinner im Ruhrgebiet - und auch Jahre nach dem großen Zechensterben noch immer viele Verlierer.

Mit mehr als fünf Millionen Einwohnern und einer Fläche von fast 4.500 Quadratkilometern ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum Deutschlands - und der fünftgrößte Europas. Dennoch hinkt es beim Wirtschaftswachstum deutlich hinter anderen Regionen in Deutschland her. Im Jahr 2008 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigem im Regionalverband Ruhr - jenem Verwaltungskonstrukt, dass die politisch diversifizierte Ruhrgebietslandschaft doch irgendwie zu eigenem Leben verhelfen soll - bei 62.603 Euro, im Rest Nordrhein-Westfalens waren es - den RVR ausgenommen - 63.157 Euro.

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Kommentare zu " Ruhrgebiet: Region mit zwei Gesichtern"

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  • Hagen passte einfach so schön wegen dieser herrlichen Alliteration. Hamm, Hagen, Herne... Da ist die Faktenlage ja wohl zweitranging. Für den nächsten Artikel empfehle ich noch die Vororte Huckarde, Husen und Höntrop.

  • Hagen liegt weiter nördlich als Essen? Genau da hab ich aufgehört zu lesen. Essen ist vor allem zentral, traditionell Konzernstadt und vielleicht sowas wie die "Hauptstadt" des Ruhrgebiets (früher sicherlich mehr als heute), während Hagen einfach nur peripher und von politischen Fehlentscheidungen geprägt ist... aber was erwartet man schon anderes von Düsseldorfern, die übers Ruhrgebiet schreiben? :D

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