Sänger kritisiert Nato

Udo Lindenberg nimmt Putin in Schutz

Darf sich nach Altkanzler Gerhard Schröder nun auch Udo Lindenberg zu den Putin-Freuden zählen? Der Deutschrocker kritisiert in einem Interview die Nato – und könnte sich auch einen Besuch in Moskau vorstellen.
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Deutschrocker Udo Lindenberg: „Nato, bitteschön raus aus den osteuropäischen Ländern!“ Quelle: dpa

Deutschrocker Udo Lindenberg: „Nato, bitteschön raus aus den osteuropäischen Ländern!“

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Düsseldorf„Ich mach' mein Ding“ sang Udo Lindenberg vor gut fünf Jahren und schaffte mit dem Hit ein überraschendes Comeback. Der Sänger und Maler nimmt auch außerhalb der Bühnen kein Blatt vor dem Mund. Meist geht es dabei um Musik und Kunst, diesmal aber macht Lindenberg „sein Ding“ auf dem politischen Parkett – und nimmt im Ukraine-Konflikt Russlands Präsident Wladimir Putin in Schutz.

In einem Interview mit der „Main-Post“ (Dienstag) kritisiert der Deutschrocker die Nato. Das westliche Militärbündnis habe sich nicht an die Absprache mit Russland gehalten, nicht in die „befreiten“ Länder der ehemaligen Sowjetunion zu expandieren. „Deshalb werden die Russen sauer, das ist ja nicht Putin alleine“, sagte Lindenberg. „Wenn ich mit Politik irgendetwas zu tun hätte, würde ich sagen: Nato, bitteschön raus aus den osteuropäischen Ländern!“

An erster Stelle solle seiner Ansicht nach stehen, die Freundschaft zu Russland „wieder hinzukriegen“: „Nach all dem, was im Zweiten Weltkrieg so gelaufen ist, müssen wir heute mit Russland eine Freundschaft haben“, sagte Lindenberg der Zeitung. Präsident Putin habe er auch schon mal persönlich kennengelernt.

Er könne sich auch vorstellen nach Moskau zu reisen, um sich dort für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts einzusetzen: „Ich bin dort schon ein paar Mal aufgetreten. Ich möchte gern in dieser Hinsicht aktiv bleiben.“ Vor einer Eskalation in dem Konflikt zwischen der Nato und Russland hat Lindenberg Angst. Es könne leicht ein „Fehler im Militärsystem passieren. Ein Atomkrieg aus Versehen“, so Lindenberg in der „Main-Post“. Diese Gefahr habe ja bereits in den 1980er Jahren bestanden.

Innenpolitisch hatte der 68-Jährige Sänger Russlands Präsidenten vor wenigen Jahren noch kritisiert. Nach der Verurteilung von drei Mitgliedern der Putin-kritischen Punkband Pussy Riot zu Haftstrafen hatte Lindenberg 2012 von einem „idiotischen Urteil“ gesprochen. Zuvor hatte er Freiheit für die inhaftierten Frauen gefordert, die mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind.

Die Putin-Versteher
Borussia Dortmund - FC Schalke 04
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Clemens Tönnies

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies will Kremelchef Wladimir Putin treffen – Sanktionen und Ukraine-Krise hin oder her. „Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker“, sagte er im Handelsblatt Interview. „Die Politik ist nicht unser Spielfeld.“ Dafür gab es aus der Politik viel Kritik, zum Beispiel aus der CDU: „In der momentanen Lage eine Einladung in den Kreml anzunehmen und sich so instrumentalisieren zu lassen, zeugt nicht wirklich von Fingerspitzengefühl“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber der „Bild“-Zeitung. Sport könne aufgrund seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung nie völlig politikfrei sein.

huGO-BildID: 36116786 Russia's President Vladimir Putin (L) meets Siemens AG CEO, Joe Kaeser, in the Novo-Ogaryovo residence outside Moscow, on
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Siemens-Chef Joe Kaeser (r.) und Wladimir Putin

Alle reden über Sanktionen gegen Russland – und Siemens-Chef Joe Kaeser pflegt Kundenkontakte. Er besucht Russlands Präsident Wladimir Putin und trifft in dessen Residenz nahe Moskau auch den Chef der russischen Eisenbahn, Wladimir Yakunin. Dass der auf der Sanktionsliste der USA steht, seitdem Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektierte, stört Kaeser nicht weiter.  Im ZDF-„heute journal“ sagt er dazu: „Wir schließen nicht Geschäfte mit Menschen ab, die zufällig ein Unternehmen leiten, sondern mit den Unternehmen als Ganzes. Und das sind Einzelpersonen in aller Regel zweitrangig.“ Auch sonst findet der Siemens-Chef nichts dabei, in der derzeitigen angespannten Lage, nach Russland zu reisen und Putin zu treffen. Kaeser betont, „(…)dass wir uns von kurzfristigen Turbulenzen in unserer langfristigen Planung nicht übermäßig leiten lassen“. Und er fügt hinzu: „Wenn ich die Kommentare so mancher Altbundeskanzler bewerte, fühlt man sich nicht besonders allein. (…)“ Gemeint sind Gerhard Schröder und Helmut Schmidt, die beide Verständnis für Putins Vorgehen in der Krim-Krise geäußert hatten.

Helmut Schmidt wird 95
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Helmut Schmidt (SPD), Ex-Bundeskanzler

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) findet das Vorgehen des russischen Präsidenten Putin auf der Krim „durchaus verständlich“. Das sagt Schmidt in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, deren Herausgeber er ist. Heftige Kritik äußert Schmidt am Umgang des Westens mit der Krim-Krise. Die von der Europäischen Union und den USA beschlossenen Sanktionen gegen Russland bezeichnet er als „dummes Zeug“. Weiter gehende wirtschaftliche Sanktionen würden nach Ansicht Schmidts ihr Ziel verfehlen. Auch sie hätten vor allem symbolische Bedeutung, „aber sie treffen den Westen genauso wie die Russen“.

CSU-Parteitag
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Peter Gauweiler, CSU-Vize

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler kritisiert den Kurs der Regierung Merkel in der Krim-Krise scharf. Im „Stern sagte der 64-Jährige, Washington und Brüssel, die EU, hätten „uns in eine gefährliche Drohungseskalation gebracht“. Dass Kanzlerin Angela Merkel nun wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland wolle und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine größere Truppenpräsenz an der Ostgrenze der Nato forderte, bezeichnet er als „Säbelrasseln“ und „gefährliche Kraftmeierei“. Man dürfe nicht ignorieren, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in der Krim-Frage die Mehrheit der Russen hinter sich habe und dem Volk seinen Stolz zurückgegeben habe. Drohungen würden hier nicht weiterhelfen. Die Entsendung von Jagdbombern und Kampfjets der Nato nach Polen und Litauen ist in den Augen von Gauweiler der falsche Weg. „Solche militärischen Spiele müssen sofort aufhören. Ein militärisches Vorgehen ist keine Option. Oder wollen die ein neues 1914?“

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Gerhard Schröder (SPD), Ex-Bundeskanzler

Gerhard Schröder gilt als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Sozialdemokrat ist seit seinem Ausscheiden aus der Politik Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG, bei der der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit der Anteile hält. Schröder lehnt es ab, Putin wegen seines völkerrechtswidrigen Handelns auf der Krim mit erhobenem Zeigefinger gegenüberzutreten. Er begründet dies damit, dass er selbst das Völkerrecht gebrochen habe, als es um die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg gegen Serbien während seiner Regierungszeit gegangen sei.

Bundesparteitag Die Linke in Hamburg
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Gregor Gysi, Linksfraktionschef

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi kritisiert zwar den Griff Russlands nach der Krim. Für nicht akzeptabel hält er allerdings, dass mit der Ostausdehnung der Nato nach dem Kalten Krieg russische Sicherheitsinteressen massiv verletzt wurden. Kanzlerin Angela Merkel hält er zudem vor, beim Völkerrecht mit zweierlei Maß zu rechnen. Auch die Abtrennung des Kosovo von Serbien sei ein Rechtsbruch gewesen. Außerdem arbeite die Bundesregierung mit der Übergangsregierung in Kiew zusammen, an der Faschisten beteiligt seien. Die Strafaktionen gegen Russland lehnte er ab.

Die Linke - Bundesparteitag
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Sahra Wagenknecht, Linksparteivize

Der Westen sollte sich nach den Worten der stellvertretenden Linkspartei-Vorsitzenden Sahra Wagenknecht mit einer möglichen Angliederung der Krim an Russland abfinden. „Es gibt machtpolitische Gegebenheiten, die man akzeptieren muss.“ Wirtschaftssanktionen gegen Russland lehnt sie ab. Kritisch sieht sie die jetzige Regierung in Kiew, in der „Neofaschisten“ und „Antisemiten“ säßen. „Insofern ist das eine Reaktion auf eine Fehlentwicklung“, sagte sie. Der Bundesregierung hält Wagenknecht eine „zutiefst heuchlerische Außenpolitik“ vor. „Die USA und die Bundesrepublik haben jedes Recht verwirkt, Völkerrechtsbrüche zu kritisieren, weil sie selber so viele begangen haben.“

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17 Kommentare zu "Sänger kritisiert Nato: Udo Lindenberg nimmt Putin in Schutz"

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  • @Herr Uwe Camenz
    Na ja, Sie ärgern sich das Ihr ganzer Quatsch von wegen Selbstbestimmungsrecht der Völker mit einer Aufnahme in der NATO rein gar nichts zu tun hat. Diesen Unsinn hätten Sie sich ersparen sollen, dann wäre meine Reaktion auch etwas freundlicher ausgefallen.

    Wie sieht es denn mit dem Selbstbestimmungsrecht der Menschen von der Krim aus, dürfen die wenigstens entscheiden, so wie die Kosovaren, zu wem sie gehören wollen und zu wem nicht?!

    Egal ob die Zusage stimmt oder nicht, es ist nicht nur eine Frechheit, es ist in meinen Augen Kriegshetze der übelsten Sorte vonseiten der NATO derart dicht den Russen auf den Pelz zu rücken. So etwas tut man nicht als Privatperson bei einer anderen Person und man tut es auch nicht als Staat bzw. Staatenbund (Angriffsbündnis!) mit einem anderen Staat. Ich habe es mittlerweile so satt, ich kriege Pickel, weil die USA ständig auf verbrecherische Art und Weise die Welt destabilisieren und wir Vollpfosten immer, jedenfalls wenn es nach den verblödeten Ossis Merkel und Gauck ginge, dabei sind!

    Nicht wenige ältere Ossis, es gibt sicherlich Ausnahmen, sind als gelernte DDR Bürger charakterschwache Opportunisten. Ich habe wirklich null Bock auf diese neuen US-Vasallen die ständig ihr Fähnchen nur nach dem politischen Wind ausrichten! Das sind die ersten, wenn die USA richtig auf der Fresse liegen würden, die sich dann wieder an den Russen, auch wenn er Putin heißen sollte, auf unterwürfigste Art heranwanzen würden. Solche Menschen sind mir einfach nur zuwider, ekelerregend!!!

  • @Uwe Camenz
    Da muss ich mich aber wundern. Genscher hat 1990 ganz etwas Anderes zur Osterweiterung der Nato gesagt, im Beisein des damaligen amerikanischen Außenminister Baker. Einfach mal bei youtube googeln. Sie wissen ja, das Internet vergisst nie.

    Übrigens fällt mir auf, dass Ihre Toleranzschwelle, anderen Meinungen gegenüber, nicht besonders hoch zu sein scheint.

  • "Dümmliche Propaganda verändern keine Tatsachen."

    Wie wahr.

  • Sehr geehrte Frau Merker,

    eigentlich wollte ich mich nicht auf Ihre Unterstellungen und Unwahrheiten eingehen.

    Sie haben sich aber mit der Unterstellung: „Dümmliche Propaganda verändern keine Tatsachen.“ selbst disqualifiziert.

    Auf den gesamten Inhalt Ihres Beitrages gehe ich nicht ein, da es keinen Sinn macht Menschen zu überzeugen, die sachliche Argumente und Wahrheiten nicht akzeptieren wollen. Ihre falschen Darstellungen sind auch ausreichend widerlegt worden.

    Ich glaube, dass Sie Ihre poltische Heimat in der linken Ideologieszene haben.
    Ich habe in der DDR Parteisoldaten kennen gelernt und daher weiß ich, dass es zwecklos ist mit linken Agitatoren zu diskutieren. Wie mit Andersdenkenden in den kommunistischen Staaten umgegangen wurde, ist mittlerweile auch ausreichend bekannt.

  • "Selbst Michael Gorbatschow hat vor kurzen öffentlich klargestellt, dass es eine solche Absprache mit Russland nicht gegeben hat.

    Eine solche Absprache würde auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker einschränken."

    Was ein grober Unsinn und auch noch unwahr!!!

    Es ist mittlerweile geschichtliches Allgemeinwissen, dass eindeutig vereinbarte Zusicherungen von der NATO bzw. der bestimmenden Kraft den USA, was die Ausdehnung nach Osten anbelangt, nicht eingehalten wurden! Es ist auch Tatsache das die USA zu den unlauteren Staaten auf diesem Globus und aufgrund ihrer schieren Größe (noch) und Macht zu den gefährlichsten gehören!
    Dümmliche Propaganda verändern keine Tatsachen.

    Wen die NATO in ihren Reihen aufnimmt, bestimmt allein die NATO bzw. vorwiegend die bestimmende Kraft USA. Was hätte eine Nichtaufnahme eines Staates mit einer Einschränkung des Selbstbestimmungsrecht von Völkern zu tun?! Es gibt kein Recht der Aufnahme nirgendwo, es sei denn in ihrem örtlichen Gay-Club!

  • Udo Lindenberg sollte sich aus der Politik raushalten, wenn er die Zusammenhänge nicht versteht.
    Er behauptet, dass das westliche Militärbündnis sich nicht an die Absprache mit Russland gehalten hat, “nicht in die „befreiten“ Länder der ehemaligen Sowjetunion zu expandieren“.

    Selbst Michael Gorbatschow hat vor kurzen öffentlich klargestellt, dass es eine solche Absprache mit Russland nicht gegeben hat.

    Eine solche Absprache würde auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker einschränken.
    Nach Artikel 1 Absatz 2 der UN-Sozialcharta haben alle Völker das Rechts auf Selbstbestimmung.
    Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.

    Will Udo Lindenberg den Völkern der Erde ihr Selbstbestimmungsrecht verbieten?

    Gerade Künstler setzen doch eigentlich für die Weltoffenheit und für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein!

  • Jetzt braucht er Personenschutz und Gottes Hilfe.

  • Wen interessiert dieses Genöhle[...]?
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Putin in Schutz zu nehmen ist mutig und cool!

    Normalerweise sagen solche Musiker immer nur irgendetwas gegen Rechts und gegen Nazis. Dann sind sie sicher, dass es jede Menge Applaus von den Öffentlich-Unrechtlichen Medien und der rot-grünen Journalistenschaft gibt.
    Zu aller Überfluss wird dann meist auch noch vom "mutigen Auftreten gegen Rechts" gesprochen - obwohl es dafür keinerlei Mutes bedarf.

    Für Putin einzustehen, ist aber echt mutig. Und dafür bekommt Nuschel-Udo von mir Applaus.

  • @Frau Helga Trauen
    von den vielen tausend Keizers weltweit kenne ich etwa ein duzend. Nicht mal bei denen weiß ich, ob sie so schön angepasst sind. Sie scheinen die ja besser zu kennen. Ihren letzten Satz verstehe ich nicht. Mal abgesehen davon, ist jeder der Putin nicht für einen "lupenreinen Demokraten" hält, angepasst? Außerdem habe ich darüber gar keine Aussage getroffen. Ich habe nur kundgetan, dass ich die Meinung von Udo höchstens genauso hoch einschätze, wie Ihre und meine, nämlich total unwichtig.

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