Sabine Lautenschläger: Bundesbank-Vize verlangt strenge Regeln für Boni

Sabine Lautenschläger
Bundesbank-Vize verlangt strenge Regeln für Boni

Sabine Lautenschläger hat angesichts absurder Bonusvereinbarungen und der Libor-Affäre offenbar Hoffnungen auf eine Selbstheilung der Finanzindustrie verloren. Im Interview fordert die Bundesbank-Vize gesetzliche Regeln.
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FrankfurtDie Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger, hat strengere Boni-Regeln für Banker gefordert. Wenn die Finanzindustrie nicht freiwillig auf absurde Bonusvereinbarungen verzichte, sollte der Gesetzgeber eingreifen und die Bankgehälter deckeln. „Ich bin dafür, dass Banken einen noch größeren Teil der Bonusansprüche über einen noch längeren Zeitraum zurück behalten“, sagte sie im Interview mit dem Handelsblatt.

Heute sehen die Vereinbarungen eine Haltefrist von drei bis fünf Jahren vor, sagt Lautenschläger: „Mir persönlich wären fünf Jahre – oder für die hohen Boni sogar noch mehr – immer lieber, weil sich manche Bankgeschäfte erst nach etlichen Jahren als riskant herausstellen.“

Die Libor-Affäre sieht Lautenschläger als einen „der medialen Höhepunkt der Finanzskandale“ in den vergangenen Jahren. „Ich halte es für absolut richtig, dass der europäische Gesetzgeber darüber nachdenkt, derartige Manipulationen strafrechtlich zu ahnden.“

Lautenschläger forderte einen Kulturwandel in der Bankenbranche. „Für die Mehrheit der Menschen leben viele Banken und Banker in einer anderen Welt“, sagte sie. Für den Zusammenhalt einer Gesellschaft sei das eine gefährliche Entwicklung. „Selbst wenn ein Investmentbanker noch so gut und erfolgreich gearbeitet hat, sind solche Millionen-Gehälter niemandem zu vermitteln“, sagte Lautenschläger angesichts der Debatte um einen Händler der Deutschen Bank, der in drei Jahren Bonusansprüche von 40 Millionen Euro erworben hatte.
Um Risiken in der Branche künftig früher zu erkennen, soll die Bankenaufsicht ab März 2014 bei der Europäischen Zentralbank (EZB) konzentriert werden. „Der Zeitplan ist sehr ambitioniert, aber grundsätzlich machbar – jedoch nur, wenn man auf den vorhandenen Strukturen aufbaut“, sagte Lautenschläger. Wenn alles neu erfunden werden müsse, sei es weder organisatorisch, noch personell, noch konzeptionell zu schaffen, warnte sie.

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Deutsche Bank liefert Kritikern Argumente

Kommentare zu "Bundesbank-Vize verlangt strenge Regeln für Boni"

Alle Kommentare
  • Es ist für mich absolut unverständlich, dass die Libor-Manipulationen bisher nicht strafrechtlich belangt werden können.

    Betrug in Milliardenhöhe geht straffrei aus?

  • @ nä und nochmals nä: dat is do au wieder nur ne art umsatzbeteiligung! das maß für den auszahlungszeitraum muss die langfristige güte der kreditvergabe berücksichtigen. die periode des kreditzyklus ist die relevante grösse!

  • Bin ich nicht.

  • Die einfachste aller Regulierungen für Boni ist doch, diese für alle Mitarbeiter und Vorstände auszusetzen, wenn die Kosten 80% der Einnahmen übersteigen (Cost-Income-Ratio). Ein Bank ist dann nicht mehr nachhaltig lebensfähig und nicht mehr in der Lage, ausreichend Risikovorsorge zu betreiben.

    Im Gegensatz zu Risikomassen, Leverage-Ratios und anderen Boni-Multiples ist diese Kennzahl nur minimal manipulierbar.

  • Der Bonus ist die intelligenteste Form der Verguetung. Uebertrifft der Manager die Erwartungen der Eigentuemer, wird er am Erfolg angemessen und wie vereinbart beteiligt. Eigentlich eine “win-win” Situation, oder?

    Was also laueft schief mit den Boni? Die Boni werden nicht von den Eigentuemern/Aktionaeren in deren Interesse festgesetzt. Die Klasse der Manager definiert Ziele und Hoehe der Boni selbst. Oft mit offener und verdeckter Unterstuetzung durch die Politik. Dabei hilft, dass die Entscheidungsrechte der Eigentuemer durch Mitbestimmung ausgehoehlt wurden. Die Arbeitnehmerseite bestimmt ueber die Boni mit. Wir haben ja gesehen, wie Arbeitnehmervertreter gefuegig gemacht.werden z.B. mit Maedchen aus Brasilien.

    Und jetzt reklamiert Frau Lautenschlaeger das Mitspracherecht der Politik? Wiederum zulasten der betroffenen Eigentuemer?

    Das mit den Boni funktioniert so: Staaten brauchen Geld. Banker liefern dieses Geld. Sie gehen dafuer Risiken zulasten der Eigentuemer ein. Die Boni werden an den Jahresgewinn geknuepft. Mit hohen Zinsen, insbesondere der Krisenstaaten, lassen sich jahrelang hohe, bonusbeguenstigte Jahresgewinne einfahren. Wenn es an die Rueckzahlung der Kredite geht, sind die Boni schon verfruehstueckt! Und die Politik hilft immer mit!

    Boni muessen von den Aktionaeren festgelegt werden. Von niemand sonst. Finger weg, Frau Lautenschlaeger. Wir trauen Ihnen nicht!

  • @ und es ist so, die relevante volkswirtschaftliche größe sollte die periode des kreditzyklus sein. ist doch auch der zeitraum um tatsächlich erfolge/blasen/usw.usf. langfristig greifbar zu machen.....das bunus system hat doch falsche anreize gesetzt, also wie lassen sich die bunus anreize so setzen, dass es auf volkswirtschaftlich/weltwirtschaftlich auswüchse dämpfend wirkt - oder?

  • @ MAZI: wie wärs als bezugsperiode die periode des mittleren kreditzyluses anzusetzen? oder besser sicherheis halber ne art aufmaß durch faktor 1,5 fache?

    sind sie MAZI nicht t. mayer/db research? die frage liegt mir scho lang auf der zunge? schätze sie hier!

  • "Heute sehen die Vereinbarungen eine Haltefrist von drei bis fünf Jahren vor, sagt Lautenschläger: „Mir persönlich wären fünf Jahre – oder für die hohen Boni sogar noch mehr – immer lieber, weil sich manche Bankgeschäfte erst nach etlichen Jahren als riskant herausstellen.“ "

    Die "Haltefrist" sollte solange sein wie die Sperrfrist für Politiker bis diese einen Job anderweitig annehmen dürfen.

    Bezahlte Vortragstätigkeiten von Politikern sollte es wegen der Korruptionsnähe ohnehin nicht geben.

    Im Gegensatz zum o.g. Vorschlag der Bundesbänkerin spreche ich hier von der international geforderten strafrechtlichen Würdigung der Abgeordnetenkorruption und nicht von dem, was möglicherweise sinnvoll wäre, hätten wir die sonstigen Hausaufgaben erledigt.

  • @ an die lady von de buba: "diener" mit "handkuss". wenne jetzt de ladie(s) habe sollense au sagen was sache is. jo, bin iche dabei! unde machse viel diplomatisch charmant weiblich - nich wie die bursch aufe sichere konverenz - jawoll!

    @ blücher, da machse mit de klare rechenvorschrieft scho mal denne lehn name alle ehre! wär ja ne sach de 3,2 potenz zehne im euro als eigenkapitale für de kontinent afrika zu verwende! jo, wennet au gut läuft, dürfense de anteile an de bank behalde, wenn nich jehense an de db als eigentum zurücke - is scho herbe karnevalle mäßig lolol - aber wennde banke denne in afrika jut läuft, könnse ja die "rettung der wildkatzen und pumas massiv födern". mögense ja so - ich auch!

  • Früher bekam der Vorstand eines Konzerns Pi mal Daumen das zwanzigfache eines leitenden Angestellten. Diesne Multiplikator sollte man auch für heutige GHehälter als Regel verwenden.
    Dann funktionieren Gehalterhöhungen "oben" nur, wenn die Gehälter "unten" aushc angepaßt werden.
    Und wenn es schief geht, dann ist der "Underwriter" oben verpflichtet, den Schaden mit seinen letzten Drei- oder Fünfjahresgehältern zu reduzieren...

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