Zum Saarland Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Saarland vor der Wahl
Schulz-Effekt und Sorgenfalten

Die Wahl im Saarland soll ein erstes Indiz sein, ob der Aufschwung unter Martin Schulz der SPD auch Wahlerfolge bringen kann. Auf den Straßen des kleinen Bundeslandes wird kontrovers diskutiert. Ein Stimmungsbericht.
  • 0

SaarbrückenStrukturschwach, verschuldet, klein. Das sind die Schlagwörter, die das Saarland üblicherweise beschreiben. Am heutigen Sonntag ist das anders. Mit Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidaten, holte die Saar-SPD plötzlich in den Umfragen auf und liegt nun knapp hinter der CDU, die seit fast 18 Jahren regiert. Dem aktuellen ZDF-Politbarometer zufolge käme die CDU auf 37, die SPD auf 32 Prozent.

Dass eine Koalition aus SPD und der Linken plötzlich in Bereich des Möglichen rückt, beschert dem Saarland und seinem politischen Spitzenpersonal im Superwahljahr 2017 ungewohnte Aufmerksamkeit. Sollte der berüchtigte Schulz-Effekt der bisherigen SPD-Wirtschaftsministerin im Saarland Anke Rehlinger zur Ministerpräsidentschaft verhelfen, könnte das auch den Anfang vom Ende der ewigen Merkel-Kanzlerschaft in Berlin bedeuten, vermuten viele. 

Das lässt das Saarland aus der politischen Bedeutungslosigkeit hervortreten. Wie sehr, sieht man insbesondere in Püttlingen, dem verschlafenen Heimat-Wahlkreis der amtierenden Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die häufig einfach „AKK“ abgekürzt wird. Den meisten Lärm veranstalten dort normalerweise die Vögel, wenn nicht gerade die Kirchenglocken bimmeln.

Doch heute warten um 9 Uhr morgens vor der Städtischen Kindertageseinrichtung „Am Schlösschen“ in Püttlingen, etwa 20 Autominuten von Saarbrücken, schon etwa 30 Fotografen und Fernsehleute auf die Frau mit dem störrischen Nachnamen. Im kleinen Wahlsaal haben sie schweres Gerät aufgefahren, eingeschüchtert schieben sich vereinzelte Bürger an Kameras vorbei und verschwinden mit ihren Wahlzetteln hinter dem Sichtschutz.

Püttlingen ist AKK-Land. Die meisten, das ist kein Geheimnis, geben ihr Kreuz „unserer Annegret“ bevor sie „in die Kirsch gehet“. „Annegret ist regelmäßig vor Ort bei uns in Püttlingen“, sagt etwa der 39-Jährige Michael Hoffmann, „sie ist nicht nur in Saarbrücken oder Berlin“. Bodenständig sei sie. „Die Umfragen beunruhigen mich nicht, es wird für Schwarz-Rot reichen,“ sagt er.

Nach dem Bruch der Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen führt die 54-Jährige seit 2012 eine große Koalition. Um weiter regieren zu können, braucht Kramp-Karrenbauer ein möglichst schwaches Wahlergebnis der SPD, da der alternative Koalitionspartner FDP um den Einzug in den Landtag bangt. 26 der insgesamt 51 Sitze müssen die Koalitionspartner holen, um regieren zu können.

Das könnte auch der SPD und der Linkspartei gelingen. Prognosen bescheinigen der Partei des SPD-Abtrünnigen und ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten, Oskar Lafontaine, 12,5 Prozent. Ein rot-rotes Bündnis mit oder ohne Beteiligung der Grünen, die genau wie die Liberalen um den Einzug in den Landtag bangen, könnte eine knappe Mehrheit erreichen.

Kommentare zu " Saarland vor der Wahl: Schulz-Effekt und Sorgenfalten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%