•  
  • Digitalpass
  • Finanzen
  • Unternehmen

    STELLENMARKT

    Mit dem Jobturbo durch-
    suchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen in 36 deutschen Stellenbörsen.
  • Politik

  • Technik
  • Auto
  • Sport
  • Panorama
  • Social Media
    Einstellungen
    Dauerhaft aktivieren und Datenübermittlung zustimmen oder deaktivieren:
    Folgen Sie Handelsblatt:
  • Video
  • Service

Maybrit Illner geht den eigenen Chef an

Rundfunkgebühren
Maybrit Illner geht den eigenen Chef an

Ausgerechnet beim Rundfunkbeitrag und der „heiligen Kuh“ Thomas Gottschalk zeigte sich ZDF-Moderatorin Maybrit Illner bei ihrem Polit-Talk in Bestform – insbesondere ihrem Intendanten Thomas Bellut gegenüber. Aber auch andere Gäste wussten zu punkten.
  • 43

DüsseldorfGegen Ende wirkte ZDF-Intendant Thomas Bellut derart verdattert, dass ihm sogar das Top-Argument zu entfallen schien, warum noch mal das ZDF mit einer gewaltigen, nicht offen genannten Summe den Privatsender Sat.1 bei den Rechten an der Fußball-Champions League überboten hatte. Maybrit Illner half gerne aus: damit auch junge Zuschauer ab und zu einschalten und sich dabei einprägen, wo auf ihrer Fernbedienung das Zweite zu finden ist.

Diese Hilfe für einen Gast war kein Schaden, denn bis dahin hatte die blendend aufgelegte ZDF-Moderatorin ihrem Intendanten kräftig Contra gegeben und ihre Sendung zum Thema „Gebühren, Quoten, Qualität – Sind ZDF und ARD ihr Geld wert?“ zu einer weit überdurchschnittlich sehenswerten Talkshow gemacht. Sie hatte Bellut gefragt, wie Thomas Gottschalk beim ZDF den „Status einer heiligen Kuh“ bekommen konnte, warum sich ARD und ZDF bei der Übertragung von Fußball-Welt- und Europameisterschaften nicht einfach alle zwei Jahre abwechseln anstatt gemeinsam riesige Teams hinzuschicken, und wie viele Digitalkanäle das ZDF eigentlich benötigt, wenn inzwischen doch alles Fernsehen weitgehend digital verbreitet wird. Den SWR-Justitiar Hermann Eicher hatte mit taffen Nachfragen unter anderem zu der neuen Rundfunkgebührenpflicht auch für Behinderte derart verblüfft, dass diese ziemlich oft „mit Verlaub“ sagen musste, und dass „der Gesetzgeber“ es eben so gewollt habe.

Überhaupt war die Sendung gut besetzt (auch wenn der Jurist Ermano Geuer, der erste Kläger gegen die neue Rundfunkgebühr per Twitter bekundet hatte, dass auch er gern eingeladen worden wäre). Handelsblatt-Medienredakteur Hans-Peter Siebenhaar, durch sein Buch „Die Nimmersatten“ derzeit einer der bekanntesten Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zeigte sich zahlenstark und brachte sowohl die über 150 privatwirtschaftlichen Tochterfirmen der Sendeanstalten wie auch seine Forderung, ARD und ZDF zu fusionieren aufs Tapet.

Christoph Keese, der „Außenminister“ des Springer-Konzerns, kritisierte die Programmgestaltung des Digitalkanals ZDF-Neo, lobte aber auch andere ZDF-Programme und ritt am Ende noch ein wenig sein Steckenpferd der „elektronischen Presse“, die ARD und ZDF seiner Ansicht nach im Internet veranstalten. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, hielt sich dermaßen zurück, dass man gar nichts von SPD-Wahlkampf spürte, dafür jedoch einen Eindruck von der „Staatsferne" erhielt, die zum Anspruch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ja unbedingt zählt.

Und Oliver Pocher, derzeit wieder bei RTL und weiter bei Sky aktiver Moderator, sorgte mit Gags über das Dschungelcamp und (als es um Schleichwerbung ging) über Illners „Super-iPad“ für Humor, aber auch für belebende Akzente: Die Telenovelas im ARD-Nachmittagsprogramm seien immer noch besser als der „Scripted-Reality-Dreck“ bei den privaten, meinte er. Und als Keese beteuerte, Gewinnspiele der „Bild“-Zeitung hätten anders als die im ZDF keine Auswirkungen auf den redaktionellen Bereich, musste Pocher so lachen, dass Keese seine Aussage vermutlich leicht bedauerte.

Seite 1:

Maybrit Illner geht den eigenen Chef an

Seite 2:

Bellut geriet tiefer in die Defensive als erwartet

Kommentare zu "Maybrit Illner geht den eigenen Chef an"

Alle Kommentare
  • EINEN öffentlich-rechtlichen - von der Politik nicht beeinflußbaren - Sender zu haben ist sinnvoll. Die Auswüchse, die dort derzeit herrschen und die Gebührenverschwendung auf höchstem Niveau, sind nicht länger hinnehmbar!!

  • ;-)

    Verstanden!
    Ich denke auch, dass ARD und ZDF verlässliche Partner der Politik sind.

  • Eine der wenigen Illner-Sendungen ohne Biss. Wohl weil ihr Arbeitgeber dabei war. Die Argumentation des Intendanten war eine Frechheit. Es werden immer mehr Kanäle belegt um immer mehr kassieren zu können. Das will und braucht aber niemand. Und die Argumentation zur GEZ zeigt reines Beamtendenken. Die sollen sich mal der Konkurrenz stellen und ihre Programme dem Kunden einzeln verkaufen!


  • Mir st die Vielfalt der öffentlich-rechtlichen lieber als die zur totalen Verblödung führenden und mit Werbung durchsetzten Privaten.

    Wenn wir die öffentlich-rechtlichen nicht in dieser Anzahl hätten, dann kämen wir bald zu italienischen Verhältnissen.

    Auch die US-amerikanischen Sender sind hier kein Vorbild. Dort wird über die Kriminalität in der unmittelbaren Nachbarschaft berichtet; was im Rest der Welt vorgeht aber nicht gezeigt. Daher wissen viele US-amerikaner kaum wo Europa liegt.

  • Ich gönne der Politik einen Öffentlich Rechtlichen Sender. Da dürfen sich die Politiker in Talks gerne täglich über ihre Erfolge interviewen lassen. Das sollte dann aber auch über den normalen Staatshaushalt abgedeckt werden. Aber Unterhaltung will ich wählen können. Auch wie ich diese Unterhaltung bezahle. Und dazu gehört auch ein Kündigungsrecht! Dieser Moloch Ö-R hat sich die Existenzberechtigung und das Leistungsspektrum selbst zusammengebastelt und kassiert beim Zuschauer Zwangsgebühren ab. ÖR sind in Deutschland im Kleinen was Brüssel in Europa ist!

  • Gerade für Sehbehinderte oder Taube sind die ÖR mit den vielen untertitelten bzw. zusätzlich kommentierten Filmen oder Beiträgen sowie dem umfangreichen Radioprogramm ein Beitrag zu mehr Lebensqualität, den kein Privatsender leistet.

    Eine Mieterin von uns ist nahezu blind und so habe ich etwas Kontakt zu einem Blindenverein. Die 6 € Beitrag im Monat hält dort jeder für angemessen. (Taubblinde sind ja eh befreit)

  • Die "Werbesendung" für die unrechtmäßige ZWANGSABGABE war von Anfang an durchorganisiert und eine Farce. Der Intendant würgte in status nascendi jede peinliche Frage des Buchautors ab. Es wurde erst gar nicht die Frage gestellt, warum sich die ÖR dem Wettbewerb durch Pay TV nicht stellen wollen. Denn dann würden nur die ZAHLEN, die die Ware bestellen. Propaganda und ewige Gleichschaltung von adp, adn bis Reuters ist keine politische Information zur individuellen Meinungsbildung. Diese Staatssimulation verbirgt Alpha und Omega seiner Existenz.

  • Welchen Sender hätten Sie denn gerne?
    Mutantenstadel? Sportschau? Regionalfernsehen? Diskussionen? Information? Technik? Forschung? Sendungen für Gehörlose? Sekundarstufe II? Rockmusik? klassische Musik? Modern Talking? .....

    Was wollen Sie bei der riesigen Breite des möglichen Angebots mit einem Senderchen?

  • Dass RTL sich aus dem DVBT zurückziehen möchte zugunsten angedachter PayTV und/oder HD+ Lösungen dürfte nichtzuletzt auch auf Überlegungen zurückzuführen sein, öffentlich rechtliche TV-Leistungen im Rahmen von Haushaltsabgaben zu finanzieren: Verglichen mit den Einnahmen aus diesen Haushaltsabgaben wirken RTL ea als vergleichsweise kleine Wirtschaftseinheiten.

    Mal sehn, wie der nächste Zug auf dem Brett aussehen wird, wenn die Kosten für DVBT nur noch von den ör ausgeglichen werden sollten.

    Klar, dass die Privaten reagieren.

    Hinsichtlich der Sendeinhalte dürfte das allerdings die nach unten hin offene Niveauspirale auch nicht weiter beeinträchtigen.

    Valium gilt als apothekenpflichtiges und verschreibungspflichtiges Medikament.

    Für TV-Inhalte scheint dies nicht zu gelten.

  • Ein Sender ist für Steuer subventionierte Programme absolut ausreichend. Der Sender muss nur seiner neutralen Informationspflicht nachkommen. Dazu reicht ein oder höchstens zwei Sender. Alles andere kann von Werbeabhängigen privaten Sendern und Pay TV abgedeckt werden. Unterhaltung (auf niederem Niveau) kann niemals der Auftrag der ÖR sein.

Serviceangebote