Zum Saarland Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Saarland-Wahl
Darauf kommt es heute an

800.000 Saarländer sind aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Ihr Votum hat dieses mal auch bundespolitische Bedeutung: Sollten die Sozialdemokraten gewinnen, gäbe ihnen das Schub im Kampf ums Kanzleramt.
  • 0

BerlinEs ist das kleinste Flächenland der Republik, liegt abgelegen im Südwesten Deutschlands, seine gut eine Million Einwohner lieben das Vereinsleben und den Schwenkgrill, sind herzlich und legen keinen Wert darauf, im Blickpunkt der Welt zu stehen – auch wenn es durch seine Nähe ins Elsass und nach Luxemburg wunderschön liegt: das Saarland. An diesem Sonntag aber wird Deutschland gebannt in die Landeshauptstadt Saarbrücken schauen, geht es doch um weit mehr als die Frage, wie es weiter geht in dem vom Strukturwandel gebeutelten und hoch verschuldeten Bundesland. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

Der Schulz Effekt

Seitdem Sigmar Gabriel entschieden hat, nicht als Kanzlerkandidat anzutreten und vor einer Woche auch das Amt des SPD-Vorsitzenden an Martin Schulz übergeben hat, geht es in den Umfragen aufwärts mit der SPD. Es scheint, als könnte die Partei, als könnte Martin Schulz schaffen, was bis vor einigen Wochen als unmöglich galt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Kanzleramt vertreiben. Umfragen sind aber das eine; Wahlergebnisse das andere. Und deshalb ist die Saar-Wahl der erste reale Stimmungstest seit dem Hype um die Schulz-SPD.

Macht und Wechsel

Gelingt es SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger die im Land beliebte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer abzulösen? Die liebevoll als „AKK“ bezeichnete CDU-Politikerin gilt als Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel und wurde bereits als ihre mögliche Nachfolgerin gehandelt, da sie einen ähnlich unaufgeregten Regierungsstil pflegt. Die 52-Jährige wird in der Partei sehr geschätzt. Eine Niederlage von ihr würde einen weiteren Rückschlag in der Riege derer bedeuten, die in der CDU in naher Zukunft auf Bundesebene Verantwortung übernehmen könnten. Dazu gehörten auch David McAllister (Niedersachsen) und Julia Klöckner (Rheinland-Pfalz), die ihrerseits ihre Landtagswahlen verloren. Die 40-jährige Rehlinger hingegen regiert zwar derzeit noch in der Großen Koalition als Stellvertreterin Kramp-Karrenbauers. Sie hat sich aber zuletzt im Wahlkampf deutlich distanziert von der Regierung und wie Martin Schulz mit Allgemeinplätzen für mehr soziale Gerechtigkeit geworben, ohne dabei konkret zu werden. Sie hält sich offen, ob sie im Falle eines Sieges eine Große Koalition bilden oder mit der Linken ein Bündnis schmieden würde. Beides hätte Signalwirkung.

Die Wiedervereinigung

1999 verließ Oskar Lafontaine, gedemütigt von Kanzler Gerhard Schröder, das Bundeskabinett als Finanzminister und trat auch als Parteivorsitzender zurück. Er hinterließ eine tief verletzte SPD und war seither ihr Stachel im Fleisch, indem er ihr als Wegbereiter einer vereinten Linken von Ost und West den Spiegel einer wahrhaft linken Politik vorhielt. Nun könnte er es schaffen, Linke und SPD wieder zu vereinen, wenn auch zunächst nur an der Saar. Er selbst will dies und wirbt mit seiner Frau, der Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, für Rot-Rot – an der Saar und später dann auch mit den Grünen im Bund.

Seite 1:

Darauf kommt es heute an

Seite 2:

Langer Weg bis zur Bundestagswahl

Kommentare zu " Saarland-Wahl: Darauf kommt es heute an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%