Russland-Krise
„Wirtschaftsbeziehungen sind stark belastet”

Der Export deutscher Firmen nach Russland soll in diesem Jahr um rund 17 Prozent sinken, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Die Wirtschaftsvertreter fordern klare, zeitlich begrenzte Sanktionen.
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DüsseldorfDie Ausfuhren der deutschen Wirtschaft nach Russland dürften in diesem Jahr deutlich zurückgehen. Damit rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der sich dabei auf Rückmeldungen deutscher Unternehmen in Moskau und St. Petersburg stützt. Der DIHK rechnet damit, dass die Exporte der deutschen Wirtschaft nach Russland 2014 um mindestens 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sinken werden – das entspricht einem Handelsvolumen von sechs Milliarden Euro. Das berichtet das Handelsblatt in seiner Dienstagausgabe.

Die deutschen Exporte nach Russland sind zuletzt immer stärker zurückgegangen, zeigen auch Daten des statistischen Bundesamts. Im Mai habe es ein Minus von 17,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gegeben, teilte die Behörde am Montag mit. Im April betrug der Rückgang noch 16,9 Prozent, im März 7,2 Prozent. Die Einfuhren aus Russland - vor allem Gas und Öl - legten im Mai dagegen 3,1 Prozent zu auf 3,2 Milliarden Euro. Im Zuge des Ukraine-Konflikts drohen Russland nun auch Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union. Im Visier stehen die Bereiche Rüstung, Kapitalmärkte, Energietechnologie sowie Güter für die zivile und militärische Nutzung.

Deutsche Wirtschaftsvertreter in Russland sind offenbar tief besorgt. „Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen sind aktuell stark belastet“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier. Viele deutsche Firmen in Russland sorgen sich, dass die russischen Firmen die Kundenbeziehung beendeten. „Zum Teil ist das bereits schon geschehen“, so Treier. „Die russischen Kunden befürchten offenbar, dass die deutschen Firmen wegen der drohenden Wirtschaftssanktionen ihren Liefer- und Wartungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.“ Verbreitet sei diese Sorge vor allem im Maschinenbau.

Treier meint zwar, es sei das „Primat der Politik“, politischen Druck auf Russland auszuüben. Wichtig für die Unternehmen sei aber, „dass die Sanktionen einen klaren zeitlichen Rahmen haben und klar definiert ist, was verlangt wird, um sie zu beenden“. Das stelle sicher, dass die Partnerschaft nicht langfristig belastet werde.

Die steile Wirtschaftsabschwung in Russland fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der die Brics-Staaten (Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika) insgesamt deutlich an Tempo verlieren. Das ergibt eine DIHK-Umfrage in der ersten Julihälfte.

Die Ergebnisse aus den Brics-Ländern liegen dem Handelsblatt exklusiv vor – und deuten auf eine deutliche konjunkturelle Abkühlung hin. Für Brasilien, Indien und Südafrika hat der DIHK seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2014 und seine Schätzungen für das Exportwachstum reduziert.

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  • @ Jo

    Freiheit, Frieden, Wohlstand und Sicherheit haben ihren Preis; diese sind keine Hökerwaren auf dem politischen Parkett und nicht verhandelbar auf dem Basar der wohlfeilen Betriebswirtschaft, die Staaten und ihre Bevölkerungen nach Kosten-Nutzen-Rechnungen bewertet und ob eines deutschen Betriebsgewinns die Ukraine und den Kaukasus abschreiben.

    Was "billig" zu haben ist, sind Appeasement und "Ruhe" (ungestörter Geschäftstätigkeit?) auf Kosten der durch Russland bedrohten territorialen und wirtschaftlichen Integrität der Staaten Europas und des Kaukasus.

    "Freiheit" und "Wohlstand" in Frieden und Sicherheit sind mehr wert.

    Zukünftige Technologien erfordern andere Rohstoffe und Bodenschätze.
    Die Erschließung von Rohstoffen und Bodenschätzen in der RF kommt die RF teuer zu stehen: Umweltzerstörung, Unbewohnbarkeit und Verwüstung großer Gebiete durch Ausnutzung der Bevölkerung und Ausbeutung von Sachwerten in der RF - das werden in der RF die Folgen von "billig", "billiger", "am billigsten" sein.

    Russlands Hinwendung zu China und Asien im Ganzen wird Folgen haben.
    China wird Forderungen stellen - hinsichtlich ungeklärter Wirtschafts- und Territorialfragen:
    Grenzfragen, Bevölkerungszuzug, Nutzung und Pacht großer Gebiete zur Sicherung von Bodenschätzen, Rohstoffen und landwirtschaftlicher Ressourcen zur Versorgung der VR China.

    Weitere Folgen der aggressiven und militärisch agierenden neu-russischen post-sowjetischen Politik werden sein, dass die Annexion der Krim rückgängig gemacht wird und das gesamte russische Militär die Krim verlassen muss.

    Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim, die pro-russischen Separatistengebiete in Südossetien und Abchasien im Kaukasus, die durch russisches Militär "beschützt" werden, auch diese Gebiete wird die RF nicht mehr kontrollieren können.

    Wir brauchen kein Russland, welches die Staaten Europas und des Kaukasus mit Militäreinsätzen und rabiaten wirtschaftlichen Vorgehensweisen terrorisiert.

  • @ Jo

    Die Welt besteht nicht nur aus Russland.

  • Vergesst Russland. Russland ist kein Zukunftsmarkt. Russland ist nur ein Bodenschätze- und Rohstofflieferant - kein Absatzmarkt der Zukunft.

    Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig, die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und juristischen Mentalitäten - rückständig - sind nicht auf USA- oder EU-Niveau.

    Pro-Russische Soldaten mit post-sowjetischen Separatisten-Mentalitäten destabilisieren die Nachbarstaaten der RF. Wer so Nachbarstaaten destabilisiert, der wird ebenso - rabiat - mit der Wirtschaft (im eurasischen Wirtschaftsraum) verfahren.

    Vergesst die russlandfreundliche Haltung des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, vergesst die Appeasement-Politik des Außenministers Frank-Walter Steinmeier.

    Die Staaten Osteuropas sehen in der deutschen Appeasement- und Außenpolitik eine Gefährdung der territorialen Integrität der osteuropäischen Staaten.

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