Sachverständigenrat
Wirtschaftsweise fordern Rente mit 68

Die Wirtschaftsweisen haben ein Finanzierungsproblem der Sozialversicherung entdeckt. Deshalb müsste das Rentenalter bis 2045 auf 68 Jahre angehoben werden, spätere Jahrgänge könnten dann mit 69 Jahren in Rente gehen.
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BerlinDie Politik sollte schnell handeln, um wirtschaftliche Einbrüche in Deutschland in der Zukunft wegen des demografischen Wandels abzuwenden. Das ist die Kern-Botschaft eines Sondergutachtens des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Ratsmitglieder übergaben die Expertise mit dem Titel „Herausforderungen des demografischen Wandels“ am Mittwoch in Berlin an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die ökonomischen Konsequenzen von rückläufigen Bevölkerungszahlen und steigenden Lebenserwartung der Menschen „sind beherrschbar, sofern sich die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik der Herausforderungen annimmt, insbesondere im Bereich der Systeme der Sozialen Sicherung“, befanden die Experten. „Dabei ist keine Zeit zu verlieren, weil sonst die später erforderlichen Anpassungen umso einschneidender ausfallen werden“, mahnten sie die Politik. Die „Fünf Wirtschaftsweisen“ widersprachen aber pessimistischen Prognosen. Diese hätten nur dann eine Berechtigung, wenn die Gesellschaft „wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange in schicksalsergebener Untätigkeit verharrte“.

Unbestritten ist für die Experten: der Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter werde das deutsche Wirtschaftswachstum in der Zukunft verlangsamen. Das sei „eine bedenkliche Entwicklung“. Das müsse aber nicht zwangsläufig mit einem sinkenden Wohlstand einhergehen. Immerhin könnte das Pro-Kopf-Einkommen in den nächsten Dekaden jährlich zwischen 0,7 Prozent und 1,3 Prozent wachsen. Es seien die Rahmenbedingungen, die das Ausmaß des Wachstums bestimmten. Und das heiße etwa, dass mehr in Bildung investiert werden müsse.

Den größten Handlungsbedarf sehen die Weisen im Bereich der Sozialen Sicherungssysteme, insbesondere in der Renten- und der Krankenversicherung. Sie seien wesentlich für die mangelnde Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen verantwortlich. „Ohne Konsolidierungsschritte läge die Schuldenstandsquote im Jahr 2060 bei etwa 270 Prozent“, heißt es im Bericht. Derzeit beträgt sie gut 80 Prozent. Daher müsse mit geeigneten Gegenmaßnahmen gehandelt werden. Die Gesundung der öffentlichen Finanzen bleibe eine Daueraufgabe. Die Ausgabendisziplin dürfe nicht schwinden.

Als „zwingend“ sehen die Experten die geplante Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Diese Marke sollte an die weitere Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt sein. Das könnte eine Anhebung auf 68 Jahre in 2045 und vielleicht 69 in 2060 zur Folge haben. Massiven Handlungsbedarf gebe es auch im Gesundheitssystem.

Der Sachverständigenrat spricht sich darüber hinaus klar für die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland aus. Dem bremsende Einfluss des sinkenden Arbeitsvolumens müsse durch eine bessere Ausschöpfung heimischer Potenziale an Arbeitskräften und eine bessere Förderung der Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften begegnet werden. „Die Einwanderungspolitik bildet einen weiteren Schwerpunkt zur Ausweitung des Arbeitsvolumens“, hieß es im Bericht. Auf mittlere Sicht sei ein Strategiewechsel in der Einwanderungspolitik geboten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sachverständigenrat: Wirtschaftsweise fordern Rente mit 68"

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  • Einerseits, ich habe 3 Kinder aufgezogen, 2 haben das Studium abgeschlossen, die Jüngste in Kürze. Warum sollen wir aus demografischen Gründen später in Rente gehen müssen?
    Andererseits, wenn meine Kinder alle ddrei - wie bereits mein Ältester - in ein demografisch besser dastehendes Land gehen, wie rd. 500.000 gut ausgebildete junge in den latzten 10 Jahren, dann ok, akzeptierbar. Denn von dort aus bleiben sie eher fähig, ihre Eltern im Alter zu unterstützen.
    Dieser Staat stielt Eltern die für die Altersversorgung erbrachte Lebensleistung. Damit verliert er den moralischen Anspruch, den Kindern künftig überhöhte Alterslasten abfordern zu dürfen.

    Heinrich Oldenburg

  • Es wird scheinbar immer mehr gezündelt... und es ist nicht mehr weit bis zur Explosion.
    Das, was dann (und auch jetzt schon) erarbeitet wird, kommt keinem Rentner zugute.
    Das dumme Volk darf erwirtschaften, Steuersenkungen fallen aus - dafür wird das Geld munter verteilt. Für alles, aber nicht für das eigene Volk.

    Rentenaltererhöhung okay, aber zuerst müssen die anderen "Europäer" auf unsere jetzige Stufe!
    Und bis dahin, ist noch sehr viel Luft!
    Wie dumm sind wir, halb Europa ein laues Leben zu finanzieren und uns trotzdem noch permanent Vorwürfe machen zu lassen.
    Es heißt "Deutschland profitiert vom Euro". Deutschland??? NEIN- es kleiner Kreis von Unternehmen und deren Eigentümer. Sonst niemand!

    Was lassen wir uns denn noch allesgefallen?

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