RWE und Regierung uneins
Bundesregierung outet unsichere AKWs

Die neue Panne im Atomkraftwerk Krümmel hat eine Debatte über die Sicherheit der Meiler in Deutschland entfacht. Vor allem ältere AKWs stehen im Zwielicht, wie die Bundesregierung einräumt. Sie kommt in ihrer Sicherheitsanalyse zu einem völlig anderen Ergebnis als der Stromkonzern RWE.

HB BERLIN/HAMBURG. Wie sicher sind die deutschen Atomkraftwerke? Nach den Störfällen im AKW Krümmel ist die Frage aktueller denn je. Nicht wirklich neu sind dagegen die Antworten darauf. Der Bundesregierung war jedenfalls die technische Rückständigkeit der Meiler älterer Bauart, zu denen Krümmel oder auch der hessische Meiler Biblis gehören, lange bekannt. "Die neueren Siedewasserreaktoren sowie die Druckwasserreaktoren der dritten oder vierten Generation haben grundsätzlich bessere Sicherheitseigenschaften", räumt die Regierung in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen aus dem Jahr 2007 ein, die Handelsblatt.com vorliegt. Bei Krümmel handelt es sich um einen Siedewasserreaktor älterer Bauart.

In einer weiteren Antwort aus dem Jahr 2006 geht die Regierung sogar noch weiter. Die älteren Meiler "entsprechen nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik", heißt es. Gemeint sind die AKWs Biblis A und B, Neckarwestheim und Brunsbüttel. Sie wären nach Auffassung der Regierung nach dem heutigen Stand nicht genehmigungsfähig. Grund: Sie gehören der Einschätzung zufolge „nicht zu den weltweit hochmodernsten und sichersten Atomkraftwerken“.

Die Konsequenzen liegen für Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf der Hand. Er will ein schnelles Abschalten der alten Atomkraftwerke nach der Bundestagswahl erreichen. Die Wahl sei daher auch eine Abstimmung über die Atomkraft, meint er. Die Union will dagegen die Atommeiler länger laufen lassen als bisher vorgesehen. Nach dem geltenden Ausstiegsbeschluss würde das letzte Atomkraftwerk um das Jahr 2021 vom Netz gehen. So lange würden die vereinbarten Reststrommengen reichen, die die Reaktoren noch produzieren dürfen.

Auch der Vorstandschef des Stromkonzerns RWE, Jürgen Großmann, sieht keinen Grund, AKWs vorzeitig vom Netz zu nehmen. In der „Bild“-Zeitung widerpricht er auch klar der Sicherheitseinschätzung der Bundesregierung. „Die Kernkraftwerke in Deutschland arbeiten alle auf höchstem internationalem Niveau. Es ist kein einziges Kraftwerk in Betrieb, das nicht sicher ist. Auch ältere Kernkraftwerke in unserem Land sind auf Top-Niveau“, sagte der Manager dem Blatt.

Im internationalen Vergleich seien die alten Anlagen in Deutschland noch jung, meinte Großmann. Anderswo liefen sie doppelt so lange. Zudem würden die deutschen Kernkraftwerke so streng überwacht wie sonst nirgends.

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