Sänger kritisiert Nato
Udo Lindenberg nimmt Putin in Schutz

Darf sich nach Altkanzler Gerhard Schröder nun auch Udo Lindenberg zu den Putin-Freuden zählen? Der Deutschrocker kritisiert in einem Interview die Nato – und könnte sich auch einen Besuch in Moskau vorstellen.
  • 17

Düsseldorf„Ich mach' mein Ding“ sang Udo Lindenberg vor gut fünf Jahren und schaffte mit dem Hit ein überraschendes Comeback. Der Sänger und Maler nimmt auch außerhalb der Bühnen kein Blatt vor dem Mund. Meist geht es dabei um Musik und Kunst, diesmal aber macht Lindenberg „sein Ding“ auf dem politischen Parkett – und nimmt im Ukraine-Konflikt Russlands Präsident Wladimir Putin in Schutz.

In einem Interview mit der „Main-Post“ (Dienstag) kritisiert der Deutschrocker die Nato. Das westliche Militärbündnis habe sich nicht an die Absprache mit Russland gehalten, nicht in die „befreiten“ Länder der ehemaligen Sowjetunion zu expandieren. „Deshalb werden die Russen sauer, das ist ja nicht Putin alleine“, sagte Lindenberg. „Wenn ich mit Politik irgendetwas zu tun hätte, würde ich sagen: Nato, bitteschön raus aus den osteuropäischen Ländern!“

An erster Stelle solle seiner Ansicht nach stehen, die Freundschaft zu Russland „wieder hinzukriegen“: „Nach all dem, was im Zweiten Weltkrieg so gelaufen ist, müssen wir heute mit Russland eine Freundschaft haben“, sagte Lindenberg der Zeitung. Präsident Putin habe er auch schon mal persönlich kennengelernt.

Er könne sich auch vorstellen nach Moskau zu reisen, um sich dort für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts einzusetzen: „Ich bin dort schon ein paar Mal aufgetreten. Ich möchte gern in dieser Hinsicht aktiv bleiben.“ Vor einer Eskalation in dem Konflikt zwischen der Nato und Russland hat Lindenberg Angst. Es könne leicht ein „Fehler im Militärsystem passieren. Ein Atomkrieg aus Versehen“, so Lindenberg in der „Main-Post“. Diese Gefahr habe ja bereits in den 1980er Jahren bestanden.

Innenpolitisch hatte der 68-Jährige Sänger Russlands Präsidenten vor wenigen Jahren noch kritisiert. Nach der Verurteilung von drei Mitgliedern der Putin-kritischen Punkband Pussy Riot zu Haftstrafen hatte Lindenberg 2012 von einem „idiotischen Urteil“ gesprochen. Zuvor hatte er Freiheit für die inhaftierten Frauen gefordert, die mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Sänger kritisiert Nato: Udo Lindenberg nimmt Putin in Schutz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Herr Uwe Camenz
    Na ja, Sie ärgern sich das Ihr ganzer Quatsch von wegen Selbstbestimmungsrecht der Völker mit einer Aufnahme in der NATO rein gar nichts zu tun hat. Diesen Unsinn hätten Sie sich ersparen sollen, dann wäre meine Reaktion auch etwas freundlicher ausgefallen.

    Wie sieht es denn mit dem Selbstbestimmungsrecht der Menschen von der Krim aus, dürfen die wenigstens entscheiden, so wie die Kosovaren, zu wem sie gehören wollen und zu wem nicht?!

    Egal ob die Zusage stimmt oder nicht, es ist nicht nur eine Frechheit, es ist in meinen Augen Kriegshetze der übelsten Sorte vonseiten der NATO derart dicht den Russen auf den Pelz zu rücken. So etwas tut man nicht als Privatperson bei einer anderen Person und man tut es auch nicht als Staat bzw. Staatenbund (Angriffsbündnis!) mit einem anderen Staat. Ich habe es mittlerweile so satt, ich kriege Pickel, weil die USA ständig auf verbrecherische Art und Weise die Welt destabilisieren und wir Vollpfosten immer, jedenfalls wenn es nach den verblödeten Ossis Merkel und Gauck ginge, dabei sind!

    Nicht wenige ältere Ossis, es gibt sicherlich Ausnahmen, sind als gelernte DDR Bürger charakterschwache Opportunisten. Ich habe wirklich null Bock auf diese neuen US-Vasallen die ständig ihr Fähnchen nur nach dem politischen Wind ausrichten! Das sind die ersten, wenn die USA richtig auf der Fresse liegen würden, die sich dann wieder an den Russen, auch wenn er Putin heißen sollte, auf unterwürfigste Art heranwanzen würden. Solche Menschen sind mir einfach nur zuwider, ekelerregend!!!

  • @Uwe Camenz
    Da muss ich mich aber wundern. Genscher hat 1990 ganz etwas Anderes zur Osterweiterung der Nato gesagt, im Beisein des damaligen amerikanischen Außenminister Baker. Einfach mal bei youtube googeln. Sie wissen ja, das Internet vergisst nie.

    Übrigens fällt mir auf, dass Ihre Toleranzschwelle, anderen Meinungen gegenüber, nicht besonders hoch zu sein scheint.

  • "Dümmliche Propaganda verändern keine Tatsachen."

    Wie wahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%