Rund um den Mauerfall
Thierse warnt, Westerwelle weinte

Wolfgang Thierse wettert gegen Helmut Kohls Ehrentitel „Kanzler der Einheit“: Vielen mutigen namenlosen Menschen sei der Mauerfall zu verdanken, nicht einer genialen Politik. Auch andere Volksvertreter melden sich zum Jahrestag der Maueröffnung zu Worte: Guido Westerwelle bekannte sich öffentlich dazu, beim Mauerfall vor dem Fernseher geweint zu haben.
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HB BERLIN. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnt vor einer Verklärung Helmut Kohls als Kanzler der Einheit. "Der Mauerfall vor 20 Jahren ist nicht das Ergebnis einer genialen Politik und genialer Politiker, sondern des Mutes vieler namenloser Menschen und das müssen wir verteidigen", sagte Thierse dem Radiosender Bayern 2.

Das Mitglied der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer verwahrte sich entschieden dagegen, dass der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) als derjenige hingestellt werde, dem Deutschland die Einheit zu verdanken habe. "Das hat ganz viel mit Propaganda zu tun, auch mit parteipolitischer Propaganda", sagte Thierse. "Nein, die Ostdeutschen haben die Mauer eingedrückt, damit hat Helmut Kohl nichts zu tun." Kohl habe hinterher aber den Prozess der deutschen Einigung mit Intelligenz vorangetrieben.

"Aber wer wie die CDU, die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die Springer-Presse wenige Tage vor dem Mauerfall eine große Veranstaltung mit Dank an Helmut Kohl, an (den früheren US- Präsidenten) George Bush senior und an (den ehemaligen Sowjetunion- Staatschef Michail) Gorbatschow macht, der enteignet uns Ostdeutsche vom wichtigsten, was wir haben, einer demokratischen, einer friedlichen Revolution, die gut ausgegangen ist", sagte Thierse.

Auch andere Politiker äußerten sich zum Mauerfall, teilweise auch mit ganz persönlichen Erinnerungen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle zum Beispiel hat beim Mauerfall vor 20 Jahren vor Glück geweint. "Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber es gibt drei Momente in meinem Leben, wo ich wirklich am Fernsehen Weltgeschichte verfolgt habe und geweint habe", sagte der FDP-Chef in der ARD. "Als die Mauer fiel und eingerissen wurde, war ich wirklich völlig begeistert, gerührt und einfach richtig glücklich in dem Augenblick."

Auch sonst scheint der FPD-Chef bei politischen Ereignissen besonders gerührt zu sein: Ebenso habe er geweint bei der Ansprache des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft sowie angesichts der Bilder während des Putsches gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow.

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