Zum Saarland Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Landtagswahl im Saarland
Kramp-Karrenbauer bremst den Schulz-Zug

An der Saar gibt es keinen Machtwechsel. Die CDU hat die Landtagswahlen im Saarland deutlich gewonnen. Das Ergebnis ist ein deutlicher Dämpfer für Martin Schulz und die SPD.
  • 0

SaarbrückenDie Erleichterung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Strahlend tritt Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) vor die Kameras und verkündet: „Dass es so deutlich ausfällt, das habe ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt.“ Klare Sache: Die 54-Jährige hat mit einem Bombenergebnis von 40,7 Prozent das Duell gegen ihrer Herausforderin Anke Rehlinger (SPD) gewonnen - und wird das Land wohl weiter als Ministerpräsidentin in einer großen Koalition regieren.

Das Ergebnis sei ein „klarer Auftrag an sie“ und „eine deutliche Absage an rot-rote Flirtereien“, sagte Kramp-Karrenbauer. Es sei insgesamt „ein offenes Rennen“ gewesen. „Umso glücklicher bin ich heute.“ Großer Jubel auf der CDU-Wahlparty: „Das halte ich nicht aus“, riefen einige vor Freude.

Der Sieg tut Kramp-Karrenbauer doppelt gut: Zum einen, weil sie jetzt die Geschicke des kleinsten deutschen Flächenstaates in ihrem Sinne weiter steuern kann. Zum anderen - und das dürfte etlichen Christdemokraten eine noch größere Genugtuung sein - weil der „Schulz-Effekt“ an der Saar doch nicht ausreichend gefruchtet hat.

Zwar hat die bundesweite Begeisterung um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz den Genossen an der Saar sicher ein paar Prozentpunkte extra verschafft: Am Ende reichte es aber nicht für eine rot-rote Mehrheit, die in Umfragen vor der Wahl knapp, aber möglich schien. „Das ist ein Warnschuss für die SPD“, sagte Parteienforscher Uwe Jun. Der Ausgang der Wahl zeige, „dass ein Koalitionsvertrag in Richtung Rot-Rot-Grün ins Leere läuft.“

Klare Verliererin ist Rehlinger (40). Sie hat ihren beiden Ziele, die sie im Wahlkampf immer wiederholt hat, nicht erreicht. Sie hat es nicht geschafft, die SPD zur stärksten Partei an der Saar zu machen und somit den Posten des Ministerpräsidenten nach 18 Jahren von der CDU zurückzuholen. Und sie hat es nicht geschafft, den Einzug der AfD in den saarländischen Landtag zu verhindern. Mit 6,2 Prozent der Stimmen gehört die AfD nun dazu.

„Wir hätten uns schon mehr gewünscht“, räumte Rehlinger zu den 29,6 Prozent für die SPD ein. Das gute Ergebnis von Kramp-Karrenbauer habe auch mit deren Amtsbonus zu tun, meinte sie. Dieser habe auf den letzten Metern wohl den Ausschlag gegeben. Der saarländische SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas sagte, viele Wähler wollten wohl schon eine Regierung unter Führung der SPD, aber nicht mit Linken. „Das hat uns möglicherweise geschadet“, meinte er.

Auch Schulz äußerte sich enttäuscht. „Wir haben das Ziel für diesen Abend nicht erreicht“, sagte er. Bis zur Bundestagswahl seien es aber noch sechs Monate. „Das ist ein Langstreckenlauf und kein Sprint.“ Seine Hoffnungen richten sich nun auf die noch wichtigere Entscheidung im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen, wo SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in sieben Wochen ihre Macht verteidigen muss.

Seite 1:

Kramp-Karrenbauer bremst den Schulz-Zug

Seite 2:

Lange Gesichter bei der Linken und bei der FDP

Kommentare zu " Landtagswahl im Saarland: Kramp-Karrenbauer bremst den Schulz-Zug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%